Parteivorstand

Konzept zur Nachwuchsförderung

Beschluss des Parteivorstandes vom 28. März 2011

Der Parteivorstand bestätigt das Ziel, im Rahmen einer systematischen und transparenten Personalentwicklung Angebote der Nachwuchsförderung aufzubauen und, wo bereits vorhanden, diese geeignet weiter zu entwickeln.

Die entsprechenden Maßnahmen der Nachwuchsförderung sollen junge Menschen auf unterschiedlichem Wege fördern und für mögliche verantwortliche haupt- oder ehrenamtliche Funktionen qualifizieren. Ein besonderes Augenmerk ist dabei auf die gezielte Förderung junger Frauen zu legen.

Ausgangspunkt aller Maßnahmen der Nachwuchsförderung ist die ausgewogene Mischung von konkreten Angeboten zur praktischen Qualifizierung und Maßnahmen der politischen Bildung.

  1. Der Parteivorstand beschließt das Konzept Nachwuchsförderung (Anlage).
  2. Die Landesverbände, die Bundestagsfraktion und die Landtagsfraktionen werden gebeten die Durchführung geeigneter eigener Maßnahmen der Nachwuchs-förderung, sowie eine finanzielle Beteiligung zu prüfen.
  3. Das Konzept zur Nachwuchsförderung ist ein Projekt des Parteivorstandes. Der Jugendverband Linksjugend [‘solid] und der Studierendenverband DIE LINKE.SDS werden bei der Umsetzung und Weiterentwicklung beteiligt.
  4. Der Parteivorstand stellt für die im Jahr 2011 durchzuführenden Maßnahmen der Nachwuchsförderung gemäß dem beigefügten Grobfinanzplan (Anlage) 17.500 Euro für den Start des Konzepts aus dem Fonds des Parteivorstands zur Verfügung. Es soll geprüft werden, ob ein Teil der Gelder für das Mentoringprogramm aus dem Fonds für Gleichstellungsmaßnahmen finanziert werden kann.
  5. Das Konzept zur Nachwuchsförderung wird im Jahr 2011 als Pilotprojekt geführt. Für das Jahr 2012 soll die Ergebnisse ausgewertet werden. Die Bundes-geschäftsführung soll weitere im Konzept genannte Maßnahmen im Dialog mit der AG Mitgliederentwicklung des Projektes 2020 umsetzen.

Anlage: Nachwuchsförderung und Qualifizierung in der LINKEN

DIE LINKE ist gewachsen. Sowohl in ihrer Mitgliederzahl, als auch in ihrem Einfluss in den Parlamenten und ihrer öffentlichen Bedeutung als politischer Faktor in der Bundesrepublik. Um der damit einhergehenden gewachsenen Verantwortung gerecht zu werden, muss sie politischen Nachwuchs gewinnen und qualifizieren. Die Herausforderungen im Bereich der Personalpolitik wachsen. Oft fehlt eine Verbindung zwischen Theorie und Praxis: trotz hervorragender fachlicher Kenntnisse fehlt ein Verständnis für die organisationsinterne Kultur und das Funktionieren der Partei; andere begreifen Politik aus dem Bauch heraus, doch fehlt ihnen politisches Wissen in einem breiteren Zusammenhang.

Überdies zeigt das Konzept zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der LINKEN den dringenden Bedarf, Frauen insbesondere Angebote zu machen und sie zu fördern.

DIE LINKE muss die innerparteilichen Förderung und Qualifizierung aktiv gestalten. Die politische Personalentwicklung muss durch Systematik und Transparenz gekennzeichnet sein und setzt auf eine ausgewogene Mischung von konkreten Angeboten zur Qualifizierung und Maßnahmen der politischen Bildung. Die Nachwuchsförderung soll den inhaltlichen Bedürfnissen der Partei entsprechen. Die Professionalisierung von Aktiven ergänzt die beteiligungsorientierte Mitgliederpartei. Das hier vorgestellte Konzept fokussiert sich auf die Landes- und Bundesebene, sowie auf junge Menschen unter 35 Jahren. Im nächsten Jahr soll es darüber hinaus ein Konzept für die Kommunal- und Kreisebene folgen. Das Nachwuchsförderungskonzept soll in diesem Jahr starten und im nächsten Jahr um weitere Bausteine ergänzt werden. In einem Ausblick werden weitere Überlegungen dargestellt, z.B. ein Traineeprogramm, Ausbildungsangebote, Freiwilliges Jahr in der Politik. Ziel ist es auch, die Partei auf allen Ebenen für das Thema Nachwuchsförderung und Personalentwicklung zu sensibilisieren.

