Beschluss: 2017/022

Neuberufung der historischen Kommission

Beschluss des Parteivorstandes vom 14. Mai 2017

1. Der Parteivorstand beruft die vom Sprecherrat vorgeschlagenen Historikerinnen und Historiker sowie Spezialisten als Mitglieder der Historischen Kommission (siehe Liste in der Anlage). Die Landesverbände und die Historische Kommission werden beauftragt, weitere Vorschläge zur Nominierung vor allem weiblicher Mitglieder zu unterbreiten.

2. Der Parteivorstand beauftragt den Bundesgeschäftsführer mit der Koordinierung der Zusammenarbeit mit der Kommission.

3. Mitgliedern, die aus der Arbeit der Historischen Kommission ausscheiden, wird in einem offiziellen Schreiben des Parteivorstandes für ihre langjährige Arbeit gedankt.

4. Der Parteivorstand bestätigt die von der Historischen Kommission erarbeiteten "Grundsätze der Arbeit der Historischen Kommission" (siehe Anlage).

5. Die Mitgliedschaft der Historischen Kommission bei der Internationalen Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen mit Sitz in Wien (Österreich) wird fortgesetzt.

Mitglieder der Historischen Kommission:

  • Dr. Alexander Amberger (Berlin) - Ideologiegeschichte, DDR-Geschichte
  • Dr. Jürgen Angelow (Potsdam) - Militärgeschichte, Zeitgeschichte, AG Geschichte LV Brandenburg
  • Dr. Marcel Bois (Hamburg) - KPD-Geschichte, Geschichte linker Bewegungen
  • Dr. Stefan Bollinger (Berlin) - DDR- und SED-Geschichte, deutsche Geschichte, Geschichte Osteuropas
  • Cornelia Domaschke (Berlin) - Historische Bildungsarbeit der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Dr. Ronald Friedmann (Berlin) - Geschichte KPD, Biografische Forschung
  • Dr. Daniela Fuchs (Berlin) - Geschichte Polens, deutsch-polnische Beziehungen
  • Anke Geissler-Grünberg (Potsdam) - Jüdische Geschichte, deutsche Geschichte
  • Christian Grages (Hannover) - Geschichte der DKP
  • Mario Hesselbarth (Erfurt) - AG Geschichte im LV Thüringen
  • Prof. Dr. Jürgen Hofmann (Berlin) - Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
  • Bernd Hüttner (Bremen) - Gesprächskreis Geschichte der Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Prof. Dr. Mario Keßler (Berlin) - KPD-Geschichte, jüdische Geschichte, Emigration
  • Prof. Dr. Klaus Kinner (Leipzig) - Geschichte des Kommunismus und Linkssozialismus
  • Dr. Thomas Klein (Berlin) - Geschichte der DDR-Bürgerbewegung
  • Jan Korte (Berlin) MdB - Geschichte Antikommunismus, Deserteure, Kriegsgefangene
  • Dr. Karsten Krampitz (Berlin) - DDR-Geschichte, historische Publizistik
  • Prof. Dr. Jörg Roesler (Berlin) - Zeitgeschichte, Wirtschaftsgeschichte
  • Dr. Martin Schirdewan (Brüssel) - Politikwissenschaft, Europa
  • Prof. Dr. Anni Seidl (Berlin) - Zeitgeschichte, Ältestenrat
  • Jasper Stange (Berlin) - Student der Geschichte und Philosophie
  • Tügel Nelli (Berlin) - Vergleichende Geschichte Arbeitskämpfe in Europa, Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Dr. Reiner Tosstorff (Frankfurt/Main) - Historische Kommunismusforschung, Gewerkschaftsgeschichte, Spanischer Bürgerkrieg, Geschichte Osteuropas
  • Karlen Vesper (Berlin) - Historische Publizistik neues deutschland (Redaktion)
  • Dr. Florian Wilde (Hamburg/Berlin) - Gewerkschaftsbewegung, Rosa-Luxemburg-Stiftung
  • Sebastian Zehetmair (München/Berlin) - Zeitgeschichte

