betrieb & gewerkschaft

Zur Sache: Gute Arbeit reorganisieren. Sicher, tariflich bezahlt und mitbestimmt

Jutta Krellmann

Die Arbeitsmarktreformen der letzten 20 Jahre haben zur Erosion des Normalarbeitsverhältnisses beigetragen: Während Vollzeitjobs beständig abgebaut werden, hat sich der Anteil prekärer Beschäftigung parallel insgesamt verdoppelt: Befristungen haben sich verdreifacht, Leiharbeit vervierfacht und Miniteilzeit verdoppelt. Fast ein Viertel aller Beschäftigten beziehen Niedriglohn. Einkommen aus Vermögen und Unternehmensgewinnen lassen die Arbeitseinkommen beim Zuwachs nach wie vor weit hinter sich. Mittlerweile üben 2,5 Mio. Beschäftigte zusätzlich zu ihrem Hauptjob noch einen Minijob aus – Tendenz steigend. Gleichzeitig wird durch das fortschreitende Lohndumping die Subventionierung der Wirtschaft durch die Hintertür vorangetrieben: Letztes Jahr mussten 1,24 Mio. Beschäftigte ihren Lohn aufstocken, die Hälfte von ihnen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Es braucht eine starke LINKE, um Strategien gegen Lohndumping und prekäre Beschäftigung voranzutreiben. Beides schadet nicht nur den Beschäftigten in Deutschland, sie drängt Kolleginnen und Kollegen in ganz Europa an den Rand der Existenz.

Die Verteilung von Arbeitszeit und deren Entlohnung sind dabei zentrale Aspekte. Das Arbeitsvolumen ist in den letzten 20 Jahren gleich geblieben. Überstunden und Mehrarbeit in Milliardenhöhe machen deutlich: Es gibt nicht zu wenig Arbeit, sie ist nur falsch verteilt. Daher brauchen wir eine gesellschaftliche Debatte um die Verteilung der Arbeit. Eine Verkürzung der Arbeitszeit muss daher zwingend bei vollem Lohnausgleich stattfinden. Diese Debatte müssen wir breit führen. Unsere Gewerkschaften können hierzu einen Aufschlag machen, denn ohne sie wird eine Arbeitszeitverkürzung nicht umzusetzen sein. Von oben herab wird eine Arbeitszeitverkürzung nicht gelingen, wir brauchen die Akzeptanz in der Gesellschaft und besonders bei den Beschäftigten.

DIE LINKE setzt hierzu als Impuls auf die Reduzierung der gesetzlichen Wochenhöchstarbeitszeit, kombiniert mit der Forderung nach einer Antistressverordnung und zwingender Mitbestimmung über Arbeitsablauf, -organisation und -umfang. Darüber hinaus streiten wir für soziale Standards in der Arbeitswelt: Sachgrundlose Befristungen von Arbeitsverträgen und Kettenbefristungen müssen abgeschafft, Leiharbeit perspektivisch verboten und Werkverträge streng reguliert werden. Die Tarifbindung wollen wir stärken und Betriebsräte vor Union Busting schützen. Die Debatte, wie und wie viel wir in Zukunft arbeiten wollen, darf nicht ohne uns und ohne unsere Positionen geführt werden. Dafür brauchen die Beschäftigten nicht nur mehr Mitbestimmung in den Betrieben und kämpferische Gewerkschaften, sondern auch eine LINKE, für die Erwerbsarbeit kein Randthema ist.

Jutta Krellmann, Gewerkschaftspolitische Sprecherin der Fraktion DIE LINKE im Bundestag und aktiv in der LAG Niedersachsen

(Der Text ist im Original im Mitteilungsblatt der LINKEN. Leipzig erschienen, April 2017)