Mutlangen - ein Symbol für den Frieden

Oskar Lafontaine über seine Teilnahme an der Blockade des US-Stützpunktes Mutlangen am 1. September 1983

Oskar Lafontaine während der Blockade des US-Stützpunktes Mutlangen am 1. September 1983

Anfang bis Mitte der 1980er Jahre protestierten Millionen gegen den so genannten NATO-Doppelbeschluss. Dieser sah die Stationierung der atomar bestückten US-amerikanischen Mittelstreckenraketen Pershing II und Marschflugkörper AGM-86 Cruise Missile in Europa als Antwort auf die Stationierung der neuen sowjetischen SS 20-Raketen vor. Die Friedensbewegung kritisierte, dass die amerikanischen Mittelstreckenwaffen in der Lage waren, die sowjetische Hauptstadt faktisch ohne Vorwarnzeit zu treffen. Viele hatten Angst davor, die USA könnten einen Atomkrieg auf Europa begrenzen und ihr eigenes Territorium aussparen. Über vier Millionen Menschen unterzeichneten 1980-83 den "Krefelder Appell" gegen die Stationierung amerikanischer Mittelstrecken-Atomwaffen in Europa.

Zum wichtigsten Symbol der Friedensbewegung wurde der US-Stützpunkt Mutlangen bei Schwäbisch Gmünd, auf dem die Raketen vom Typ "Pershing 2" stationiert werden sollten. Der Stützpunkt blieb monate- und jahrelang von Demonstranten umlagert, die immer wieder die Zufahrten blockierten, bis sie von der Polizei festgenommen oder abgedrängt wurden. Am 1. September 1983, dem "Antikriegstag", beteiligte ich mich gemeinsam mit Petra Kelly Gert Bastian, den Theologen Heinrich Albertz, Helmut Gollwitzer und Dorothee Sölle, den Schriftstellern Heinrich Böll und Peter Härtling und vielen anderen an einer dreitägigen Blockade des US Stützpunktes Mutlangen.