Michael Schlecht

Tarifrunde in Druckindustrie: Sicherung der 35-Stunden-Woche mit hohem Preis

„Die 35-Stunden-Woche wurde in dem Tarifabschluss der Druckindustrie gesichert und die Forderung der Unternehmer auf Wiedereinführung der 40-Stunden-Woche abgewehrt. Das ist ein Erfolg der Streikenden, vor allem in den Zeitungsbetrieben“, kommentiert Michael Schlecht das Ergebnis der 6. Verhandlungsrunde für 160 000 Beschäftigte der Druckindustrie. Der gewerkschaftspolitische Sprecher des Parteivorstands der LINKEN weiter:

Der Preis für die Sicherung des Manteltarifs ist jedoch hoch: Es wurde ein Lohnabschluss über eine Laufzeit von fast drei Jahren vereinbart. Ab dem August 2012 wird es eine Erhöhung von 2 Prozent geben. Dies ist die einzige tabellenwirksame Erhöhung in der gesamten Laufzeit. Zusätzlich gibt es zwei Einmalzahlungen, 2011 und 2013. Das Gesamtvolumen über die Laufzeit wird zu einer deutlichen Reallohnsenkung führen.

Dieser Tarifabschluss ist nur zu verstehen vor dem Hintergrund der politisch gewollten deutlichen Schwächung der Kampfkraft der Gewerkschaften, auch in der Druckindustrie, durch Leiharbeit, Befristungen und weitere Formen der Prekarisierung. Wenn verhindert werden soll, dass in drei Jahren wieder Reallohnsenkungen durch Androhung der Arbeitszeitverkürzung erpresst wird, müssen mit gesetzlichen Korrekturen die Bedingungen für die Durchsetzungsfähigkeit der Gewerkschaften verbessert werden. Hierzu gehört vor allem die radikale Regulierung der Leiharbeit, der Befristungen sowie von Werkverträgen.