Rosemarie Hein

Ausbildungsoffensive für pädagogische Berufe dringend nötig

Der GEW-Chef Ulrich Thöne hat erneut darauf hingewiesen, dass die Versorgung der Kindereinrichtungen und Schulen mit pädagogischem Personal in Deutschland stark zu wünschen übrig lässt. Dazu erklärt das Mitglied des Parteivorstandes, Rosemarie Hein:

Auch wenn diese Meldung die Mehrheit der Öffentlichkeit nicht überraschen dürfte, der Mann hat recht. Nicht nur dass es seit Jahren Defizite in der Ausstattung der Bildungseinrichtungen mit gut ausgebildeten pädagogischen Personal gibt, Klassen zu groß sind und Sozialarbeiter an den Schulen fehlen -  in den folgenden Jahren wird sich dieses Problem dramatisch verschärfen. Schon heute ist absehbar, dass die Zahl der Lehramtsstudentinnen und Lehramtsstudenten nicht ausreichen wird, um die in den nächsten Jahren aus Altersgründen aus dem Schuldienst ausscheidenden Lehrerinnen und Lehrer zu ersetzen. Das Problem wird sich also erheblich verschärfen.

Von einer Verbesserung der pädagogischen Rahmenbedingungen traut man sich kaum noch zu reden. Die Politik in Bund und Ländern hat hier die Zeit einfach verschlafen. Die zu erwartenden Defizite sind auf normalem Wege nicht mehr auszugleichen.

Ebenso dramatisch sieht die Situation im Bereich der vorschulischen Bildung aus. Zwar sind Gesetze verabschiedet worden, die Rechtsansprüche garantieren, aber die Qualität der Betreuung wird auf der Strecke bleiben, weil zu der heute schon unbefriedigenden Fachkräftesituation der Bedarf aus dem Zuwachs an Betreuungsplätzen noch hinzu kommt. Die genannte Zahl von 80.000 fehlenden Erzieherinnen und Erziehern ist keinesfalls übertrieben.

Zu diesen Versäumnissen bei der pädagogischen Ausbildung kommt die inhaltliche noch hinzu. Es kann nicht sein, dass in einem Land, das sich auf das Bildungspotenzial seiner Bürgerinnen und Bürger stützen will und muss, Lehrerinnen und Lehrer erster und zweiter Klasse ausgebildet werden. Es gibt keinen vernünftigen Grund, Lehrkräfte für Grund-, Haupt- und Realschulen anders auszubilden und zu bezahlen als für Gymnasien. Zudem wird die Ausbildung im pädagogischen Handwerk, also Pädagogik, Psychologie, Methodik, Didaktik, nach wie vor als nachrangig betrachtet, so dass man nach der ersten Phase der Lehrerausbildung vielleicht problemlos fachwissenschaftlich arbeiten, aber nicht unbedingt auch unterrichten kann. Auch die Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern wird nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung zugemessen, die sie verdient.

DIE LINKE fordert darum eine grundlegende Reform der LehrerInnenausbildung in Inhalt, Form und Anzahl und eine entschiedene Aufwertung der Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Der Bildungsgipfel muss dringend eine Ausbildungsoffensive für pädagogische Berufe beschließen und in die Wege leiten.