Niema Movassat

Ausbildungschancen schaffen

Zu Forderung des Vorstandsvorsitzenden der Bundesagentur für Arbeit, die Hartz-IV-Regelsätze für Jugendliche zu senken, erklärt angesichts der Lage auf dem Ausbildungsmarkt der jugendpolitische Sprecher Niema Movassat:

Unsozialer geht's immer, auch wenn man es nicht wahr haben will. Die Forderung von Frank-Jürgen Weise, seines Zeichens Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), ist das jüngste Beispiel. Sein Denkansatz: Damit Jugendliche einen größeren Anreiz haben, eine Ausbildung zu beginnen, soll der Regelsatz von Hartz IV auf die Höhe des niedrigsten Lehrlingsgehaltes sinken.

Offenbar kennt Herr Weise die regelmäßig von seiner Behörde herausgegeben Ausbildungsplatzzahlen nicht. So gab es zuletzt laut BA zwar 73.600 unbesetzte Lehrstellen, aber 128.800 Bewerber und Bewerberinnen. Demnach kann nicht jeder, der will, einen qualifizierten Ausbildungsplatz erhalten.

Oft genug werden junge Menschen jahrelang in Warteschleifen abgeschoben. Das ist ein bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Skandal, der seit Jahren bekannt ist, gegen den aber seitens der Regierenden nichts unternommen wird. Dabei würde eine gesetzliche Ausbildungsumlage Abhilfe schaffen.

Wenn Herr Weise nun den Jugendlichen die 281 Euro streitig machen will, zeigt er, dass er die tatsächlichen sozialen Verhältnisse und die Ausbildungslage nicht kennt.

Von einem Vorsitzenden der Bundesagentur  erwarte ich mehr Wissen über die Arbeitsmarktlage und die Chancen junger Menschen. Sein Unwissen und seine unsoziale Rhetorik weisen ihn als Fehlbesetzung aus.