betrieb & gewerkschaft

Wenn wir uns bewegen, dann bewegen wir Amazon

Thomas Schneider

Das ist die Erkenntnis der organisierten Beschäftigten bei Amazon hier in Leipzig. Seit Jahren kämpfen sie für einen Tarifvertrag bei Amazon und für gute und gesunde Arbeit. Und sie haben schon viel bewegt: Es gibt zum Beispiel den Betriebsrat mit seiner Mitbestimmung, es gibt bauliche Veränderungen, auch wenn manche nur halbherzig sind, es gibt nicht unerhebliche Lohn- und Gehaltssteigerungen und sogar ein Miniweihnachtsgeld. So manche neue Mitarbeiterin oder neuer Mitarbeiter kann sich die Bedingungen, wie sie bei Amazon in Leipzig in den ersten Jahren herrschten, gar nicht mehr vorstellen. Wenn die älteren Kolleginnen und Kollegen schildern, wie die Arbeitsbedingungen und der Umgang seitens des Managements früher gewesen sind, erinnert das sehr an die heutige Situation der Beschäftigten in den polnischen Standorten von Amazon. Und da ist es gut, dass die ver.di- Vertrauensleute enge Kontakte zu Beschäftigten in den anderen europäischen Standorten pflegen. Bei den regelmäßigen internationalen Vernetzungstreffen zeigt sich, dass das Management von Amazon überall nur das tut, was es tun muss. Es werden die einfachsten gesetzlichen Standards eingehalten, aber mehr auch nicht. Und das reicht eben oft nicht für gute und gesunde Arbeit. Doch gute und gesunde Arbeit sollte ein Grundrecht für alle abhängig Beschäftigten sein. Wo Arbeitgeber nicht bereit sind, dieses einzuräumen, müssen sich Arbeitnehmer organisieren und es erkämpfen. Darum hat das Management von Amazon Angst vor einer organisierten Belegschaft. Nach außen wird, von PR-Agenturen beraten, getönt: „Wir haben nur ein Ziel: Die Kundenzufriedenheit sicherstellen. Wir respektieren unsere Mitarbeiter und arbeiten vertrauensvoll mit ihnen zusammen. Da brauchen wir keine Gewerkschaften im Betrieb.“

Doch zum einen sind die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter schon lange im Betrieb und zum anderen zeigen gerade die jüngsten Ereignisse bei Amazon in Leipzig, dass es nicht weit her ist mit Respekt gegenüber der Belegschaft. Immer mehr Kolleginnen und Kollegen merken, dass es nur bedingt um zufriedene Kundinnen und Kunden geht. In Wirklichkeit geht es um Profit und Profitmaximierung. Nicht umsonst ist der Amazon Gründer Jeff Bezos mittlerweile der zweitreichste Mensch der Welt - mit einem Vermögen von 75,6 Milliarden Dollar. Das hat nichts mit Neid zu tun. Er kann ruhig auch der Reichste sein, wenn er seine Beschäftigten an dem Gewinn, den sie für ihn erwirtschaften, auch entsprechend teilhaben lässt. Indem er ihnen gute Tarifverträge und gute und gesunde Arbeit verweigert, tut er das nicht. Und da sind wir beim obigen Eingangszitat. Denn die Kolleginnen und Kollegen bewegen sich bei Amazon immer stärker für ihre Interessen, in Deutschland und in Europa. Sie organisieren sich in Gewerkschaften und kämpfen für sich und ihre Rechte. Es gibt zunehmend in diesem globalen Unternehmen einen globalen Arbeitskampf. Die „Proletarier (bei Amazon) aller Länder“ vereinigen sich.

Thomas Schneider, Fachbereich Handel ver.di-Bezirk Leipzig-Nordsachsen