Franz Groll

Neue Alternativen zum Kapitalismus entwickeln

Ergänzungsbeitrag zum Strategiepapier "Verankern, verbreiten, verbinden" - Von Franz Groll

Das Strategiepapier "Verankern, verbreiten, verbinden" finde ich sehr gut, möchte aber noch einen ergänzenden Vorschlag machen.

Auf der Seite 9 schreiben Katja und Bernd unter Pkt. 4: "Sie (eine linke Partei) hat die Aufgabe, politische Orientierung zu geben und im positiven Sinne aufklärerisch zu wirken."

Diese Aufgabe sehe ich in der aktuellen sozialen, ökologischen und wirtschaftspolitischen Situation als ganz ganz dringend an. Hier herrscht große Ratlosigkeit.

Neulich habe ich gelesen, dass bei einer Umfrage 9 von 10 Bundesbürger/innen die Meinung geäußert haben, dass der Kapitalismus nicht geeignet ist, die sozialen und ökologischen Probleme zu lösen, der Kapitalismus wird wegen des systemimmanenten Wachstumszwangs als nicht zukunftsfähig betrachtet. Das ist doch total super, dass die ganz große Mehrheit klüger ist, als unsere Ökonomen und die Politiker/innen!

Welche Partei, wenn nicht DIE LINKE, ist dazu in der Lage, den Weg aus der Ratlosigkeit zu weisen. Aber, ich bin nicht der Meinung, dass wir mit einem Lösungsansatz unter dem Schlagwort "demokratischer Sozialismus" erfolgreich sein werden. Wir werden damit in 2-facher Hinsicht erfolglos sein.

  1. Wir werden von den Wähler/innen keinen Zuspruch erhalten, denn beim Wort "Sozialismus" schalten die meisten Menschen auf "Verstaatlichung" und "Planwirtschaft" und winken dann gleich ab.
  2. Wenn wir tatsächlich mit mehr zentraler Planwirtschaft die ökologischen Probleme lösen wollten, bin ich überzeugt, dass wir die Ziele nicht erreichen werden, denn wir wissen heute noch gar nicht, mit welchen technischen Innovationen die Ziele erreichbar sind, dann kann man sie auch nicht planen. Nur mit Suffizienz ist es bestimmt nicht möglich. Wir brauchen die Kreativität aller Menschen, der Produzenten und der Konsumenten, um die erforderlichen ökologischen Ziele noch rechtzeitig zu erreichen.

Mit Sicherheit werden wir aber die ökologischen Ziele (Ressourcenschutz und Reduzierung des Ausstoßes Klimaschädlicher Gase von heute 12 t/Person auf 2 t innerhalb der nächsten 36 Jahre) mit anhaltendem wirtschaftlichen Wachstum nicht erreichen, folglich muss der Kapitalismus durch eine ganz neue Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung abgelöst werden.

Mir ist klar, dass es für eine Partei sehr schwierig ist, mit ganz neuen Lösungsansätzen voranzugehen. Bis das von den Wähler/innen verstanden wird, führt das im Normalfall eher zu Zustimmungsverlusten. Ich bin deshalb mit unseren Parteivorsitzenden einig, dass wir, wie auf Seite 13 (2. Absatz) vorgeschlagen wird, andere gesellschaftliche "Orte" unterstützen, die diese Theoriearbeit für uns leistet. Das Problem ist jedoch, dass es diese "Orte" noch fast nicht gibt. Wir sind noch weit davon entfernt, auf bekannte, zukunftsweisende Arbeiten verweisen zu können und es gibt noch nicht einmal einen Ansatz für eine Bewegung, die solche Theorieansätze unterstützt. Daran müssen wir aktiv arbeiten.

Entscheidend ist, dass wir solche Initiativen anstoßen und fördern und dass wir dann, wenn erste zukunftsweisende Ansätze sichtbar werden, und in der Öffentlichkeit diskutiert werden, klar machen, dass wir hinter diesen neuen Ansätzen stehen und wir so die Probleme der Zukunft lösen wollen.

Dann müssen wir auch nicht mehr erläutern, warum wir Mitglied der LINKEN sind, wie das Bernd bei seiner Aschermittwoch-Rede in Stuttgart feststellte. Wenn es dann heißt: "Was Du bist noch nicht Mitglied bei den LINKEN", dann haben wir gewonnen, zum Wohle der Menschen.

Mit meinem neuen Buch "Der Weg zur zukunftsfähigen Gesellschaft" mit dem Untertitel "Die solidarische Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung als Alternative zum Kapitalismus" habe ich versucht, einen Beitrag zu leisten. Ich bin gerne bereit, weiterhin mitzuhelfen, dass wir auf diesem Weg vorankommen.