Heidi Scharf und Michael Schlecht

Privatisierung ist Bahn-Vorstand wichtiger als angemessenes Einkommen der Beschäftigten

Zum eskalierenden Tarifstreit zwischen der GDL und der Deutschen Bahn und den für Freitag angekündigten bundesweiten Streiks erklären die gewerkschaftspolitischen Sprecher des Parteivorstandes Heidi Scharf und Michael Schlecht:

Wir haben Verständnis für die Forderung der Lokführer nach Einkommensverbesserungen, aber die gewerkschaftliche Einheit muss hergestellt werden, um für alle Beschäftigten notwendige Verbesserungen zu erzielen.

Mit Einstiegsgehältern von monatlich rund 2000 Euro Brutto und 2150 Euro nach vier Jahren sind Lokführer zu schlecht bezahlt. Im Vergleich mit den meisten westeuropäischen Ländern sind deutsche Lokführer das Schlusslicht. Auch die Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter sowie die Beschäftigten im Stellwerksdienst sind in Anbetracht von Belastungen und Verantwortung nicht angemessen bezahlt. Hinzu kommt, dass in den letzten Jahren alle Beschäftigten deutliche Verluste bei den Stundenlöhnen hinnehmen mussten.

Eigentlich wäre es an der Zeit diese Verluste wieder rückgängig zu machen und für alle Bahnbeschäftigten für angemessene Bezahlung zu sorgen. Möglich wäre dies, denn die Bahn hat 2006 zwei Milliarden Euro Gewinne (EBIT) geschrieben. Gleichzeitig stiegen 2006 die Vergütungen des Bahnvorstandes um über 60 Prozent. Die Gewinne wurden auf Kosten der Beschäftigten erzielt. Privatisierung ist dem Vorstand wichtiger als ein angemessenes Einkommen der Beschäftigten. Selbst die maßvolle Tariferhöhung von Transnet/GDBA wurde zum Entsetzen der Bahnkunden  mit einer Preissteigerung beantwortet.

Wichtig ist, dass alle drei Bahngewerkschaften für höhere Einkommen und bessere Arbeitsbedingungen der Bahnbeschäftigten am gleichen Strick ziehen. Das Scheitern des jüngsten Versuches, mag auch damit zu tun haben, dass Transnet sich zum Protagonisten der Bahnprivatisierung gemacht hat. So scheinen Rücksichten genommen zu werden, die die GDL nicht nimmt. Transnet steht mit ihrem Ja zu Privatisierung im DGB alleine da. Die Mehrheit der Bevölkerung will sie nicht. Auch DIE LINKE lehnt die Privatisierung ab.