Rosemarie Hein

Bildung endlich als langfristige Gemeinschaftsaufgabe begreifen

Zu den Ergebnissen der gestern vorgestellten OECD-Studie, "The High Cost of Low Educational Performance", die wirtschaftliche Folgewirkungen einer verbesserten Bildungspolitik untersucht, erklärt das Mitglied des Parteivorstandes, Rosemarie Hein (MdB):

Die aktuelle OECD-Studie belegt eines sehr deutlich: die Verbesserung der Bildung von Schülerinnen und Schülern ist die zentrale Gemeinschaftsaufgabe der nächsten Jahre. Nur eine bessere vorschulische und frühkindliche Bildung, die Verbesserung der Qualität von Bildung und längeres gemeinsames Lernen führen zu einem besseren Bildungsniveau. Diese Erkenntnis vertritt DIE LINKE seit langem.

Die Autoren gehen davon aus, dass bei einer Verbesserung des Bildungsniveaus um 25 Pisa-Punkte, Deutschland bis 2090 mit einer bis zu 8.000 Milliarden US-Dollar höheren Wirtschaftsleistung rechnen könnte. Gelänge es gar, alle Schülerinnen und Schüler auf das gleiche Bildungsniveau von 400 Pisa-Punkten zu heben, ergäbe sich daraus sogar eine um mehr als 12.000 Milliarden US-Dollar höhere Wirtschaftsleistung bis 2090. Wenngleich solche Berechnungen aus meiner Sicht etwas problematisch anmuten, ist die Tatsache, dass Bildungsinvestitionen langfristige und nachhaltige Zukunftsinvestitionen sind, unbestritten. Ebenso unbestritten ist es, dass nicht nur deutlich mehr Geld in die Bildung fließen muss als die Bundesregierung es vorhat, sondern auch das Bildungssystem von Grund auf reformiert werden muss um die großen sozialen Abhängigkeiten abzubauen.

DIE LINKE plädiert darum unter anderem für längeres gemeinsames Lernen in Gemeinschaftsschulen und eine stärkere individuelle Förderung. Nicht erst die immensen Zahlen der Studie verdeutlichen, dass in der bildungspolitischen Misere endlich umgesteuert werden muss. Eine gute Bildung hat sicher positive Effekte für eine Volkswirtschaft, aber vor allem für die Menschen und ihre Lebensperspektiven. Diese Erkenntnis gehört jedoch anscheinend nicht zum Erkenntniskanon der Bundesregierung. Die anstehenden Haushaltsberatungen des Bundestages eröffnen die Chance, die entsprechenden finanziellen Mittel bereitzustellen und darüber hinaus endlich mit einer ernsthaften Debatte über Strukturen und Inhalte, hin zu einer langfristigen, gerechten, offenen und sich dadurch auch volkswirtschaftlich lohnenden Bildungspolitik zu beginnen. Fraktion DIE LINKE im Bundestag wird in ihren parlamentarischen Anträgen zum Haushalt und darüber hinaus entsprechend agieren.