Bodo Ramelow

Fragen zur Zukunft des Vatikans und zur Zukunft der Ökumene

Zur Seligsprechung von fast 500 spanischen "Märtyrern" erklärt das Mitglied des Parteivorstandes Bodo Ramelow (MdB):

Die 498 seliggesprochenen Menschen, die einzig für ihren Glauben getötet wurden, haben es unzweifelhaft verdient, für ihren Glauben gewürdigt zu werden. In diesem besonderen Fall muss man aber danach fragen, warum dieser Akt jetzt geschieht, ohne dass die katholische Kirche eine Aufarbeitung ihrer eigenen Rolle in der Zeit der faschistischen Diktatur vollzieht, ohne dass über Christen gesprochen wird, die in dieser Zeit die Republik und die Demokratie verteidigten und auch ihr Leben ließen, und ohne dass klare Bemühungen um Versöhnung erfolgen.

Dieses Missverhältnis – ausdrücklich nicht die Würdigung der Getöteten – macht diese Seligsprechung so fragwürdig. Dieses Schweigen über Dinge, die ausgesprochen werden sollten, muss als politischer Akt gewertet werden und reiht sich ein in eine Abgrenzungspolitik, die zuletzt durch die Heiligsprechung des Opus Dei-Gründers Escriva und die Wiederzulassung der lateinischen Messe symbolisiert wurde. Letzteres hinterlässt gerade bei jüdischen Gläubigen den Eindruck eines unterschwelligen Antisemitismus, von dem sie gehofft hatten, dass er längst überwunden sei.

Diese Rückfälle in Richtung eines Alleinvertretungsanspruchs werfen Fragen zur Zukunft des Vatikans und damit eng verbunden auch zur Zukunft der Ökumene auf. Die Seligsprechung der 498 Katholiken ist im Sinne einer Stärkung des Glaubens nachvollziehbar. Das damit einhergehende Schweigen aber ist eine politische Demonstration, eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der spanischen Gesellschaft und als solche polarisierend statt versöhnend.