Disput

Den Zahlen ein Gesicht geben

Eintritte in der LINKEN – ein bisschen Statistik, ein Blick ins (Partei)-Leben

Von Kajo Tetzlaff

Seit dem Gründungsparteitag am 16. Juni haben viele Menschen den Weg in DIE LINKE gefunden. Wir konnten in den vergangenen drei Monaten mehr als 3.000 neue Mitglieder begrüßen und freuen uns darüber, dass die Eintrittswelle anhält.

Die Neumitglieder wurden gebeten, ihren Eintritt kurz zu begründen, um den Zahlen »ein Gesicht zu geben«. Diese kurzen Vorstellungen können auf der Internetseite www.die-linke.de unter »Mitgliedschaft« nachgelesen werden. Vielen Dank an all jene, die sich die Mühe gemacht haben! Insgesamt beteiligten sich daran etwa 270 Personen.

Wir haben den Versuch unternommen, diese kurzen Texte statistisch auszuwerten, sodass wir uns ein Bild davon machen können, welche Beweggründe Neumitglieder hatten, zur LINKEN zu kommen. Dabei handelt sich nicht um eine repräsentative Statistik.

Zudem wurde die Gesamttabelle ausgewertet, in der alle Neumitglieder zwischen Mai und August dieses Jahres erfasst worden sind.

Gründe für den Eintritt

Das am häufigsten genannte Argument  für den Eintritt in DIE LINKE ist das der sozialen Gerechtigkeit. Hierunter fallen Aspekte wie gerechtere Bildungsmöglichkeiten und Chancengleichheit, Gesundheitspolitik, Arbeitsmarktreformen, Stärkung von Arbeitnehmerrechten, Hartz IV etc.

Zudem wird deutlich, dass DIE LINKE für viele die einzige glaubwürdig Partei ist und »Hoffnung gibt«. Insbesondere die Abgrenzung und Enttäuschung von anderen Parteien ist ein häufig genanntes Argument, hier vor allem die Unzufriedenheit mit der SPD.

Krieg/Frieden (wie die Ablehnung des Afghanistankrieges) und umweltpolitische Aspekte (hier besonders der Klimaschutz) werden darauf folgend am häufigsten genannt. Der LINKEN wird in diesen Bereichen die größte Kompetenz zugetraut.

Altersstruktur


Den größten Zulauf hat DIE LINKE von Menschen im Alter zwischen 28 und 67 Jahren. Zum Vergleich haben wir die Daten der Eintritte aus dem Jahr 2004 (insgesamt etwa 1.300) der alten PDS hinzugezogen und mit den aktuellen Zahlen verglichen (Tabelle 2). Es ist besonders erfreulich, dass die Gruppe des »mittleren« Alters nun zugenommen hat. Diese Gruppe war in der PDS unterrepräsentiert. Einbrüche sind allerdings im Vergleich zu 2004 bei den Jüngeren zu verzeichnen. Waren 2004 noch etwa 34 Prozent der Neumitglieder in dieser Altersgruppe, so sind es heute knapp 12 Prozent. Während in allen anderen Altersgruppen Mitglieder dazu gewonnen werden konnten, ist dies die einzige Gruppe, in der es weniger Eintritte gab als im Jahr 2004.

Berufe und Tätigkeiten

Interessant ist auch die Auswertung der Tätigkeiten der Neumitglieder. In Tabelle 3 werden Erwerbstätige und Nichterwerbstätige differenziert, wobei in die letztere Gruppe sowohl Schülerinnen und Schüler, Studierenden, Arbeitslose, Rentnerinnen und Rentner, Pensionäre etc. fallen. In Relation zwischen der Gesamtbevölkerung (Zahlen: Statistisches Bundesamt) und den Eintritten in DIE LINKE ist die Quote der  Erwerbstätigen und Nichterwerbstätigen verhältnismäßig fast gleich. Im Vergleich zu den Eintritten in die PDS im Jahr 2004 hat sich insbesondere in der Gruppe der Nichterwerbstätigen etwas verändert. Analog zu den oben aufgezeigten Geburtskohorten kann DIE LINKE unter Arbeitslosen, Rentnerinnen und Rentnern, Vorruheständlerinnen und Hausmännern/Hausfrauen dazugewinnen. Im Gegensatz dazu sind jedoch Verluste bei Studierenden, Schülerinnen und Schülern zu verzeichnen. 2004 waren etwa 29 Prozent aller Neumitglieder Schüler/innen und Studierende; 2007 (Mai bis August) waren es etwa sieben Prozent.

Frauen in der LINKEN

Konstant unter den Eintritten bleibt die (niedrige) Frauenquote. Diese liegt aktuell bei den Eintritten bei etwa 16 Prozent. Hier hat sich im Vergleich zum Jahr 2004 wenig geändert, auch in der alten PDS waren im Jahr 2004 etwa 16 Prozent der Neumitglieder weiblich. Insgesamt betrachtet hat DIE LINKE im Vergleich zu allen anderen Parteien die höchste Frauenquote: etwa 45 Prozent der Mitglieder der Gesamtpartei sind weiblich.

West und Ost im Vergleich

Seit der Gründung der LINKEN können vermehrt Menschen im Westen Deutschlands erreicht werden. So sind in den letzten drei Monaten in Westdeutschland (45) mehr Eintritte pro eine Million Einwohner als in Ostdeutschland (37) zu verzeichnen. 2004 war dieses Verhältnis eher umgekehrt (Ost: 22; West: 14). Gemessen an der Bevölkerungsgröße haben das Saarland und Hamburg derzeit das größte Wachstum, beide konnten die Eintrittszahlen gegenüber dem Jahr 2004 mehr als verfünffachen.

Kajo Tetzlaff ist Mitarbeiterin der Bundesgeschäftsstelle, Bereich Parteientwicklung