Rosemarie Hein

Soziale Barrieren zum Hochschulzugang einreißen

Zur Veröffentlichung der OECD-Studie "Bildung auf einen Blick" 2008 erklärt das Mitglied des Parteivorstandes, Rosemarie Hein:

Das schlechten Zeugnis, das die OECD der Bildungspolitik in Deutschland ausstellt, dürften eigentlich keinen überraschen. Seit langem ist bekannt, dass hierzulande zu wenige junge Menschen ein Studium beginnen und erfolgreich abschließen. Nun wird unserem Land bescheinigt, dass sich die Schere zwischen Deutschland und dem OECD-Durchschnitt weiter vergrößert. Wie man trotzdem von "Erfolgen unserer Bildungspolitik" reden kann, wie das die bildungs- und forschungspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Ilse Aigner, tut, bleibt ihr Geheimnis.

In Deutschland erreichen zu wenige junge Menschen das Abitur, fangen zu wenige ein Studium an, schließen es zu wenige erfolgreich ab. Die Finanzierung der Bildung ist, gemessen am BIP zu gering, der Anteil der Bildungsausgaben in den öffentlichen Haushalten verringert sich. Schließlich zeigt sich, dass die Wirkungen der bildungspolitischen Maßnahmen der Agenda 2010 wenig zielführend sind: so ist zwar der Anteil der 18-25-Jährigen, die sich weder in Ausbildung befinden noch erwerbstätig sind, gesunken, ihr Anteil ist aber bei den 25-29-Jährigen mit 20 % unverhältnismäßig viel höher.

DIE LINKE ist nicht bereit, diese Untersuchungsergebnisse in irgendeiner Weise zu entschuldigen oder schön zu reden. Vielmehr fordern wir, die Zahl derjenigen, die das Abitur oder über einen anderen Weg die Hochschulreife erreichen können durch eine andere Bildungspolitik deutlich zu erhöhen. Wir brauchen mindestens 60 % eines Jahrganges mit einer Hochschulzugangsberechtigung. Dies ist aber nicht möglich, wenn das Schulsystem schon darauf ausgerichtet ist, dass es nur ca. 30 – 40 % auch schaffen können. Wir fordern darum die Abschaffung des gegliederten Schulsystems und den Umstieg zu einer Gemeinschaftsschule als Schule für alle Kinder, in der die stringente Auslese endlich beendet und jedes Kind individuell gefördert wird. Dazu haben sich am Wochenende in Hannover Bildungsexperten der LINKEN verständigt. Wir fordern die sozialen Barrieren zum Hochschulzugang einzureißen und auch andere Zugangsmöglichkeiten neben dem Abitur deutlich zu erleichtern. Und schließlich muss sich endlich die Bedeutung von Bildungsinvestitionen auch in einem höheren Anteil am Bruttosozialprodukt niederschlagen und die öffentlichen Haushalte müssen in die Lage versetzt werden, mehr in Bildung zu investieren.