Rosa-Luxemburg-Stiftung

Die enthemmte Mitte

Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland. Die Leipziger Mitte-Studie 2016

Deutschland ist polarisiert: Eine deutliche Mehrheit lehnt rechtsextremes Denken ab und hat Vertrauen in demokratische Institutionen. Menschen mit rechtsextremer Einstellung sind hingegen immer stärker bereit, ihre Ansichten mit Gewalt durchzusetzen. Dies ist eines der zentralen Ergebnisse der Studie "Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland". Die von Oliver Decker, Johannes Kiess und Elmar Brähler herausgegeben Erhebung entstand in Kooperation mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung, der Heinrich-Böll-Stiftung und der Otto-Brenner-Stiftung. Für die "Mitte"-Studie der Universität Leipzig werden seit 2002 alle zwei Jahre bevölkerungsrepräsentative Befragungen durchgeführt. Es gibt keine vergleichbare Langzeituntersuchung zur politischen Einstellung in Deutschland.

Zwar sind in der letzten Dekade die demokratischen Milieus gewachsen sind, doch zeigt sich die "Mitte" in der aktuellen Erhebung auch nicht als "Schutzraum der Demokratie, sondern aus ihr kann ein großes antidemokratisches Potenzial erwachsen". Deutliches Indiz dafür ist der unübersehbare Anstieg der Abwertung bestimmter Gruppen: Islamfeindschaft, Antiziganismus und die Abwertung von AsylantragstellerInnen. Gleichzeitig wachsen die Befürwortung einer antidemokratischen, autoritären Politik und die Gewaltbereitschaft bzw. -akzeptanz, etwa um den eigenen Interessen Nachdruck zu verleihen oder sich "gegen Fremde durchzusetzen".

Die Zahl der Personen mit rechtsextremen Einstellungsmustern ist im Vergleich zu den Vorstudien nicht größer, aber sie sind sichtbarer und lauter geworden. Den rechten Einstellungen folgen jetzt vermehrt auch Handlungen. Bereits bei der Erhebung 2014 deutete sich an, was in der aktuellen Studie deutlicher hervortritt: Die Alternative für Deutschland (AfD) wirkt wie ein politischer Magnet auf Personen mit rechten Einstellungen, wie Horst Kahrs, Referent für Klassen- und Sozialstrukturanalyse in der Stiftung, in seiner Zusammenfassung ausgewählter Ergebnisse schreibt.

Auf Grundlage der Leipziger Mitte-Studie sind zwei Arbeitspapiere entstanden, die die Ergebnisse der Erhebung in Bezug auf für die Partei DIE LINKE relevante Fragen diskutiert. Im Arbeitspapier 4/2016 werden unter dem Titel "Von der Linkspartei zur AfD und wieder zurück" die Wählerwanderungen von links nach rechts untersucht. Welche Veränderungen im Wählerpotenzial der Linkspartei aus der Studie erkennbar sind, dieser Frage wird im Arbeitspapier 5/2016 "Die LINKE und die ‹enthemmte Mitte›" nachgegangen.

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