Disput

Lockere Begegnung mit linker Politik

Wie das Strausberger Friedensfest eine erfolgreiche Tradition wurde

Von Bernd Sachse

Nur wenige Traditionen der Linken mit überregionaler Ausstrahlungskraft entstanden im Osten nach der Wende. Eine davon ist ohne Zweifel das Strausberger Friedensfest. Mit ihm nehmen wir ein zentrales politisches Thema der Partei – die Friedenspolitik – als Ausgangspunkt, um das ganze Spektrum linker Politik populär unter die Leute zu bringen.

Den äußeren Rahmen des Festes bilden über vierzig Stände, an denen sich Jahr für Jahr Vereine und soziale Bewegungen, kleine Unternehmen und linke Parteien, Gruppierungen und Institutionen präsentieren. Diese Stände geben eine Vorstellung von der tiefen Verwurzelung linker Politik in der Gesellschaft. Viele unserer Mitglieder sind in kommunalen Vereinen integriert und tragen zur Vielfalt und Funktionsfähigkeit der Kommunen bei. Das wird mit Hilfe des Friedensfestes nach außen hin dokumentiert.

Die Verbundenheit mit dem Landkreis Märkisch-Oderland (Brandenburg) kommt durch das Anbieten regionaler Produkte vom Kuchen bis hin zu Öko-Produkten in allen Variationen zum Ausdruck. Das Spektrum der Stände spiegelt unsere Offenheit wieder: Ob Spätaussiedler oder irakischer Teehändler – beim Friedensfest sind alle auch als Akteure willkommen. Damit werden wichtige Wertevorstellungen der Linken wie Toleranz und Solidarität gelebt.

Das Kulturprogramm ist von Fest zu Fest attraktiver geworden. Es bietet sowohl »einfache« Unterhaltung als auch politische Kunst, traditionelle örtlich geprägte Darbietungen wie anspruchsvollere nationale und internationale Kultur. Wenn jemand alles beim Friedensfest sehen wollte, würde er dafür zwei Wochen brauchen. Ein solches Niveau zu erreichen, war notwendig, um sich von der Konkurrenz der örtlichen Feierlichkeiten abzuheben. Dabei achten wir auch hier auf die regionale Verbundenheit und die Gefühlswelt der erwarteten Besucher, ihre Erinnerungen, Hoffnungen und Träume.

Das Friedenfest bietet zur gleichen Zeit immer mehrere Angebote in ganz unterschiedlichem Ambiente – sei es eine Diskussionsrunde, eine Lesung, eine Filmvorführung oder eben das Programm auf der zentralen Bühne. Auf diese Weise fühlt sich niemand gegängelt, diesen oder jenen Programmpunkt als notwendiges Übel über sich ergehen zu lassen. Der Besucher kann ständig wählen – und begegnet doch immer wieder der linken Politik. In diesem Jahr ist es uns auch besser gelungen, die Interessen der Jugend im Programm zu berücksichtigen. Das war in den vergangenen Jahren eindeutig ein Schwachpunkt.

Ein Erfolgsfaktor für das Friedensfest ist zweifellos, dass es in jedem Jahr gelingt, prominente Künstler und Politiker nach Strausberg zu holen. Auf diese Weise versuchen wir, im Programmablauf sowohl am Beginn als auch am Ende einen entsprechenden Höhepunkt »einzubauen«. Das motiviert die Besucher, längere Zeit zu bleiben, weil man sich eben diese Programmpunkte nicht entgehen lassen will.

Mit Prominenz sind nicht nur bekannte Politiker der LINKEN gemeint, sondern ebenso Schauspieler, Schriftsteller oder andere, bei denen man wirklich nicht oft die Chance hat, ihnen hautnah zu begegnen. So ein »Zugpferd« war in diesem Jahr Gojko Mitic, in den Vorjahren waren das Gregor Gysi, Dagmar Enkelmann und Lothar Bisky. Dass es, um die nach Strausberg zu lotsen, großer Mühe und guter Kontakte bedarf, ist verständlich – der Aufwand lohnt sich aber.

Das Hauptziel des Friedensfestes ist natürlich, die Politik der LINKEN zu verbreiten und die Politikerinnen und Politiker aller Ebenen der LINKEN bekannt zu machen. Dabei ist die Art des Mandats nicht zwingend gleichzusetzen mit der Popularität eines Politikers. Hier hat das Friedensfest auch die Funktion übernommen, Politiker »aufzubauen« und zwar an der Seite bereits bekannter Mitglieder unserer Partei.

Die sorgfältige Auswahl ist schwierig und sollte nie einer Person allein überlassen werden. Vieles muss zueinander passen: das Thema, der Bekanntheitsgrad, die Terminlage sowie die Wünsche der Politiker selbst nach öffentlicher Darstellung. Das politische Programm richtet sich in den Schwerpunkten nach aktuellen Erfordernissen. So wird beim Friedensfest 2008 – bei aller Prominenz – die Kommunalpolitik im Vordergrund stehen, zumal dann im Herbst Kommunalwahlen sind.

Die Öffentlichkeitsarbeit ist das A und O des Friedensfestes. Der quasi immer feststehende Termin – der Samstag vor dem 1. September oder, wie in diesem Jahr, der 1. September selbst – sorgt schon dafür, dass das Fest von vornherein bei allen Akteuren in der Terminplanung berücksichtigt werden kann. In mehreren Schritten gibt es Informationen an die Presse und andere Multiplikatoren über den Stand der Vorbereitung, über feststehende politische Höhepunkte und kulturelle Höhepunkte. Persönlichen Einladungen, Steckaktion, Plakatierung, Vorberichterstattung und Annoncen folgen.

Das Friedensfest ist vor allem eine Sache der Mitglieder des Kreisverbandes Märkisch-Oderland (MOL) selbst. Nicht jeder, der mitmacht, muss dabei eine offizielle Funktion haben – Hauptsache, in der entsprechenden Arbeitsgruppe werden viele Ideen geboren, die man übrigens so manchen gar nicht zugetraut hat. Es ist wichtig, die Mitglieder selbst »machen« zu lassen, dass sie Spaß an der Politik haben und mit Einfallsreichtum streiten. Übrigens veranstaltet der Kreisverband MOL weitere ähnliche Feste, wenn auch etwas kleiner, mit dem Hoffest Seelow im Oderbruch sowie in Neuenhagen bei Berlin.

Denkbar wäre für die neue LINKE ein Fest in einem Rahmen, in dem sich alle Landesverbände der Partei präsentieren. Wir würden das gern mit organisieren. Das könnte auch eine Alternative zu den alljährlichen Festen zum Tag der deutschen Einheit sein. Links braucht eine eigene Kultur und eigene Lieder.

Ich lade alle bereits jetzt zum 18. Friedensfest am 30. August 2008 nach Strausberg ein.

Bernd Sachse ist Vorsitzender des Kreisverbandes Märkisch-Oderland.