Rosemarie Hein

Freudentaumel ähnelt Tanz auf der Titanic

Zur Vorabveröffentlichung der PISA-Ergebnisse erklärt das Mitglied des Parteivorstandes Rosemarie Hein:

Die Kultusminister möchten sich ihre Sektlaune nicht vermiesen lassen. Da scheint es nun einmal ein recht passables Ergebnis einer PISA-Untersuchung zu geben und dann schüttet schon wieder jemand Wasser in den Wein.

Was stört es da, dass der 13. Platz immer noch nicht Spitze ist, dass Länder wie Taiwan oder Slowenien auf Anhieb vor Deutschland landen - womöglich gibt es noch mehr die besser sind, nur beteiligen die sich nicht. Was stört es, dass Finnland auch diesmal die Spitze hält und dass zwischen den durchschnittlichen Ergebnissen von Finnland und Deutschland der Lernfortschritt eines ganzen Schuljahres liegt. Was kümmert es weiter, dass 24 Stunden vorher festgestellt werden musste, dass Kinder aus Arbeitnehmerhaushalten selbst bei gleichen oder gar besseren Leistungen um ein Vielfaches schlechtere Chancen haben, zum Gymnasium zu kommen als Kinder aus Akademikerhaushalten.

An den Grundbefunden hat sich nichts geändert: Das gegliederte Schulsystem bietet keine Chancengleichheit. Es ist ungerecht. Aber ein solches Eingeständnis von denen, die für Bildungspolitik in den Ländern zuständig sind, wäre wohl zuviel verlangt. Doch - wie immer - der Teufel steckt im Detail. Und die Details sind erst am Dienstag zugänglich. Darum: Warten wir also den Dienstag ab.