In diesem Konzept werden in einem ersten Schritt drei Möglichkeiten der Nachwuchsförderung beschrieben:

  1. die Ermöglichung von Praktika für SchülerInnen und Studierende, mit dem Ziel der Gewinnung und Aktivierung von Mitgliedern und Multiplikatoren für die Partei DIE LINKE; die längerfristige Anbindung von ehemaligen Praktikanten durch spezielle Angebote, wie ein Netzwerk-Wochenende.
  2. die Unterstützung studentischer Abschlussarbeiten, mit dem Ziel der Mitgliedergewinnung, der weiteren Erschließung studentischer/akademischer Milieus und der Verbreitung linker Themen sowie des Erkenntnisgewinns für die weitere Arbeit der Partei DIE LINKE.
  3. Das Mentoring, also die Zusammenarbeit von erfahrenen, Funktions- oder MandatsträgerInnen der LINKEN und weiblichen Nachwuchskräften, die (partei-)politische Kenntnisse mitbringen: mit dem Ziel Frauen zu fördern und der Ausbildung zukünftiger Verantwortungsträgerinnen.

1. Praktika

1. für Studierende

Die Bundesgeschäftsstelle bietet Praktika für Studierende, hauptsächlich der Geistes- und Sozialwissenschaften, an. Für Praktikantinnen und Praktikanten ist dieses oft der erste Kontakt zur LINKEN. Sie lernen die Abläufe und Arbeitsweisen in der Bundesgeschäftsstelle sowie die politischen Ziele der Partei kennen und setzen sich in der Regel intensiv mit einer bestimmten Thematik auseinander. Die Erfahrungen mit Praktikanten sind überwiegend positiv. Ehemalige Praktikanten und Praktikantinnen bieten für DIE LINKE Potential in vielerlei Hinsicht: u.a. Eintritt und Anbindung an DIE LINKE, Aktivierung für Basisarbeit und Übernahme von verschiedenen Aufgaben, feste Anstellungsverhältnisse, auch in Fraktionen.

2. für Schülerinnen und Schüler

Je nach Kapazitäten und BewerberInnenlage werden in der Bundesgeschäftsstelle SchülerpraktikantInnen betreut.

Schülerinnen und Schüler zwischen Klasse 9 und 12 machen ihr Pflichtpraktikum von zwei bis drei Wochen in der Bundesgeschäftsstelle. Das Praktikum dient einem ersten "Reinschnuppern" und sollte auch ein "Erlebnis" für die Praktikantin/den Praktikanten sein. Auch mit Schülerinnen und Schülern sind die Erfahrungen überwiegend positiv, viele treten in DIE LINKE ein oder werden aktiv im Jugendverband. Auch wenn die Durchführung eines solchen Praktikums zeitintensive Betreuung beinhaltet, lohnt sich dieser Einsatz.

Auch in der Bundestagsfraktion, sowie in den Landtagsfraktionen und den Landesgeschäftsstellen werden Praktika angeboten.

Dies alles gestützt auf Grundlage vom Praktikumsordnungen die ggf. an den aktuellen Diskussionsstand zur Vergütung von Praktika angepasst wird.

Das Ziel ist eine langfristige Anbindung der PraktikantInnen an DIE LINKE. Folgende Maßnahmen sollen dazu ergriffen werden:

  • Einmal im Jahr wird ein Wochenende für ehemalige PraktikantInnen angeboten. Hier wird der Raum zum Diskutieren, Weiterbilden und Netzwerken zur Verfügung gestellt. Solch ein Treffen wird erstmalig im Herbst 2011 für 20 Teilnehmende angeboten.
  • Alle ehemaligen Praktikanten werden gezielt zu Parteiveranstaltungen eingeladen (z.B. Hoffest, Wahlpartys, Demos, Veranstaltungen, etc.).
  • Ausschreibungen aus der Partei und den Fraktionen werden an alle ehemaligen Praktikanten weitergeleitet.
  • Ein Leitfaden wird für die Gesamtpartei erarbeitet, alle Gliederungen und Fraktionen werden gebeten ein Angebot für Praktikantinnen und Praktikanten zu prüfen.

