Rosemarie Hein

Hinterwäldlerische Bildungspolitik bringt Deutschland ins Hintertreffen

Im "Wirtschaftsbericht für Deutschland" der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung wird erneut das deutsche Bildungssystem als sozial ungerecht kritisiert. Dazu erklärt das Mitglied des Parteivorstandes Rosemarie Hein:

In Vielem kann man den OECD-Feststellungen folgen. Es wird endlich Zeit, dass Deutschland seine bildungspolitisch hinterwäldlerische Position aufgibt und das einführt, was in fast allen OECD-Staaten längst Realität ist. Das Festhalten an überlebten Bildungsvorstellungen droht Deutschland auch wirtschaftlich immer mehr ins Hintertreffen zu bringen, wie der ebenfalls seit Jahren beklagte und immer akuter werdende Fachkräftemangel beweist.

Allerdings wird es nicht reichen, künftig Haupt- und Realschulen zusammenzulegen und ansonsten die frühzeitige Aussonderung des gymnasialen Bildungsganges beizubehalten. Wie die Länder Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen zeigen, die ein solches System seit über anderthalb Jahrzehnten aufweisen, führt ein sogenanntes zweigliedriges Schulsystem zu keinen besseren Befunden. Auch die soziale Auslese ist in diesen Ländern ungebrochen hoch. Vielmehr muss es mindestens bis zum Abschluss der achten Klasse, oder wie in anderen Ländern Europas bis zur neunten Klasse ein gemeinsames Lernen aller Kinder und Jugendlichen gewährleistet werden. Die Ergebnisse solcher längeren gemeinsamen Schulzeit sind keineswegs schlechter, sondern besser als im gegliederten System. Auch die Anzahl der Abiturienten und die Qualität des Abiturs nehmen nach längerem gemeinsamem Lernen zu und nicht ab, wie andere Länder beweisen.

Es bleibt zu hoffen, dass Wirtschaftsminister Glos (CSU) diesen Befund nicht wieder in der Schublade verschwinden lässt oder die vielen anderen Indikatoren für die Fehlleistungen des deutschen Schulsystems mit fadenscheinigen Argumenten zurückweist wie seine Amtskollegin Frau Schavan. Die Politik muss endlich handeln!