Disput

... da zieht der Teufel die Fabrikglocke

Das Historische Museum in Wuppertal erinnert an die Frühindustrialisierung – und gleich nebenan an Friedrich Engels

Von Stefan Richter

»... schon graut der Morgen, da zieht der Teufel ... die Fabrikglocke. Und die Mutter schüttelt ihr Kind aus dem Schlafe. Schlaftrunken rafft es seine Lumpen zusammen und eilt in jedem Wetter aus der Wärme des nächtlichen Lagers in die neblichte, kalte Winterluft ... nur des Stockes des Aufsehers gedenkend und bemüht, der Strafe der Verspätung zu entgehen. Das Kind steht beim Aufgange der Sonne wieder da, wo es beim Untergange derselben stehenblieb; das Spinnrad läuft, die Spulen rasseln, die Fabrik ist im Gange.« Dieser Schilderung aus dem Jahr 1827 von F. A. W. Diesterweg, der Lehrer auch in Elberfeld war, begegnen wir im Museum für Frühindustrialisierung Wuppertal.

Barmen-Elberfeld, das heutige Wuppertal, galt seit dem ersten Drittel des 19. Jahrhunderts zu den größten Wirtschaftszentren des Deutschen Reiches (noch vor dem Ruhrgebiet!). Den Großteil der Belegschaften in den Textilfabriken stellten lange Zeit Kinder. Armut, fehlende Bildung und rücksichtslose Profitgier waren Gründe der ausbeuterischen Kinderarbeit.

Gleich neben dem Museum für Frühindustrialisierung, das vor 25 Jahren in einer ehemaligen Fabrik eröffnet wurde, wird gleich mehrfach an Friedrich Engels (1820-1895) erinnert. Ursprünglich gehörten seinem Elternhaus insgesamt fünf Wohnhäuser. Das älteste musste 1842 einem Eisenbahnbau weichen, von einem anderen sind noch Reste der Grundmauern (unterm Museumshof) erhalten, in einem weiteren Haus befindet sich seit 1970 das Engels-Museum mit einem Überblick über Leben und Wirken des Mitbegründers des wissenschaftlichen Sozialismus. Auf sein Geburtshaus, während des Zweiten Weltkrieges zerstört, verweist ein Gedenkstein im Park. In dem Park wurde 1981 das Engels-Denkmal eingeweiht, der Wiener Bildhauer Alfred Hrdlicka hat es geschaffen.

Zur Ausbildung nach England geschickt, sah sich Friedrich Engels mit der Situation der Industriearbeiter direkt konfrontiert. Darüber schrieb er 1845 in Barmen: »... mir war es um mehr zu tun als nur die abstrakte Kenntnis meines Gegenstandes ... Ich verzichtete auf die Gesellschaft und die Bankette, den Portwein und den Champagner der Mittelklasse und widmete meine Freistunden fast ausschließlich dem Verkehr mit einfachen Arbeitern; ich bin froh und stolz zugleich, so gehandelt zu haben.«

Historisches Zentrum: Museum für Frühindustrialisierung und Engels-Haus, Engelsstraße 10-18, Wuppertal, Telefon: 0202 - 563 64 98, historisches-zentrum@stadt.wuppertal.de