Disput

Wir nehmen noch Mitglieder auf!

Erfolgreiche Mitgliedergewinnung in Köln: Bald sollen es eintausend Genossinnen und Genossen sein

Unsere Partei gewinnt zurzeit viele neue Mitglieder. Ein bei der Mitgliederwerbung besonders erfolgreicher Kreisverband ist Köln. Im ersten Jahr der vereinigten LINKEN gewannen die Kölnerinnen und Kölner 352 neue Mitglieder hinzu, eine glatte Verdoppelung. Dafür wurden sie auf dem Parteitag in Cottbus ausgezeichnet. Zwischenzeitlich ist die Mitgliederzahl auf über 800 angewachsen. Was kann man aus dem Erfolg der Kölner Genossinnen und Genossen lernen? Das fragte »DISPUT«, und hier ist die Antwort von Angelika Link-Wilden, stellvertretend für die Kölner »Projektleitung Mitgliederwerbung«.

Die erste Erkenntnis lautet: Eine aktive Mitgliederwerbung ist tatsächlich notwendig und kann sehr viel bewirken. Das Universum der Nichtmitglieder unserer Partei kann man grob in folgende Gruppen aufteilen:

  • Menschen, die von ganz alleine ihren Weg zu uns finden. Nach der Vereinigung im Sommer 2007 waren das nicht wenige. Diese Leute brauchen keine aktive Mitgliederwerbung. Das sollte uns aber nicht zu falschen Schlussfolgerungen verleiten.
  • Menschen, die uns wählen und sich eine Mitgliedschaft unter Umständen vorstellen können. Die Erfahrung zeigt, dass diese Gruppe erheblich zahlreicher ist als die erste. Diese Leute stellen oft Fragen an die Inhalte unserer Politik. Vor allem aber wollen sie wissen, was es praktisch bedeutet, Parteimitglied zu sein. »Wollen die mich da überhaupt haben?«, »Hören die zu, wenn ich auch mal was sage?«, »Was sind das überhaupt für Leute? Will ich mit denen meine Freizeit verbringen?«. So oder so ähnlich klingen die oft unausgesprochenen Fragen, anhand derer wir als Partei zunächst mal geprüft werden, bevor sich Interessierte zum Beitritt entschließen.
  • Dann gibt es noch Leute, die uns wählen und aus verschiedenen Gründen auf keinen Fall Mitglied werden wollen. Die sollten wir nicht vor den Kopf stoßen, aber für die Mitgliederwerbung sind sie uninteressant.
  • Die letzte und größte Gruppe sind diejenigen, die uns nicht wählen und sich auch eine Mitgliedschaft keinesfalls vorstellen können. In dieser Gruppe sind viele Menschen, die wir als Partei in Zukunft auch erreichen wollen. Für die heutige Mitgliederwerbung sind sie aber uninteressant.

Zusammengefasst geht es also darum, die Leute, die sich eine Mitgliedschaft generell vorstellen können, aufzuspüren und mit ihnen in eine erfolgreiche Kommunikation zu treten. Und was wir in der Praxis nie vergessen dürfen: Es handelt sich um die Gruppe derjenigen, die aktiv zur Mitgliedschaft eingeladen werden möchten.

Die zweite Erkenntnis lautet: Unser wichtigster Werbeträger sind wir selbst, und die wichtigsten Werbemittel sind erstens das persönliche Gespräch, zweitens das persönliche Gespräch und drittens das persönliche Gespräch. All die schönen Druckmaterialien, Veranstaltungen, Infostände – ohne persönliches Gespräch spielt das alles keine große Rolle. Also müssen wir Wege finden, unseren Auftritt und unsere Veranstaltungen so zu gestalten, dass man miteinander ins Gespräch findet. Bodenzeitungsaktionen (was das ist, kann DISPUT vielleicht in einer späteren Ausgabe erklären), die zum Mitmachen einladen, bringen viel mehr gute Gespräche als der klassische Infostand, hinter dem man sich leicht verschanzen kann. Gesprächsorientierte, kleinere Veranstaltungsformate sind lohnend, ebenso Gesprächskreise mit Abgeordneten, Kino- oder Theaterabende oder gezielte kleinere Abend- oder Tagesveranstaltungen speziell für Interessierte. Gute Erfahrungen haben wir auch mit einer zweisprachigen Veranstaltung deutsch-türkisch gemacht.

