Michael Schlecht

Lohndumping-Glücksrittern das Handwerk legen

Zur Ankündigung von Massenentlassungen und eines drohenden Insovenzverfahrens bei der PIN Group erklärt der gewerkschaftspolitische Sprecher Michael Schlecht:

Bei PIN, TNT und anderen Postdienstleistern ist das Geschäftsmodell auf Lohndumping mit Hungerlöhnen und auf verkappte Subventionen unter dem Deckmantel von Arbeitslosengeld II aufgebaut. Dass Beschäftigte mit Hungerlöhnen Anspruch auf ergänzende Leistungen - die so genannte Aufstockung - haben, wird von den Unternehmern bewusst mit einkalkuliert. Mit einem tariflichen Mindestlohn von 8 bzw. 9,80 Euro geht die Rechnung nicht mehr auf, obgleich diese Löhne immer noch um 25 bis 45 Prozent niedriger liegen als die niedrigsten Löhne bei der Post AG.

PIN und damit Springer versuchen jetzt die Politik mit dem Rauschmiss von 1000 Beschäftigten bzw. einem Insolvenzverfahren zu erpressen. So soll auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen politisch vorgeführt werden, dass der Mindestlohn Arbeitsplätze vernichtet. Dabei resultieren die wirtschaftlichen Probleme aus Managementfehlern. Und man muss wissen: Ohne den Postmindestlohn wären bis zu 32.000 Arbeitsplätze bei der Post AG bedroht.

Diese Rechnung darf nicht aufgehen. Der ohnehin schon auf politischen Druck hin abgespeckte Postmindestlohn muss beschlossen werden! Sollte Springer tatsächlich dann die Insolvenz beschließen, muss intensiver über die Beschneidung wirtschaftlicher Macht diskutiert werden. Das Vorgehen von Springer widerspricht unserem Grundgesetz. Eigentum verpflichtet, heißt es dort.

Wenn Springer tatsächlich den Kolleginnen und Kollegen zu Weihnachten die Kündigung beschert, steht die Losung "Enteignet Springer" erneut zu Diskussion.

Die große Koalition hat versagt. Hätte sie längst, wie von der LINKEN und Gewerkschaften gefordert, einen gesetzlichen Mindestlohn von 8 Euro plus beschlossen, dann wäre den Lohndumping-Glücksrittern endlich das Handwerk gelegt.