Bioethik / Biomedizin

Medizin und Biotechnologie haben Ergebnisse hervorgebracht, die vor Jahren noch undenkbar schienen. Mit ihnen lassen sich Krankheiten besser erkennen und manchmal auch heilen. Häufig werfen sie aber ethische Fragen über die Zukunft des menschlichen Zusammenlebens auf.

So kann man mit Hilfe von Gentests bei familiär vorbelasteten Menschen feststellen, wie hoch ihr Risiko für eine schwere Krankheit ist. Damit steigt die Chance für Früherkennung und Therapie. Gleichzeitig ist es ungewiss, ob und wann die Erkrankung ausbricht, was psychische Belastungen zur Folge hat. Auch zeigen Versicherungen und Arbeitgeber Interesse an diesen höchstpersönlichen Daten. Diskriminierung in „Gesunde“ und „Nichtgesunde“ droht.

Ethisch umstritten sind auch bestimmte Voruntersuchungen bei Schwangeren: Einerseits kann man im immer früheren Stadium der Schwangerschaft die Entwicklung des Kindes kontrollieren und behandeln. Andererseits könnten sich bei Vorhersage einer Behinderung noch mehr Eltern gegen ein solches Kind entscheiden und die Akzeptanz für behinderte Menschen zurückgehen.

Ähnlich umstritten ist, ob Paare bei künstlicher Befruchtung die Eizellen nach bestimmten genetischen Merkmalen auswählen dürfen. Dies ist in Frankreich und England möglich, in Deutschland jedoch nicht.

Bei bioethischen Fragestellungen müssen widerstreitende Grundwerte sorgfältig gegeneinander abgewogen werden: Einerseits ist die Forschungsfreiheit grundgesetzlich garantiert und Menschen wünschen sich Gesundheit. Andererseits gibt es die staatliche Pflicht zum Schutz des Lebens, das Recht auf Nichtwissen, und Menschen wollen, dass ihre jeweilige körperliche Verfasstheit anerkannt wird. Wie in anderen Parteien, gibt es auch in der LINKEN zu bioethischen Themen unterschiedliche Positionen. Gemeinsam steht DIE LINKE jedoch für die Freiheit der Forschung in gesellschaftlicher Verantwortung, für die allgemeine Verfügbarkeit ihrer Grundlagenergebnisse sowie für den Schutz sensibler personenbezogenen Daten vor fremden Interessen.

Von bioethischen Entscheidungen sind alle betroffen, sie bestimmen unser Menschenbild und Verständnis vom gesellschaftlichen Zusammenhalt. Deshalb unterstützen wir eine intensive Beratung der Politik durch Fachleute und die Einrichtung des Deutschen Ethikrates. Wir treten gleichzeitig für eine breite öffentliche Debatte ein, damit Entscheidungen nicht Fachzirkeln überlassen und von wirtschaftlichen und anderen Nützlichkeitserwägungen geleitet werden.

DIE LINKE hat erfolgreich für ein Gendiagnostikgesetz gestritten, das die Qualität von Gentests und eine Beratung mit den Betroffenen absichert. Wir fordern darüber hinaus, dass niemand gezwungen werden darf, Gentests zu Arbeitsschutzzwecken zu machen oder bereits bekannte Testergebnisse gegenüber Versicherungen anzugeben.

DIE LINKE spricht sich für die Förderung adulter Stammzellforschung als ethisch unbedenkliche Alternative zur embryonalen Stammzellforschung aus. Letztere wird von gut der Hälfte der LINKEN im Bundestag unterstützt, soweit ethisch unumstrittene Methoden der Stammzellgewinnung noch nicht etabliert sind.

DIE LINKE setzt sich für Selbstbestimmung am Lebensende und eine gesetzliche Regelung der Patientenverfügung ein. Dabei soll der Patientenwille unabhängig von Art und Verlauf der Erkrankung umfassend gültig sein.