Gesundheit und Frauen - die Kampagne als Chance begreifen

Beschluss des Frauenplenums des 2. Bundesparteitages der Partei DIE LINKE am 15. und 16. Mai 2010

In kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich sind Frauen so involviert wie in die Gesundheit. Frauen sind Versicherte, nicht selten nur „Mit“-Versicherte. Frauen sind zumeist Vorbild bei Gesundheitsförderung und Prävention. Frauen sind Patientinnen, die häufig mit an Männern erprobten Arzneimitteln zurechtkommen müssen. Junge Frauen sind in Ausbildung und Studium für das Gesundheitssystem. Und Frauen sind letztendlich Beschäftigte, sowohl in ärztlichen, technischen, pflegerischen Bereichen als auch im Verwaltungsbereich.

Wenn unter schwarz-gelber Gesundheitspolitik die Kopfpauschale droht, mit der Millionen gering Verdienende von Versicherten zu Bittstellern beim Staat werden, dann wird das insbesondere Frauen treffen, denn vor allem sie sind im Niedriglohnbereich beschäftigt.

Das gesellschaftliche Ziel der Kampagne – die Systemumstellung auf die Kopfpauschale zu verhindern und ein breites Bündnis für die Einführung der Bürger/innenversicherung herzustellen – kann gut am Alltagsleben gerade von Frauen anknüpfen. Sie können in allen Bereichen der Gesellschaft als Bündnispartnerinnen gewonnen werden.

Die Alternative der LINKEN, die solidarische Bürger/innenversicherung für die Finanzierung für Gesundheit und Pflege, ist modern. Durch die Verteilung der Lasten auf alle Schultern und die Einbeziehung aller Einkommensarten ist sie nicht nur zukunftsfähig, sondern sie gewährt Frauen endlich einen eigenständigen Versicherungsanspruch, das Abhängigkeitsverhältnis vom Partner wird beendet. Das sollte beim Ausgestalten der Kampagne hinreichend bedacht werden.

Mit der Kampagne soll an Bündnisse, die sich um gesundheitliche Belange vor Ort kümmern, angeknüpft werden.

Wird in Bündnissen beispielsweise für unentgeltliches Frühstück/Mittagessen in Kita und Schule geworben, können wir Frauen in der LINKEN unser Konzept für eine umfassende Gesundheitsförderung und Prävention zur Sicherung der Chancengleichheit zur Sprache bringen.

Werden in Bündnissen die schlechten Arbeitsbedingungen in Kliniken und Pflegeheimen angeklagt, kann mit dem Konzept der LINKEN aufgezeigt werden, dass wir die unerträglichen Zustände von Arbeitsverdichtung anprangern und Alternativen aufzeigen, diese Berufe attraktiver zu machen.

Geht es in Bündnissen um die Beseitigung des Mangels an Ärztinnen und Ärzten, dann muss unter den Bedingungen der Feminisierung des Arztberufes auch neu nachgedacht werden. DIE LINKE ist es, die nicht an der Niederlassung als Hauptumsetzungsform der ambulanten Versorgung klebt. Zukunft hat für DIE LINKE die Absolventin, die angestellt in poliklinischen Einrichtungen ärztlich arbeitet, von Abrechnungskram weitgehend befreit ist, die ihre Arbeitszeit flexibel nach den Bedürfnissen der Familie gestalten kann und auch unter Umständen in dieser flexiblen Arbeitswelt sich kurzfristig entscheiden kann, den Lebensstandort zu ändern.

Wird in Bündnissen um den Erhalt der kommunalen Krankenkasse gekämpft, werden sich die LINKEN insbesondere einbringen, denn Privatisierung nimmt Geld aus dem System und das geht über kurz oder lang immer zu Lasten der Löhne und Gehälter der zumeist weiblichen Beschäftigten. Gesundheit ist Daseinsfürsorge, die in öffentliche Hand gehört.

Die Gesundheitspolitik ist derzeit nicht nur eine große gesellschaftspolitische Auseinandersetzung, sondern auch ein unvergleichliches Feld, wo Belange der Frauen berührt sind. Da wir diese Belange als LINKE beachten, können wir Frauen an die Politik der LINKEN heranführen, können wir Frauen zum Mitmachen an der Kampagne und auch in der Partei interessieren.

Begreifen wir daher die Gesundheitskampagne als Chance.