Für ein würdevolles Leben

Grußwort von Marion Drögsler, Arbeitslosenverband Deutschland e.V.

Liebe Delegierte, liebe Genossinnen und Genossen, sehr geehrte Gäste, als Vorsitzende des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V. habe ich den Auftrag vom Vorstand, mich recht herzlich für die Einladung zu eurem Parteitag der Partei DIE LINKE zu bedanken und dem heutigen Parteitag einen großartigen Erfolg sowie viel Fantasie, Lebensfreude und Kraft zu wünschen, um den heute eingeschlagenen Weg in den nächsten Jahrzehnten zu gehen.

Falls heute früh bei dem Blick aus dem Fenster jemand gedacht hat, Berlin und das Wetter hätte was gegen euch, der irrt. Bei einer Hochzeit steht der Regen am Hochzeitstag für den Geldsegen in der neuen Familie. Dagegen könnt ihr doch eigentlich nichts haben.

Die Augen der Welt sind heute auf euch gerichtet. Ganz besonders auch die Augen der Mitglieder der Erwerbslosenbewegungen und natürlich auch der Mitglieder des Arbeitslosenverbandes Deutschland e.V. und seiner Landesverbände.

Der Arbeitslosenverband möchte sich für die langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit auf Orts-, Kreis- und Landes- und Bundesebene bei allen Delegierten und bei beiden Parteien recht herzlich bedanken. Ab heute wird’s ernst. Ja, natürlich hoffen wir ab sofort auf eine mindestens so gute Zusammenarbeit wie bisher und haben auch nichts dagegen, wenn wir uns gemeinsam noch mehr anstrengen und noch mehr und besser zusammenarbeiten.

Manch langjähriges Mitglied des Arbeitslosenverbandes Deutschland e. V. sitzt heute hier im Saal. Wir hätten nichts dagegen, wenn es bei dem nächsten Parteitag der LINKEN mehr werden. Nun sind vielleicht auch ein oder zwei Delegierte im Saal, die den Arbeitslosenverband Deutschland e.V. und seine Landesverbände noch nicht kennen. Macht nichts. Ihr werdet uns noch kennenlernen. Natürlich ist dies keine Drohung, sondern eine ausgestreckte Hand zur Zusammenarbeit.

Warum richten sich also die Augen der Erwerbslosenverbände auf den heutigen Tag und auf euch? Seit 1990 gibt es zahllose Versuche der Erwerbslosenbewegung aus Ost und West, miteinander Demonstrationen und Aktionen zu gestalten, gemeinsame Forderungen aufzustellen. Diese Bemühungen waren bisher nicht erfolglos, aber es ist nicht einfach und lange noch nicht genug. Ja, auch die Erwerbslosenbewegungen haben am Protest gegen G8 teilgenommen. Ja, gegenwärtig bereiten die Sozialverbände das nächste Sozialforum in Cottbus im Oktober 2007 vor. Dazu möchte ich euch recht herzlich einladen. Und trotz alledem reicht alles dies noch lange nicht aus. Die Erwerbslosenbewegungen wissen, egal wie stark sie auch sind, ohne Unterstützung der LINKEN und der Gewerkschaften, ohne gegenseitige Vereinnahmung natürlich, wird es keine für die Menschen in Deutschland spürbare Veränderungen geben. Gemeinsam mit den LINKEN wollen wir deshalb kämpfen für ein würdevolles Leben für alle Menschen in Deutschland, besonders auch für Arbeitslose und für Menschen, die tatsächlich von dieser Arbeitslosigkeit auch leben müssen. Wir wollen kämpfen für eine tatsächliche Reduzierung der Arbeitslosigkeit. Die Statistiken sind inzwischen genug gefälscht. Es kommt darauf an, tatsächlich Arbeitslosigkeit zu beseitigen.

Wir wollen uns einsetzen für Menschen, die vom Niedriglohn leben müssen und deshalb abhängig sind von Hartz IV. Deshalb treten wir ein für existenzsichernde Arbeitsplätze, die dringend geschaffen werden müssen.

Wir treten ein für einen armutssichernden Mindestlohn, für armutssicheres Existenzgeld und für ein existenzsichernden öffentlichen Beschäftigungssektor.

Und weil dies alles nicht so leicht erreichbar ist, treten wir ein für die schrittweise spürbare Anhebung der Regelsätze bei der so genannten Grundsicherung, denn die Erhöhung zum 1. 7. 2007 um zwei Euro ist ja wohl ein Hohn.

Wir wollen gemeinsam kämpfen mit der LINKEN gegen Kinder-, Jugend- und Altersarmut und natürlich gegen die Rente mit 67.

Wir wollen kämpfen gegen den Sozialabbau, gegen Arbeitsplatzabbau und Massenentlassungen, gegen Verunglimpfungen und Kriminalisierung von Arbeitslosen.

Wir gehen davon aus, dass wir als Verein, der ebenso seit 1990 existiert und bei allen Anfeindungen überlebt hat, einen ernsthaften Beitrag bisher in der sozialen Bewegung geleistet hat und noch leisten wird. Und ihr könnt sicher sein, dass der Verein und seine täglichen Leistungen für die Betroffenen wesentlich größer sind als seine gegenwärtige Vorsitzende.

Vielleicht dürfen wir euch eine kleine Empfehlung zur Wahl eures Namens geben. Seit der Gründung des Arbeitslosenverbandes ist uns immer wieder empfohlen worden, dass wir den Namen ändern, weil da drauf steht, was drin ist. Die Menschen haben sich davon nicht abschrecken lassen. Vielleicht solltet ihr, nachdem ihr lange um den Namen DIE LINKE gekämpft habt, auch sagen: Da steht drauf, was rein soll. Das ist nicht einfach, aber es ist ehrlich, das so zu sagen. Und ich denke, ihr solltet um euern Namen und um diese Partei kämpfen.

Noch einen kleinen Tipp von Schiller. Schiller hat schon gewusst, dass hier heute dieser Parteitag stattfindet, und er hat euch im »Wilhelm Tell« eine Nachricht hinterlassen. Die will ich euch nicht vorenthalten, falls ihr den »Wilhelm Tell« nicht mehr ganz auswendig kennt. In seinem »Wilhelm Tell« hat er Attinghausen sagen lassen – das wünsche ich auch für euch: Seid einig, einig, einig.