Stromnetze

Den Transport elektrischer Energie von den Kraftwerken zur Steckdose stellt ein bundesweites Stromnetz sicher. Da die großen Energiemengen, die täglich erzeugt und verbraucht werden, nur in geringem Maße speicherbar sind, müssen die Netze jederzeit funktionieren, um Strom an Unternehmen, Privathaushalte und öffentliche Einrichtungen, wie Krankenhäuser und Schulen, zu liefern. Eine Hauptaufgabe übernehmen dabei die „Stromautobahnen“, wie die großen Übertragungsnetze auch genannt werden. Die überall sichtbaren Strommasten verteilen die Elektrizität mit 110 000 bis 380 000 Volt in Deutschland und stellen den Stromaustausch mit den Nachbarländern sicher. Man spricht bei den Übertragungsnetzen auch von einem natürlichen Monopol, da sich der Wettbewerb mehrerer Leitungsnetze nicht rechnet. Der Betrieb mehrerer Netze wäre zu teuer. Das heißt aber auch: Jeder, der Strom erzeugt und diesen an die Verbraucherinnen und Verbraucher liefern will, muss über eine Stromautobahn. Von dort gelangt der Strom über die örtlichen Verteilnetze, die meist in Händen der Stadtwerke liegen, in die Haushalte und Unternehmen.

Alleinige Besitzer der Übertragungsnetze sind die vier Energiekonzerne E.ON, RWE, Vattenfall Europe und EnBW. Sie haben Deutschland in vier Netzgebiete aufgeteilt, in denen sie die alleinige Hoheit über die großen Stromleitungen haben. Gleichzeitig verfügen sie über etwa 80 Prozent aller Kraftwerke in Deutschland. Diese marktbeherrschende Stellung nutzen sie, um den Zugang neuer Anbieter zu behindern und die Einspeisung erneuerbarer Energien auszubremsen.  Die Zeche zahlen die Stromkunden mit deutlich überhöhten Energiepreisen. In der Bundesrepublik ist Strom für Privathaushalte 50 Prozent teurer als im europäischen Durchschnitt. 

Eine Bundesnetzagentur hat die Aufgabe, Obergrenzen für Einnahmen der Stromanbieter aus dem Netzbetrieb festzulegen. Der Erfolg ist dürftig, denn die Stromkonzerne verlangen einfach höhere Preise für die Stromerzeugung, wenn die Regulierungsbehörde niedrigere Netzgebühren vorschreibt. Hinzu kommt, dass die Energiekonzerne ihre Netze in den letzten Jahren sträflich vernachlässigt  haben. Im Jahr 2006 wurden durch die Energieversorger über 21 Milliarden Euro an Netzgebühren eingenommen. Für die Wartung und den Ausbau der Übertragungsnetze wurden hingegen nur 0,9 Milliarden Euro ausgegeben.

DIE LINKE fordert die Verstaatlichung der großen Stromnetze. Es bedarf einer direkten gesellschaftlichen Kontrolle der Netze, um  Missbrauch zu verhindern und eine zukunftsgerechte Ausrichtung der Energieversorgung sicherzustellen. Dieses Ziel ist nur durch Überführung in die öffentliche Hand zu erreichen. Durch eine Rückführung der Stadtwerke in rein kommunales Eigentum soll zudem die demokratische Kontrolle über die örtlichen Verteilnetze, aber auch über die Stromproduktion, sichergestellt werden. Die Versorgung mit  Energie muss dem Allgemeinwohl dienen und nicht den Profitinteressen weniger. Was für die großen Stromnetze gilt, gilt im Übrigen auch für die Gasnetze.