Anlage: Grundsätze der Arbeit der Historischen Kommission beim Parteivorstand (Dezember 2016)

1. Funktion und Aufgaben der Historischen Kommission

Geschichte wirkt über vielfältige Hinterlassenschaften nachhaltig auf Voraussetzungen und Bedingungen politischen Wirkens in Gegenwart und Zukunft. Das Bild von Geschichte und die Bewertung von Ereignissen, Personen und Prozessen sind Teil der Auseinandersetzung um die geistige Kultur der Gesellschaft und damit um ideologische Hegemonie. Politik und Herrschaftsansprüche bedienen sich historischer Legitimation. Aktuelle politische Kontroversen werden oft im historischen Gewand ausgetragen. Geschichte bleibt deshalb ein wichtiges Feld von Politik.

Geschichtsbilder und Geschichtsinterpretationen sind ein wesentliches Element theoretischer und politisch-organisatorischer Standortbestimmung. Zur Profilierung der LINKEN als sozialistische Partei gehört, sich zum Erbe sozialistischer und kommunistischer sowie anderer demokratischer Bewegungen und Persönlichkeiten zu bekennen und zu positionieren. Die Offenheit gegenüber der Gesellschaft verlangt nach einem entsprechend breiten Erbe- und Traditionsverständnis. Die Fixierung auf ein verbindliches Bild von Geschichte stünde dem entgegen. Vielfalt von Interpretationen kann in einer linken sozialistischen Partei jedoch nicht mit Beliebigkeit gleichgesetzt werden.

Die LINKE steht in einer besonderen Verantwortung für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte beider deutscher Staaten und ihrer Einbettung in internationale Zusammenhänge. Die Historische Kommission erörtert zentrale Fragestellungen und Probleme des Traditionsverständnisses der Partei sowie des öffentlichen Geschichtsdiskurses. Sie berät den Parteivorstand und die parlamentarischen Mandatsträger in politisch relevanten Fragen der Geschichte. Sie unterstützt die Aufbereitung neuer Forschungsergebnisse für die historisch-politische Arbeit der Partei und pflegt Informations- und Arbeitskontakte zu Institutionen, Geschichtswissenschaftlern, politischen Bildungsvereinen sowie zu Historischen Kommissionen bzw. Arbeitsgruppen anderer demokratischer Parteien. Sie vertritt als Mitglied der Internationalen Tagung der HistorikerInnen der Arbeiter- und anderer sozialer Bewegungen (ITH, Österreich) die Interessen linker und marxistischer Wissenschaftler in diesem Forum der internationalen Kooperation und Kommunikation.

Die Historische Kommission beteiligt sich im Rahmen ihrer Spezifik an der Diskussion und Ausarbeitung programmatischer Dokumente. Sie fördert die Diskussion zu historisch-politischen Themen unter Mitgliedern und Sympathisanten der LINKEN und unterstützt den Prozess der Meinungsbildung mit Diskussionsangeboten und inhaltlichen Orientierungen. Sie setzt sich für die kontinuierliche Arbeit mit Zeitzeugen sowie für einen verantwortungsbewussten Umgang mit Gedenkstätten der Arbeiterbewegung, Gedenkstätten für die Opfer des Faschismus und Militarismus sowie mit Stätten der Erinnerung an die Opfer des Stalinismus ein.

2. Inhaltliche Schwerpunkte der Kommissionsarbeit

Die inhaltlichen Schwerpunkte der Kommissionsarbeit ergeben sich aus den Orientierungen des Programms der Partei und aus den jeweiligen Erfordernissen der politischen Arbeit und deren Bezügen zur Geschichte. Auf absehbare Zeit werden folgende Problemkreise die Arbeit der Kommission bestimmen:

