Matthias Höhn

Willkommen in Deutschland!

Matthias Höhn

Die widerwärtigen Bilder sind wieder da: Hünenhafte Männer in Jogginghosen reißen den rechten Arm zum Hitlergruß hoch. Alte und Junge mit wutverzerrten Gesichtern, dazu - immer schön den "Volkszorn" schürend - die NPD: Ein Heim für Flüchtlinge im Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf ist diesmal Auslöser für die Bilder, die schreckliche Erinnerungen wach werden lassen an die frühen neunziger Jahre.

Auch in Reflektion der Ereignisse von 1992 veröffentlichten die "Toten Hosen" 1993 den Titel "Willkommen in Deutschland", dessen Text angesichts der jüngsten Geschehnisse erschreckend aktuell ist:

"Dies ist das Land, in dem man nicht versteht,
dass FREMD kein Wort für FEINDLICH ist,
in dem Besucher nur geduldet sind,
wenn sie versprechen, dass sie bald wieder gehen."

Viele, viele haben seit den Ereignissen von damals dazugelernt. Und so stimmt mich der Widerstand gegen den Hass dennoch optimistisch: Im Gegensatz zu damals sind Demokratinnen und Demokraten diesmal geschlossen vor Ort, stellen sich der - mindestens - rechts-unterwanderten Bürgerinitiative "Nein zum Heim" entgegen, bringen Nachbarinnen und Nachbarn, Bürgerinnen und Bürger den Flüchtlingen Kleidung und Spielzeug, sorgt die Polizei von Beginn an mit Präsenz dafür, dass die Situation nicht eskaliert.

Diejenigen, die den ängstlichen, verzweifelten Flüchtlingen mit Wut und Hass begegnen, suchen gezielt die Journalisten, suchen die Kameras. Diktieren die Floskeln, die so alt und falsch sind, wie eh und je: "Die bekommen alles geschenkt!", "Die haben mehr als wir!" oder "Uns hilft keiner, denen hilft jeder!" Das dumme, falsche Bild mit den Folgen, dass die Armen die Ärmeren treten, der Schwache den Schwächeren.

Auf diesen Boden fällt die Saat, die nicht nur von der NPD und ihren Kumpanen vom rechten Rand gestreut wird. Wenn von "Armuts-Einwanderung" in unser Sozialsystem gesprochen wird, und das dies den sozialen Frieden gefährde (BILD, 16. Juli 2013), wenn der Bundesinnenminister Friedrich "alarmiert" ist von der steigenden Zahl der Asylbewerber (FR, 14. August 2013) - dann ist das genau das Gegenteil von offenen Armen, dann ist das Zündeln an der kurzen Lunte von rechten Idioten und Chaoten.

Aber was hilft außer Protest und Widerstand? Die Wahrheit und Aufklärung - wieder und wieder. Und die Forderung nach einer anderen, menschlichen, Asyl- und Flüchtlingspolitik. Endlich Schluss mit dem zutiefst diskriminierenden Asylbewerberleistungsgesetz, das Sammelunterkünfte statt dezentrale Unterbringung vorsieht, das mit Sachleistungen statt Geld Menschen entmündigt, das mit Arbeitsverbot und Residenzpflicht jede Bewegung so einschränkt, dass Ausgrenzung verschärft statt gemildert wird.

Die geflüchteten Menschen suchen hier Schutz und Aufnahme - viele von ihnen haben unermessliches Leid erfahren. Es ist Aufgabe der Regierungen in Bund und Land - genauso wie es unsere Aufgabe ist -, ihnen diesen Schutz zu garantieren.

Und in diesem Sinne zum Ende noch einmal die "Toten Hosen":

"Es ist auch dein Land,
steh auf und hilf, dass blinder Hass es nicht zerstört.
Es ist auch mein Land,
und sein Ruf ist sowieso schon ruiniert.
Es ist auch dein Land,
komm wir zeigen, es leben auch andere Menschen hier."

Ja, zeigen wir, dass hier auch andere Menschen leben, dass wir viele sind, dass wir mehr sind, viel mehr. Und, dass wir sagen: Willkommen in Deutschland!