2. Abschlussarbeiten

DIE LINKE kann Studierenden anbieten, ihre Abschlussarbeit zu einem die Partei betreffenden Thema zu unterstützen. Ziel ist es, linke Themen und Politik weiter zu verbreiten und unter Studierenden neue Mitglieder und Aktive für DIE LINKE zu gewinnen. Außerdem kann die Partei davon profitieren, wenn ihr die Ergebnisse der Arbeiten zur Verfügung gestellt werden.

Arbeiten können zu bestimmten Themen ausgeschrieben werden oder AbsolventInnen können mit eigenen Vorstellungen an DIE LINKE herantreten. Wichtig ist, dass das Angebot der Partei öffentlich gemacht wird, wie zum Beispiel über das Internet, den Newsletter, übliche Verteiler, aber auch: Anzeigen in Unicum, Hochschulseiten der Tageszeitungen o.ä. Außerdem werden der Jugendverband Linksjugend [´ solid], DIE LINKE.SDS und Stipendiaten der RLS gezielt angesprochen.

Die Studierenden erhalten in der Bundesgeschäftsstelle einen Arbeitsplatz, eine/n AnsprechpartnerIn, eine Vergütung (wie PraktikantInnen), Unterstützung bei Kontaktaufnahme, evtl. Erstattung von Fahrtkosten. Es muss jedoch eindeutig geklärt werden, dass sie eigenständig wissenschaftlich arbeiten und die Unterstützung sich auf die oben genannten Punkte beschränkt. Die Ehemaligen sollten ebenso wie die Praktikanten in Verteiler aufgenommen und zu Veranstaltungen und Vernetzungswochenenden eingeladen werden.

2011 wird eine Abschlussarbeit beim Parteivorstand in der Bundesgeschäftsstelle angeboten.

Die Fraktionen werden gebeten ihre Möglichkeiten in Hinsicht auf das Betreuen/Anbieten von Abschlussarbeiten zu prüfen. Die Ehemaligen werden ebenfalls zum Netzwerk-Wochenende eingeladen.

3. Mentoring

Die Qualifizierung von zukünftigen Verantwortungsträgerinnen für die Partei DIE LINKE steht im Vordergrund. Dabei wendet sich das Mentoring nur an Frauen. Das Konzept zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der LINKEN fordert, dass insbesondere Frauen gefördert werden sollen und schlägt hier als konkrete Maßnahmen das Mentoring vor.(1) Es ist eine Maßnahme, die die unsichtbare Hürde für Frauen durchbrechen soll, welche in der Literatur auch als "gläserne Decke" bezeichnete wird.

Aktiver, weiblicher politscher Nachwuchs (bis 35 Jahre) soll gefördert und qualifiziert werden, darüber hinaus kann DIE LINKE gezielt linken Nachwuchs auch in politiknahen Einrichtungen und Institutionen ansprechen.

Der Kern des Mentoring ist die Zweierbeziehung zwischen Mentorin und Mentee. Die Mentorin/ der Mentor teilt ihre/seine Erfahrungen mit der Mentee, eröffnet ihr informelle Einblicke und Kontakte und steht mit Rat und Tat zur Seite. Ratgeben, Vertrauen, Helfen, Coaching, Netzwerken sind die Begriffe, die das Mentoring prägen. Das gleichberechtigte Miteinander steht im Vordergrund. Die Dauer des Mentoringprogramms soll auf ein Jahr angelegt werden und ein Programm der politischen Bildung umfassen, das sowohl theoretische Kenntnisse über DIE LINKE, als auch politisches Handwerkszeug vermittelt. Zum Mentoring gehört ferner eine Praxisphase (Praktikum) von vier bis-sechs Wochen, hier bietet sich die Fraktion/Geschäftsstelle des Mentor/der Mentorin an. Außerdem soll ein Bundesparteitag besucht werden.

