Rosemarie Hein

Schlingerkurs in der Bildung bei den Konservativen von CDU und FDP

Die Bundesparteitage von CDU und FDP haben sich mit aktuellen Bildungsfragen befasst. Vor allem das allerorten in die Kritik gekommene gegliederte Schulsystem und das Kooperationsverbot zwischen Bund und Ländern in der Bildung treibt beide Parteien um. Auf ihren Parteitagen haben beide Parteien Beschlüsse dazu gefasst. Dazu erklärt das Mitglied des Parteivorstandes, Rosemarie Hein:

CDU und FDP üben auf ihren Parteitagen bildungspolitisch eine Rolle rückwärts. Während landauf, landab mehr Bundesverantwortung für die Bildung gefordert wird, beharren beide Parteien auf dem Verbot der Zusammenarbeit zwischen Bund und Ländern in Bildungsfragen. Eine notwendigeBildungsreform bleibt in diesen Parteien ebenfalls aus. Dagegen wird zum wiederholten Male das überlebte gegliederte Schulsystem beschworen, das nachgewiesenermaßen nicht in der Lage ist, Bildungsbenachteiligungen abzubauen. Als gäbe es diese Einsicht nicht längst werden im Gegenzug inflationär Hilfsprogramme gefordert und gestartet wie die Ausweitung des Deutschlandstipendiums oder die halbherzige Zusammenlegung von Haupt- und Realschule zu einer vermeintlich neuen Schulform, der Oberschule.

Während in elf Bundesländern eine solche Schulform teilweise seit Jahren Realität ist und sie in zwei weiteren Ländern vor der Einführung steht, verkauft das die CDU sie als Neuheit. Sie erweist sich erneut als wenig kreativ und hasenfüßig gegenüber dem offensichtlichen und dringenden Reformbedarf. In jenen Ländern, die seit mehr als einem Jahrzehnt mit solchen Schulformern arbeiten, haben sich solche Schulformen, unter welchem Namen immer, mehr oder weniger ungeeignet erwiesen, um die Grundmängel des gegliederten Schulsystems zu beseitigen. DIE LINKE sieht deshalb in der Zweigliedrigkeit kein erstrebenswertes Ziel und akzeptiert solche Entwicklungen in den Ländern bestenfalls als Zwischenstufen zu einerinklusiven Schule, die alle Bildungsabschlüsse ermöglicht.

Auch die Forderung nach einem verpflichtenden Vorschuljahr ist ungeeignet die dramatischen Bildungsdefizite in Deutschland zu beheben,wenn frühkindliche Bildung nicht in ausreichender Menge und Qualität zur Verfügung steht. Vor allem fehlen ausreichend Ganztagsplätze und die ausreichende Zahl gut ausgebildeter pädagogischer Fachkräfte. Die Verpflichtung zu einem Vorschuljahr wird dann zu Lasten der übrigen Betreuungsangebote gehen müssen. Das wird DIE LINKE nicht hinnehmen. Wir fordern ein vom Bund mitfinanziertes Ausbildungsprogramm für Fachkräfte in der frühkindlichen Bildung, die zunehmend an Hochschulen erfolgen muss.

Auch nach den beiden Parteitagen der Regierungsparteien bleibt Nachhilfe in Bildungsfragen bei CDU und FDP dringend erforderlich. Am besten durch Abwahl bei der nächsten Bundestagswahl.