Disput

Stammtisch auf Reisen

Rems-Murr-Kreisverband: Wenn die Mitglieder nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen!

Von Gaby Grosse

Unser Kreisverband nordöstlich von Stuttgart hat 78 Mitglieder. Zehn sind unter 18 Jahre alt, der Älteste 68. Einige Mitglieder sind Rentner oder in der Altersteilzeit, andere sind arbeitslos, Seelsorger, Heilpädagoge, Angestellte und Arbeiter. Weitere 66 Menschen haben sich in unsere Interessentenliste eingetragen. Sie werden durch unser monatlich erscheinendes »Kreisblättle« regelmäßig über unsere Aktivitäten informiert und zu Veranstaltungen eingeladen. Einige sind schon Parteimitglied geworden.

Nach der Zusammenführung von WASG und PDS hatten wir schon mitunter Probleme mit den verschiedenen Strömungen. Für beide Teile war es in mancher Hinsicht schwierig, die unterschiedlichen Meinungen von Demokratie und Zusammenarbeit in eine Richtung zu lenken. Mittlerweile haben wir diese Kinderkrankheiten weitgehend hinter uns gelassen.

Um unseren Mitgliedern die Arbeit des Vorstandes näher zu bringen, halten wir jeden ersten Montag im Monat eine offene Vorstandssitzung ab. Am Anfang gab es im Vorstand Mitglieder, die sich der allgemeinen Meinung einfach angeschlossen haben. Das konnten wir überwinden, jetzt tut jeder seine Meinung kund und die Meinungen werden am Schluss demokratisch abgestimmt. Hauptsächlich unseren jüngeren Mitgliedern im Vorstand wurde dadurch auf die Sprünge geholfen, indem wir auch ihnen verantwortungsvolle Aufgaben übertrugen. Das war anfangs nicht selbstverständlich.

Viele unserer Mitglieder lernten wir erst kennen, als wir Anfang dieses Jahres einen monatlichen Stammtisch einführten. Den machen wir an wechselnden Orten, damit auch die Mitglieder und Interessierten, die zu unseren Versammlungen sonst einen weiteren Weg zurücklegen müssen, die Möglichkeit haben, den Vorstand und andere Genossen kennenzulernen. Das hat sich sehr positiv entwickelt. Einige uns bis dahin noch unbekannte Mitglieder konnten wir so bewegen, an Veranstaltungen, Info-Ständen oder bei der Verteilung von Flyern und Zeitungen teilzunehmen. Wenn die Mitglieder nicht zu uns kommen, müssen wir zu ihnen gehen!

Bei unseren regelmäßigen Info-Ständen im Kreis bekommen wir den Unmut der Bevölkerung über die ungerechte Politik und immer mehr Zuspruch für DIE LINKE zu hören. Unser Kreisverband ist eben nicht nur in Wahlkämpfen auf den Märkten und damit bürgernah zu erreichen, sondern das ganze Jahr hindurch.

Im Rems-Murr-Kreis gibt es drei große Kreisstädte: Backnang, Schorndorf und Waiblingen. In jeder dieser Städte haben wir es geschafft, Räume für Veranstaltungen zu bekommen. Das hat am Anfang einige Mühen gekostet. Jetzt können wir mitgliedernah Veranstaltungen machen. Die Mindestlohn-Kampagne sowie die Rentenkampagne sind für uns kein Problem mehr. Die Vorträge werden einfach mehrmals an verschiedenen Orten gehalten. Wir sind noch nicht zufrieden mit der Zahl der Gäste zu den Vorträgen und Veranstaltungen, aber wir sind zuversichtlich und geben nicht auf.

Im Herbst 2006 veranstalteten wir ein Grillfest für die Jugend. Die 14- bis 17-Jährigen fühlten sich wohl, und am Abend hatten wir zehn neue Mitglieder. Das war ein Riesenerfolg für uns. Einer von ihnen, mittlerweile 18jährig, überlegt, ob er zu den Gemeinderatswahlen im kommenden Jahr kandidieren will.

Am 12. Juli feierten wir in Buoch unser diesjähriges Sommerfest. Als Attraktion hatten wir die Gruppe Fildertüte engagiert, ein politisches Kabarett aus Waiblingen. Besonders freuten wir uns über Besuch aus den Kreisverbänden Esslingen, Stuttgart und Ludwigsburg.

Was tun wir noch? Ein Mitglied unseres Kreisverbandes sammelte ausgediente Computer und machte sie internetfähig. In den Schulen wird heute davon ausgegangen, dass jeder zu Hause einen Computer stehen hat. Mittlerweile können sich aber viele Menschen keinen mehr leisten. Deshalb verteilten wir die Geräte an Menschen, die in unserer Gesellschaft weniger begünstigt sind.

Selbstverständlich sieht man uns auch bei Streiks und Demonstrationen, wie gegen Rechts. Jeden Montag gibt es bei uns eine Telefon-Sprechstunde. Hauptsächliches Anliegen dabei sind Probleme mit den ARGEn. Viele Ratsuchende kommen vorbei und wir helfen dann, Widersprüche und Klagen zu formulieren. Ich sehe, wie vielen ein großer Stein vom Herzen fällt, vor allem auch, weil kaum einer weiß, was ihr oder ihm eigentlich zusteht und welche Rechte sie oder er hat.

Vor ein paar Wochen versandte der Vorstand einen Fragebogen an unsere Mitglieder und Interessenten. Wir wollten uns Anregungen holen, was wir machen können, um mehr zu aktivieren und zur Mitarbeit zu bewegen. Da sind wir an der Auswertung.

In unserer AG Betrieb & Gewerkschaft planen wir unsere Präsentationen und stellen die Vorträge zusammen. In der AG Kommunalwahl, deren Mitgliederzahl steigt, bereiten wir uns auf die kommenden Wahlen vor. Gleichzeitig besuchen wir die Kreistagssitzungen, das Regionalparlament und Gemeinderatsitzungen. Natürlich mit dem Button der LINKEN, so dass jeder erkennen kann: DIE LINKE ist auf dem Weg dorthin. Wir kommen!

Gaby Grosse ist Sprecherin des Kreisverbandes Rems-Murr.
www.die-linke-rems-murr.de