Fakultativ kann darüber hinaus ein weiteres Praktikum in einer anderen Fraktion (Nord-Süd, Ost-West-Austausch) absolviert werden, um DIE LINKE umfassender kennen zu lernen.

Die Zielgruppe sind junge Frauen/Studentinnen die bereits Mitglied in der LINKEN sind, aber auch Sympathisantinnen, Stipendiatinnen etc. Im Vordergrund sollte stehen, dass das in der LINKEN vorhandene Potential erkannt und genutzt wird.

Das Auswahlverfahren ist demokratisch und transparent: Die Ausschreibung erfolgt über die Bundesgeschäftsstelle, die Landesverbände werden jeweils um ein Votum für eine Frau gebeten. Die endgültige Beschlussfassung erfolgt über den Geschäftsführenden Parteivorstand.

Die MentorInnen sollten eine Funktion oder ein Mandat in der bzw. für die Partei ausüben und die Partei gut kennen. Sie können bei Ihrer Bewerbung eine "Wunschmentee" angeben. Die Landesverbände, sowie die Bundes- und Landtagsfraktionen werden gebeten ihre Abgeordneten aufzurufen, sich als MentorInnen an diesem Programm zu beteiligen.

Für das Jahr 2011 sollen Plätze für 16 Mentees zur Verfügung gestellt werden, je Landesverband einer.

Ausblick

Für das Jahr 2012 soll dieses Konzept ausgeweitet und die Nachwuchsförderung der Partei DIE LINKE umfassender gestaltet werden. Die AG DIE LINKE 2020 wird aufgefordert, Vorschläge zur perspektivischen Ausweitung des Konzepts der Nachwuchsförderung zu entwickeln. Neben einem Konzept für die Kommunal- und Kreisebene sollen dieses Jahr folgende Programme ausgearbeitet werden:

1. Ausbildung bei der LINKEN

Die Bundesgeschäftsstelle hat derzeit einen Kooperationsvertrag mit der Deutschen Angestellten Akademie und stellt in diesem Rahmen schon seit mehreren Jahren zwei Plätze für Auszubildende zur Verfügung. Zukünftig möchten wir durch die Bundesgeschäftsstelle duale Ausbildungen anbieten und so direkte und gut vergütete Arbeitsverhältnisse schaffen. Anzustreben ist auch eine Vernetzung zwischen Bundes-, Landesgeschäftsstellen und Fraktionen durch einen Ausbildungsverbund.

2. Traineeprogramm/Programm zur Weiterbildung für eine hauptamtliche Tätigkeit bei der LINKEN

Das Programm soll junge Menschen, die in einer Gliederung der LINKEN beschäftigt sind oder das anstreben, mit dem Selbstverständnis der LINKEN vertraut machen und helfen Strukturen zu verstehen, sich zu vernetzen und weiter zu qualifizieren. Die Teilnehmenden sollen in dem Programm DIE LINKE umfangreich kennenlernen.

3. Freiwilliges Jahr in der Politik

Das Freiwillige Jahr in der Politik wird bereits in einigen Fraktionen angeboten. Alle Fraktionen werden gebeten ein solches Angebot zu prüfen. Es soll auch geprüft werden, dieses in der Bundesgeschäftsstelle anzubieten.

Anmerkung

(1) Die Notwendigkeit ergibt sich aus den vorliegenden Zahlen: so sind zwar die Bundestags- und Europafraktion zur Hälfte quotiert. Doch waren bei Bundestagswahl im Jahr 2009 nur knapp 27,4 Prozent der DirektkandidatInnen weiblich. Bei den tatsächlich gewonnenen Direktmandaten sind knapp 38 Prozent weiblich besetzt. An den Spitzen der Verwaltung sind von der LINKEN bzw. mit ihrer Unterstützung 28% Frauen tätig. Bei den hauptamtlichen MitarbeiterInnen der Partei sind immerhin fast 47 Prozent der Beschäftigten weiblich. Zwar erfüllen alle sechszehn Landesvorstände die Mindestquotierung, doch in den neun Landesverbänden, die von einer Person vertreten werden, sind acht Vorsitzendenämter durch Männer besetzt und nur eines mit einer Frau (Vgl. Konzept zur Herstellung von Geschlechtergerechtigkeit in der LINKEN).