3. Für eine gerechte zukunftsoffene Gesellschaft

„Der beste Weg, die Zukunft vorauszusagen, ist, sie zu gestalten.“ Willy Brandt

„Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Mit diesem Satz beginnt das Grundgesetz. Zur Würde des Menschen gehört die Souveränität über das eigene Leben, jetzt und in Zukunft. Wer von der Not getrieben ist, wird seiner Würde beraubt. Um Lebenssinn zu finden, brauchen wir Zukunftsgewissheit. Frauen und Männer wollen die Zeit für Arbeit und Familie, für Bildung, Kultur und Erholung souverän einteilen. Millionen Menschen aber können das nicht mehr, weil sie am Existenzminimum leben, keine Arbeit haben oder nur unsichere Jobs. Die Gesellschaft driftet auseinander. Sozialer Aufstieg durch Bildung – dieses Versprechen früherer Jahrzehnte ist auf der Strecke geblieben.

Zu einem Einstieg in eine andere Gesellschaft gehört die Neu- und Umbewertung von Arbeit, damit alle Menschen in den vier Bereichen tätig sein können, auf die eine Gesellschaft angewiesen ist und deren Vielfalt unser Leben reicher macht. Das sind Arbeiten in Beruf und Erwerb, in Familie und Partnerschaft, Arbeit an sich selbst sowie Teilnahme am kulturellen, politischen und sozialen Leben. Bei radikaler Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit müssen diese Arbeiten und diese Chancen, das gesellschaftliche Leben mitzugestalten, gleich verteilt sein, nicht zuletzt zwischen den Geschlechtern.

Armut und fehlende Zukunftsgewissheit sind kein individuelles, sondern ein politisches Versagen. Um die Ursachen der sozialen Spaltung zu überwinden, um Gerechtigkeit als Fundament der Demokratie zu stärken, müssen alle Menschen das Recht und die Chance haben, die Zukunft mit zu gestalten. 

Um zu entscheiden, wie wir morgen leben wollen, benötigen wir die Chance auf interkulturelle Erfahrungen, Gleichstellung und Toleranz. Wir brauchen den Zugang zu Wissenschafts- und Medienlandschaften, die der Öffentlichkeit und dem Gemeinwohl verpflichtet sind. Mit besserer Bildung für alle, mit einer ökologisch ausgerichteten Forschungspolitik, mit moderner Regionalpolitik, einem neuen Leitbild für den Osten und einer Weiterentwicklung der öffentlichen Infrastrukturen werden Weichen für die Zukunft gestellt, für die kommenden vier Jahre und darüber hinaus.