  • Traditionen, Erfahrungen und Lehren, die sich aus der Geschichte der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung und der Vielfalt ihrer Gruppierungen und Strömungen ergeben;
  • das Erbe des Antifaschismus in seiner ganzen Breite und seine Bedeutung für die Auseinandersetzung mit rechtsextremen und neofaschistischen Erscheinungen und Gruppierungen;
  • die Geschichte beider deutscher Staaten einschließlich ihrer Vorgeschichte seit 1945 und die Folgewirkungen der deutschen Zweistaatlichkeit sowie der darin verkörperten Systemauseinandersetzung;
  • die Geschichte sozialer Bewegungen im globalen Maßstab;
  • ausgewählte Fragen der europäischen Geschichte und deren Bedeutung für den europäischen Einigungsprozess;
  • Fragen der Entwicklung von Geschichtsbewusstsein und Erinnerungskultur;
  • die LINKE und ihre Quellparteien als Gegenstand historischer Forschung;
  • Themen, die sich aus Jubiläen und aus öffentlichen Debatten ergeben.

3. Struktur der Historischen Kommission

Die Historische Kommission besteht aus berufenen Mitgliedern. Sie kann durch Fachwissenschaftler und Persönlichkeiten mit zeitweiligem oder ständigem Gaststatus erweitert werden, wenn Thema und Aufgabenstellung dies erfordern. Sie kooperiert mit parteinahen Stiftungen und Bildungsvereinen, mit Arbeitsgruppen Geschichte auf Landesebene sowie mit Geschichtsinitiativen.

  • Mitglieder der Kommission: Die Mitglieder der Historischen Kommission werden vom Parteivorstand berufen. Der Kommission können bis zu 30 Persönlichkeiten aus Wissenschaft und Politik angehören. Sie zeichnen sich durch Fachkompetenz auf wichtigen Gebieten der Geschichte bzw. der historisch-politischen Bildung aus. Die Berufung in die Historische Kommission ist nicht an die Mitgliedschaft in der Partei die LINKE gebunden.
  • Sprecherrat: Die Historische Kommission wählt aus ihrer Mitte einen Sprecherrat, der einen geschäftsführenden Sprecher bestimmt. Der Sprecherrat besteht aus höchstens fünf Personen. Er koordiniert und leitet die Arbeit zwischen den Kommissionstagungen. Der Sprecherrat tritt in der Regel einmal in zwei Monaten zur Beratung zusammen. Der geschäftsführende Sprecher vertritt gemeinsam mit den Mitgliedern des Sprecherrates die Kommission gegenüber dem Parteivorstand, in internationalen Gremien, in wissenschaftlichen Einrichtungen und Organisationen sowie in der Öffentlichkeit.
  • Tagungen der Historischen Kommission: Die Historische Kommission tritt in der Regel dreimal im Kalenderjahr zu einer Tagung zusammen. Die Einladung erfolgt durch den Sprecherrat mindestens zwei Wochen vor dem Tagungstermin unter Angabe der Tagesordnung und der Referenten. Sie sind öffentlich, dienen aber in erster Linie der Beratung der Kommissionsmitglieder und der geladenen Gäste.
  • Kolloquien und Konferenzen: Die Historische Kommission regt bei Bedarf Kolloquien und Konferenzen zu Grundsatz- und Schwerpunktfragen der Geschichte an und beteiligt sich an ihrer Vorbereitung und Durchführung. Ziel dieser Veranstaltungen ist es, Akzente im öffentlichen Geschichtsdiskurs zu setzen und Anstöße für die innerparteiliche Diskussion zu geben. Themen und Zeitpunkt der Konferenzen werden mit potentiellen Kooperationspartnern (Stiftungen, Vereine, Vorstände, Fraktionen) abgestimmt.

4. Öffentlichkeitsarbeit

Die Historische Kommission

  • veröffentlicht zu wichtigen Ereignissen und Problemen Stellungnahmen, Thesen und Diskussionspapiere zur Unterstützung der historisch-politischen Debatte;
  • berichtet in parteinahen Presse- und Publikationsorganen regelmäßig über Schwerpunkte ihrer Arbeit;
  • informiert im Internet über Termine, Vorhaben und aktuelle Probleme ihrer Arbeit;
  • berät auf Anforderung den Vorstand sowie die parteinahen Stiftungen bei Publikationen und Veranstaltungen zu historischen Themen.