Rosemarie Hein

Bildung ist das, was übrig bleibt, wenn das Gelernte längst wieder vergessen ist

Zur Forderung des scheidenden Präsidenten der Kultusministerkonferenz (KMK), Tesch, ein gemeinsames Abitur bis zum Jahr 2014 einzuführen, erklärt das Mitglied des Parteivorstandes der Partei DIE LINKE, Rosemarie Hein (MdB):

Die immer wieder erhobene Forderung nach einem Zentralabitur geht an den eigentlichen Problemen im zergliederten deutschen Schulsystem vorbei. Sie ist lediglich Ausweis dafür, dass der Versuch, über einheitliche Bildungsstandards eine bessere Vergleichbarkeit der Abschlüsse zu erreichen, zu scheitern droht. Auch scheint keinerlei Einigkeit über die Bildungsziele zu bestehen. Statt den Schwerpunkt auf die Einführung solcher Bildungsstandards in allen Ländern zu legen, wird schon wieder nach einem Zentralabitur gerufen. Ein Zentralabitur führt nicht zu einem höheren Bildungsniveau, im Gegenteil birgt es die Gefahr der Beschränkung auf das zentral zu Prüfende.

Und, wieso wird nur über das Abitur geredet? Haben andere Schulabschlüsse weniger Aufmerksamkeit verdient? Ich denke, nein. Für DIE LINKE ist das Zentralabitur nicht die Lösung, um aus der Bildungsmisere herauszukommen. Wir brauchen einen Umstieg von einem faktenwissenzentrierten Unterricht zu einem kompetenzorientierten Unterricht, der auch die individuelle Stärken und Fähigkeiten beachtet. Diese lassen sich nicht durch zentral erstellte Prüfungsaufgaben abprüfen. Wenn die Abiturienten an die Uni gehen, müssen sie wissen wie man eine wissenschaftliche Arbeit erstellt, und nicht was darin stehen soll. Für diese Bildung ist ein Zentralabitur völlig ungeeignet.

Bildung ist – frei nach Inge von Wangenheim – das, was übrig bleibt, wenn das Gelernte längst wieder vergessen ist. Das Zentralabitur aber führt zum schlichten Auswendiglernen und erzieht unsere Schüler zu Wissenskonsumenten, nicht aber zu nachdenkenden Menschen.