Rosemarie Hein

Ausbildungsbereitschaft darf kein wirtschaftliches Risiko sein

Zum Rückgang der Zahl der Ausbildungsverträge angesichts der Wirtschaftskrise erklärt das Mitglied des Parteivorstandes, Rosemarie Hein:

Es war abzusehen, dass sich die Wirtschaftskrise drastisch auf den Lehrstellenmarkt auswirken wird. Die wirtschaftlich unsichere Lage vieler vor allem klein- und mittelständischer Betriebe äußert sich auch in der Zurückhaltung beim Abschluss neuer Ausbildungsverträge. Das kann dramatische Folgen haben, sind klein- und mittelständische Unternehmen vielerorts geradezu das Rückgrat in der Ausbildungspolitik.

Allerdings ist die kurzschlüssige Reaktion, nun wieder weniger auszubilden, angesichts des offenkundigen Fachkräftemangels in vielen Branchen mittel- und langfristig ein Eigentor. Offensichtlich ist man in der Wirtschaft schnell bereit, gerade dort zu sparen, wo es im Moment am wenigsten weh tut. Die Leidtragenden sind zunächst jene Schulabgängerinnen und Schulabgänger, die wieder keinen Ausbildungsplatz finden und in Warteschleifen „geparkt“ werden müssen. Das aber belastet nicht nur die jungen Leute und ihre Lebensperspektiven, sondern auch die öffentlichen Kassen. Darum ist es wichtig, Steuerungsinstrumente zu entwickeln, die die Ausbildungsbereitschaft aller Unternehmen stärken und es jenen kleinen und mittelständischen Unternehmen, die von je her an guter Ausbildung interessiert sind, ermöglichen, ihr Engagement auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten beizubehalten.

Die LINKE tritt darum dafür ein eine solidarische Finanzierung der beruflichen Erstausbildung durch eine Umlage ein, die garantiert, dass die Ausbildungsbereitschaft nicht zu einem wirtschaftlichen Risiko für Ausbildungsbetriebe wird und jene Betriebe, die bislang nicht oder zu wenig ausbilden, motiviert, ihre Anstrengungen zu erweitern. Appelle helfen wenig, wie wir aus der Vergangenheit wissen. Die gemeinsame Verantwortung für eine gute berufliche Ausbildung einerseits und die Sicherung des Fachkräftenachwuchses andererseits liegt zum wesentlichen Teil in der Verantwortung der  Wirtschaft. Sie muss endlich im Ganzen dieser Verantwortung für die duale Berufsausbildung gerecht werden.