Praktikum

„Generation Praktikum“ - immer mehr ausgebildete junge Leute müssen sich anstelle eines gesicherten Berufseinstiegs mit befristeten, unsicheren und schlecht bezahlten Jobs, Honorar- oder Werkverträgen abfinden. Nicht wenige rutschen nach Schule oder Studium in eine Praktikaschleife und sind damit über Jahre in einer Situation finanzieller Unsicherheit und beruflicher Perspektivlosigkeit gefangen. Der Großteil der Praktikantinnen und Praktikanten arbeitet für umsonst – und das häufig über viele Monate hinweg. Selbst von denjenigen Praktikantinnen und Praktikanten, die bereits eine Berufsausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben, erhält weniger als die Hälfte überhaupt eine Vergütung. Und wer Geld bekommt, kann davon häufig nicht einmal die nötigsten Lebenshaltungskosten decken. Nur jede achte Praktikantin oder Praktikant wird danach vom Unternehmen übernommen.

In den letzten Jahren wurden zunehmend reguläre Arbeitsplätze durch Praktikantinnen und Praktikanten ersetzt. Sie sind fest in die Betriebsabläufe eingeplant und arbeiten kaum weniger als Normalbeschäftigte.  Über 100.000 Unterschriften unter zwei öffentliche Petitionen haben bereits im Jahr 2007 deutlich gemacht: Der Missbrauch von Praktikantinnen und Praktikanten als Billigarbeitskräfte muss aufhören. Doch die große Koalition hat nicht eine einzige Maßnahme zur Verbesserung der Situation von Praktikantinnen und Praktikanten zustande gebracht.

DIE LINKE setzt sich dafür ein, dass die Rahmenbedingungen für Praktika neu geregelt werden. Praktika sind keine Arbeits-, sondern Lernverhältnisse.  Der Berufseinstieg muss in der Regel über reguläre Arbeitsverträge laufen. Unverbindliches, unbezahltes Probearbeiten unter dem Deckmantel eines Praktikumsverhältnisses widerspricht allen Grundsätzen des Arbeitnehmerschutzes und darf nicht akzeptiert werden. DIE LINKE fordert eine klare gesetzliche Abgrenzung von Arbeits- und Lernverhältnissen. Praktika sollten ebenso wie andere Ausbildungsverhältnisse vertraglich eindeutig geregelt sein – mit verbindlichen Lernzielen und verlässlicher Betreuung. Jede Praktikantin, jeder Praktikant muss sich darüber hinaus auf arbeitsrechtliche Mindestschutzbestimmungen berufen können, wie sie unter anderem auch für Auszubildende gelten – auch diejenigen, die ihr Praktikum im Rahmen eines Studiums oder einer Ausbildung absolvieren. Hierfür sollten alle Praktika in den Geltungsbereich des Berufsbildungsgesetzes aufgenommen werden. Betriebs- und Personalräte müssen als Ansprechpartner zur Verfügung stehen und in Konfliktsituationen gehört werden. Und nicht zuletzt: Praktika müssen angemessen vergütet werden. DIE LINKE fordert für Praktika während Ausbildung oder Studium mindestens 300 Euro im Monat, nach abgeschlossener Ausbildung oder Studium den branchenüblichen Lohn.