betrieb & gewerkschaft

Nachwuchs bis zur Rente?

Torsten Steidten

GEW kämpft für gute Beschäftigungsbedingungen an Hochschulen und Forschungseinrichtungen

In den letzten Jahren sind die Beschäftigungsbedingungen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen zunehmend zum Thema geworden. Zahlreiche Studien, wie aktuell der dritte Bundesbericht zum wissenschaftlichen Nachwuchs (BuWiN), weisen auf die Probleme in diesem Bereich hin. Dabei ist "Nachwuchs" hier eher ein irreführender Begriff.

Der Anteil der befristeten Stellen - übrigens auch beim wissenschaftsunterstützenden Personal - ist in den letzten Jahren auch durch den Rückgang des Anteils der Grundfinanzierung über die öffentlichen Haushalte rapide gewachsen. Auf eine unbefristet besetzte Stelle kommen neun Stellen mit Befristung. Die Befristungsdauer ist verbreitet sehr kurz - laut einem Evaluationsbericht hatten über die Hälfte der Verträge eine Laufzeit von unter einem Jahr. Mit dem Wissenschaftszeitvertragsgesetz (WissZeitVG) gilt ein gesondertes Befristungsrecht jenseits des normalen Arbeitsrechts, das auch noch mit der sogenannten Tarifsperre abweichende Regelungen per Tarifvertrag weitgehend ausschließt. Langfristige, planbare Karriereperspektiven gibt es nur für wenige Beschäftigte. Der BuWiN 2017 belegt erneut, dass nicht wenige von ihnen deshalb einen Kinderwunsch zurückstellen.

Stark gewachsen ist auch noch eine andere, noch prekärere Form der Beschäftigung - die Vergabe von Lehraufträgen über Honorarverträge mit per Verordnung geregelter Vergütung. Zunehmend werden diese genutzt, um die normale Lehre zu bewältigen, und immer mehr Betroffene leben nur von Lehraufträgen, zum Teil an mehreren Einrichtungen. All dies hat auch Auswirkungen auf die Gewerkschaftsarbeit. Es ist nicht leicht, die Betroffenen für eine Mitgliedschaft zu gewinnen und sie zu motivieren, aktiv für Verbesserungen ihrer Beschäftigungsbedingungen einzutreten. Um gute Beschäftigungsbedingungen zu erreichen, bedarf es weiter eines deutlich steigenden gewerkschaftlichen Organisationsgrades.

Die GEW hat 2010 mit dem "Templiner Manifest" Forderungen zu Beschäftigungsbedingungen formuliert und diese danach bei vielen Veranstaltungen vorgestellt, was zu einer wachsenden Bereitschaft zum Aktivwerden beigetragen hat. Mit dem "Herrschinger Kodex" unterbreitete die GEW 2012 Vorschläge für Selbstverpflichtungen zu guten Beschäftigungsbedingungen. Auch hierbei gab es Erfolge - in mehreren Bundesländern Regelungen auf Landesebene, an einer Reihe von Hochschulen Gremienbeschlüsse oder Vereinbarungen mit den Personalräten. Bei einer 2016 beschlossenen Novellierung des WissZeitVG sind zumindest einige GEW-Forderungen umgesetzt worden. Auch zu Personalstruktur und ausreichender Grundfinanzierung hat die GEW wiederholt Vorschläge unterbreitet.

Der bevorstehende 28. Gewerkschaftstag der GEW wird Bilanz ziehen und über weitere Aktivitäten beraten.

Torsten Steidten, Vorsitzender des Bereichs Hochschule und Forschung der GEW Sachsen und einer der Sprecher der LAG Betrieb & Gewerkschaft Chemnitz