Bei größeren Veranstaltungen kann nicht jeder zu Wort kommen. Aber man kann dazu einladen, anschließend noch bei einem Getränk in der Kneipe ins Gespräch zu kommen. Die Einladung dazu kann man sehr gut mit einem »Werbeblock« verbinden, etwa so: »Liebe Gäste, zum Schluss noch der Werbeblock in eigener Sache mit einer wichtigen Information. Unsere Partei ist angetreten, eine Wende zu sozialem Fortschritt in unserem Land durchzusetzen. Das ist ein großes Ziel, und wir sind eine junge, kleine Partei. Wir brauchen sehr viel Unterstützung, und wir brauchen ganz besonders Ihre Unterstützung! Die konsequenteste Form der Unterstützung ist die Mitgliedschaft, und die gute Nachricht lautet: Wir nehmen noch Mitglieder auf! Was ist das Schlimmste, was einem passieren kann, wenn man Mitglied bei der LINKEN wird? Ja, genau, man muss Beitrag zahlen. Aber das meine ich nicht. Nun, das Schlimmste, was einem passieren kann ist, dass es einem nicht gefällt! Und was macht man dann? Na dann tritt man eben wieder aus! Das kann man jederzeit. Also, es passiert gar nichts Schlimmes, und es ist doch so wichtig, diese Partei und ihr Projekt zu unterstützen. Beitrittsanmeldungen finden Sie auf dem Infotisch dort vorne. Und nun möchte ich alle, die zum ersten Mal bei einer Veranstaltung der LINKEN sind, einladen auf ein Kölsch oder sonstiges Getränk in der Kneipe XY gleich um die Ecke. Wir freuen uns darauf, das Gespräch mit Ihnen dort noch fortsetzen zu können.«

Nie vergessen: Die Leute in unserer Zielgruppe brauchen eine klare Ansage, dass gerade sie gebraucht werden. Wenn wir das vergessen, glauben die, wir bekommen es auch alleine hin.

Die dritte Erkenntnis lautet: Systematisches Vorgehen lohnt sich. Bei jedem öffentlichen Auftritt unserer Partei laden wir die Menschen, mit denen wir ins Gespräch kommen, dazu ein, uns eine Kontaktadresse – vorzugsweise die Emailadresse – zu hinterlassen, damit wir sie zu Veranstaltungen einladen können. Diese Kontaktadressen werden natürlich sorgsam gesammelt, und in Abständen erhalten die Interessierten von uns Einladungen. Wer heute schon was anderes vorhat, der kommt eben beim nächsten Mal. Wir bleiben jedenfalls am Ball.

Zum systematischen Vorgehen gehört auch, von Zeit zu Zeit mit einer großen, öffentlichkeitswirksamen Veranstaltung auf sich aufmerksam zu machen. In Köln war das eine Veranstaltung mit Gregor Gysi im Februar 2008, zu der 600 Menschen kamen. Für den 5. Dezember 2008 ist eine weitere Veranstaltung mit Oskar Lafontaine geplant, die vermutlich ähnlich gut besucht und von der örtlichen Presse registriert wird. Solche Ereignisse werden tüchtig beworben, und immer, immer, immer gehört die Telefonnummer unseres Büros und die Website www.die-linke-koeln.de auf die Materialien. Womit wir bei der Website sind. Tatsächlich gingen im Umfeld der Gysi-Veranstaltung die Besucherzahlen der Website schlagartig in die Höhe. Das zeigt: In der Verknüpfung der Medien liegt im Internetzeitalter ein Schlüssel zum Erfolg. Auf der Website finden sich auch die Termine aller von Gliederungen des Kreisverbandes angebotenen Veranstaltungen. Website und das Internet lassen noch Phantasie für zukünftige Angebote, mehr Interaktivität im Web oder einen eigenen Email-Newsletter. Nicht nur für kleinere Kreisverbände wäre es sicher zweckmäßig, wenn unsere Parteizentrale, die ja einen guten Newsletter produziert, sich mal was überlegt, wie sie die Kreisverbände bei so etwas infrastrukturell unterstützen kann.

