Disput

Terrorismusexperte

Das Kleine Blabla

Von Daniel Bartsch

In einem künstlerischen Akt fundamentaler Medienkritik habe ich das Radio zerstört – Schluss mit dem Besten der 70er, 80er – »Nuller«-Jahre. Die Welt ist ja auch nicht mehr wie damals. Die Folge davon ist: Frühstück vorm Fernseher – FF dabei, sozusagen. Irgendwo ist wieder etwas Schlimmes passiert, ich höre den Moderator: »…begrüßen wir nun unseren Terrorismusexperten live im Studio… « Da könnte ich gleich in die Luft gehen. Der Terrorismusexperte – und ja, gegendert braucht hier nicht zu werden, denn keine Frau gäbe sich für diesen nutzlosen Job her – der Terrorismusexperte also, ist die personifizierte Ahnungslosigkeit, weiß selten bis nie mehr, als der erschütterte Zuschauer und lebt von Allgemeinplätzen und Vermutungen. Aber keine Sendeanstalt kommt ohne einen aus. Die unsichere Welt gebiert einmal mehr völlig neue Berufsbilder – irgendwas mit Medien sollte es aber schon sein. Wenn es kracht und knallt wäre dann einer da, der die Stille des Schocks mit leeren Worten füllt.

Der »Erdbebenexperte« versucht wenigstens noch, Muster zu fi nden, Vorhersagen zu treffen und zu forschen, warum und wieso die Erde bebt. Dagegen taucht der Terrorismusexperte immer erst auf, wenn es zu spät ist. Um uns dann zu erklären, dass es a) keine 100prozentige Sicherheit gibt, b) das Muster dem entspräche, was man von den Terroridioten jeglicher Herkunft und Besessenheit erwarten könne und c) man nun erstmal schauen müsste, sprich d), die Ermittlungen abwarten. Sensationell, wenn es dafür auch noch Geld gibt. Und das Geld gibt es auch, wenn die Terrorismusexperten nach abgewarteten Ermittlungen das Gegenteil erzählen.

In einer friedlichen Welt ohne Hass und Gewalt wären diese Menschen vielleicht Tourismusexperten. Vermutlich bliebe ich auch dann lieber zu Hause. Vorm TV.