Disput

»Uschi mach kein Quatsch!«

Feuilleton

Von Jens Jansen

Als der Schlager »Uschi mach kein Quatsch!« 1982 die Hitparaden stürmte, ahnte Uschi von der Leyen noch nicht, dass sie einst Oberbefehlshaber der Bundeswehr sein würde. Aber vor drei Jahren wurde es wahr. In Berlin, wo einst zwei Weltbrände angezettelt wurden, wurde die kleine zierliche Frau und Mutter zur Verteidigungsministerin ernannt. Das wurde in mancher Zeitung als Beweis neudeutscher Friedfertigkeit kommentiert. Doch dafür hat die »Mutter der Truppe« indessen zu viele Kriegshandlungen befürwortet. Was hilft denn ihre kleine Zornesfalte, wenn schon Haudegen wie der frühere US-General Eisenhower den verheerenden Einfluss des militärisch-industriellen Komplexes auf die Politik beklagten?

So musste auch Uschi lernen, dass dies ein fieser, harter Job ist: Die Armee soll aufgestockt werden. Alle Waffengattungen müssen vom veralteten Schrott befreit werden. Zugleich sind 17 Auslandseinsätze mit Soldaten zum blutigen Krieg, zur Erprobung neuer Waffen auch in Bürgerkriegen und mit Ausbildern oder Kontrollposten zu versorgen. Die Bundeswehr hat den Stoßtrupp der NATO an der baltischen Ostgrenze nach Russland übernommen. Uschi hat mit dem Stab von Donald Trump in Washington einige scharfe Kampfhunde am Hals. Und sie hat viele Zwischenfälle mit einer braunen Meute deutscher Schäferhunde am Hintern, die den Geist der Truppe seit Jahrzehnten vergiften.

Jüngst machte nun der Oberleutnant Franco A. Schlagzeilen. Der hatte im Flughafen Wien eine Pistole versteckt. Man fand eine »Abschussliste« mit den Namen einer Abgeordneten der LINKEN und des Justizministers. Der Offi zier besaß zwei Pässe, mit denen er auch als verfolgter Syrer auftreten konnte. Er hatte in neun Dienstjahren eine steile Karriere in der deutschfranzösischen Brigade, obwohl seine Master-Arbeit von Nazigeist getränkt und daher abgelehnt war. In der Kaserne fand man etliche Symbole und Helden-Bilder von Hitlers Wehrmacht, was offenbar zur »Traditionspfl ege« gehört, denn kein Vorgesetzter monierte das. Die Zutaten gibt es ja auch in jeder größeren Buchhandlung. Und dazu musste Uschi Erklärungen abgeben, denn das sind längst keine Einzelfälle mehr.

Wie eine Anfrage der LINKEN Bundestagsabgeordneten Ulla Jelpke ergab, liegen derzeit 275 Verdachtsfälle rechtsextremer Delikte seit Januar 2016 bei der Bundeswehr vor. Solche »besonderen Vorkommnisse« werden oft im Korpsgeist unter den Teppich gekehrt. Uschi von der Leyen beklagte daher Führungsfehler. Das war Quatsch, weil sie selber ja die Führerin der Führer ist. Darauf ruderte sie zurück: »Nein, nein, die Truppe ist – bis auf wenige Ausnahmen – sauber und zuverlässig.« Das war wieder Quatsch, weil die Freiwilligen- Armee auch zum Magnet für Terroristen wurde, die den Pulverdampf lieben. Und der Korpsgeist ist und bleibt ein Makel bei allen Vereinen, die sich mit und ohne Uniform zur Elite zählen. Dazu gehört ja auch der Doktorgrad auf den Korridoren der Macht, egal wie viel mancher Kandidat abgeschrieben hat. Die Uschi und ihr Vorgänger von Guttenberg bekanntlich auch.

Also Uschi, mach keinen Quatsch mehr! Sorge dafür, dass der Nazigeist endlich aus den Kasernen und Köpfen verjagt wird. Hole unsere Truppen aus den fremden Ländern nach Hause, wie es das Grundgesetz will. Lass die NATO mit ihren unberechenbaren Alleinherrschern allein in die nächste Schlacht ziehen. Beteilige dich nur, wenn auf Beschluss der UNO Blauhelme nötig sind, um irgendwo die Waffenruhe zu garantieren. Dann kannst du auch deinen Enkelkindern gerade in die Augen schauen und sagen: »Oma hat alles getan, um die Kaputtmacher zu bändigen!« Das wäre dann kein Quatsch. Auch, wenn alle Kreuzritter aufheulen.