Sachsen

Aktionstag zu NS-Kriegsverbrechern auch in Sachsen

Zum bundesweiten Aktionstag "NS-Opfer entschädigen! - NS-Verbrecher verurteilen!" am 1. Dezember erklärt Kerstin Köditz, Sprecherin für antifaschistische Politik der Fraktion DIE LINKE:

Der Titel des 1946 von Wolfgang Staudte gedrehten Films "Die Mörder sind unter uns" ist inzwischen sprichwörtlich geworden. Leider zeigt sich bis heute, dass er auch im Wortsinne zutrifft. Einige der Kriegsverbrecher der Nazi-Wehrmacht, die im Ausland an Massakern beteiligt waren und dort in Abwesenheit verurteilt worden sind, leben völlig unbehelligt unter uns. Ich begrüße es deshalb, dass diese Personen am Samstag, dem 1. September, bei einem bundesweiten Aktionstag der Anonymität entzogen werden sollen.

In der Regel sind in der Bundesrepublik Ermittlungsverfahren gegen diese NS-Täter mit immer neuen skandalösen Begründungen eingestellt worden. Sie beziehen hier ihre Renten, pflegen ihre Kontakte und leben ein alltägliches Leben als "ganz normale alte Männer". Ich bin mit den Organisatoren des Aktionstages der Meinung, dass kein Gras über diese Verbrechen wachsen darf.

In Sachsen finden in diesem Zusammenhang am 1. Dezember Aktionen in Freiberg und in Wurzen statt. Der Fall des in einem Altersheim in Freiberg lebenden Alfred Concina, der Mittäter beim Massaker im italienischen Sant Anna di Stazzema war, ist bereits breit durch die Medien gegangen. In Wurzen lebt Kurt Spieler, der als Beteiligter des Massakers in Marzabotto durch ein Gericht in La Spezia verurteilt wurde. In der Bergregion Marzabotto ermordete die 16. SS-Panzergrenadierdivision "Reichsführer SS" sowie hinzugezogene Wehrmachtsangehörige zwischen dem 29. September 1944 und dem 5. Oktober 1944 weit über 700 Einwohner.
 
Im Januar 2007 wurden weitere zehn ehemalige SS-Angehörige zu lebenslanger Haft und zur Zahlung von Entschädigungen an die Überlebenden und Angehörigen der Opfer verurteilt. Sie sind der Schwerpunkt des diesjährigen Aktionstages, zu dem von 11 - 13 Uhr in Freiberg und von 14 - 16 Uhr in Wurzen Kundgebungen stattfinden werden. Niemand kann verhindern, dass die Mörder weiterhin unter uns leben. Aber wir können dazu beitragen, dass sie es nicht mehr in Ruhe und Frieden tun können. Es gilt das Schweigen zu durchbrechen und die NS-Kriegsverbrecher zur Verantwortung zu ziehen.