Richtungsloses Bürgertum? Zur politischen Wirklichkeit und geistigen Situation im bürgerlichen Lager

Dokumentation eines Vortrages von Horst Kahrs (Bereichsleiter Strategie und Grundsatzfragen) für die „Kommission Politische Bildung“ der Partei DIE LINKE am 27. August in Berlin. 

Mit Macht ist die Finanzkrise sowohl in die öffentliche Diskussion als auch in das Alltagsbewusstsein zurückkehrt. Mit verschiedenen Themen – Schuldenkrise, Eurokrise, drohender Wachstumseinbruch und mehr - bestimmt sie die aktuelle politische Agenda. In der Liste der wichtigsten Themen rangierte sie im Politbarometer Im Juli und August erstmals seit 2008/2009 wieder auf Platz eins. Negative Zukunftserwartungen zur allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung haben schlagartig zugenommen. Binnen weniger Wochen sank die Zahl der Befragten, die glauben, dass es mit der Wirtschaft aufwärts geht, von über 50% auf nur noch 30%, die Zahl derjenigen mit negativen Erwartungen stieg auf ebenfalls 30%. Mit Blick auf die Lage der Bundesrepublik zum Tag der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern am 4.9. sahen knapp zwei Drittel der Befragten „Grund zur Beunruhigung“. Die raschen Veränderungen in der Stimmungs- und Erwartungslage, die in Umfragen gespiegelt wird, gibt ein allgemeines Lebensgefühl wieder: Die Verhältnisse, in denen man persönlich eigentlich noch ganz gut und sicher lebt, sind im Allgemeinen höchst unsicher. Bis zu 80% sorgen sich, dass es ihnen und ihren Kindern in Zukunft schlechter gehen werde. Mit dem Zustand der deutschen Demokratie äußerten sich am Wahltag 39% „zufrieden“, 61% unzufrieden; vier von fünf Befragten äußerten die Ansicht, dass über die Zukunft des Euro nicht die Politik, sondern „die Finanzmärkte“ entscheiden würden.

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