Eine vierte Erfahrung: Die Mitgliederwerbung eignet sich sehr gut für Projektarbeit. In Köln jedenfalls wurde eine Projektgruppe beauftragt, die Aktivitäten der Partei zu organisieren und zu koordinieren. Wie muss man sich das vorstellen? Das von der Mitgliederversammlung im März 2007 beschlossene, mehrfach bekräftigte Projektziel lautet: Wir wollen eintausend Mitglieder werden in Köln. Zum Zeitpunkt des Beschlusses waren wir 350. Die Zahl 1.000 ergab sich durch Vergleich mit der WählerInnen/Mitglieder-Quote anderer Parteien in Köln auf der Basis des Wahlergebnisses von 2005. Der Kreisvorstand setzte eine Projektleitung ein. Jedes Mitglied im Kreisverband kann mitarbeiten, und es sind oft an die 20 Genossinnen und Genossen, die zu den Treffen kommen. Die Planung wird von der Projektgruppe selbständig erarbeitet und umgesetzt. Die wichtigsten Vorhaben werden regelmäßig der Mitgliederversammlung vorgelegt und mit dem Vorstand abgestimmt. Die Projektgruppe verfügt über ein vom Vorstand bereitgestelltes Budget. So kann sie, unabhängig vom Rhythmus des Sitzungssozialismus des Vorstandes, schnell und zielstrebig agieren. So macht Politik Spaß!

Trotzdem verstehen wir Mitgliederwerbung als Aufgabe der gesamten Partei. Nur weil alle Gliederungen und viele, viele Mitglieder sich persönlich für die Mitgliederwerbung engagierten und engagieren, konnten wir die guten Ergebnisse in Köln erzielen. Die Projektgruppe hat die Aufgabe, der ganzen Partei in Köln konzeptionell und organisatorisch zuzuarbeiten, nicht aber, den Job alleine zu machen.

2009 wollen wir die von den Wahlkämpfen ausgehende Politisierung konsequent auch für die Mitgliederwerbung nutzen. Gerade wurde das Parteifahrzeug vom Fabrikat »Ape« zum roten Suppenmobil nach niederländischem Vorbild umgebaut. Damit werden wir in Zukunft an den Brennpunkten sozialer und politischer Kämpfe, bei Streiks und Demos auftauchen und Suppe ausschenken – natürlich tiefrote Tomatensuppe. Mit dieser Art Sympathiewerbung haben die Niederländer supergute Erfahrungen gemacht, und das wollen wir kopieren. Sehr gut sind wir in Köln bei der Zielgruppe der Hartz-IV-Empfänger/innen. Im Kreisverband hat sich eine eigenständige Projektgruppe Hartz IV gegründet, die hervorragende Arbeit leistet.

Eine Anzahl namhafter Kölner Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter sind inzwischen Mitglieder unserer Partei. Auch in den türkischen bzw. kurdischen Migrantengemeinschaften sind wir gut vertreten. Eine Schwachstelle ist noch die geringe Mitgliederzahl unserer Jugendorganisation und ganz besonders der Hochschulgruppe. Und das in einer großen Universitätsstadt mit mehr als 80.000 Studis. Die gravierendste Schwachstelle, wie überall in Nordrhein-Westfalen, ist der geringe Frauenanteil. Wie kann man das ändern? Die Lösung hat bisher niemand gefunden.

Es bleibt also noch einiges zu tun, und wir werden sehen, wie es mit der Mitgliederwerbearbeit in Köln weitergeht, wenn das große Ziel »1.000« voraussichtlich im nächsten Jahr erreicht sein wird.

Infos und Materialien zu den angesprochenen Aktionen stellen wir gerne zum Nachmachen zur Verfügung, und Nachfragen beantworten wir auch. projektleitung.mw.koeln@email.de