Disput

Geschmunzelt

André Hahn, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im sächsischen Landtag, beim Politischen Aschermittwoch in Chemnitz

Früher war es mir ein wenig peinlich, aber heute kann ich mich ja mal outen: Was viele nicht wissen, ist dennoch wahr: Es waren nicht die Bremer Genossen, der erste PDS-Mann in einem westdeutschen Landtag war ich, und das dann auch noch in Bayern!

Wie es dazu kam? Der »Sachsenring«-Untersuchungsausschuss, dessen Vorsitzender ich war, musste 2003 einen wichtigen Zeugen vernehmen, der in der Nähe von München wohnte, aber aus gesundheitlichen Gründen nicht über längere Strecken transportfähig war. Also beschloss der Ausschuss, den Mann im Bayerischen Landtag zu befragen. Das Ganze fand im historischen Saal des dortigen Landtagspräsidiums statt. Der Landtagsdirektor begrüßte uns überaus freundlich, die Verwaltung stellte die Stenografen und die Technik bereit und hinterher wurden wir zu einer zünftigen Weißwurst eingeladen. Als ich mich nach erledigter Arbeit bei den Gastgebern bedankte, kam irgendjemand auf die Idee, mich zu fragen, von welcher Partei ich denn eigentlich sei. Nach meiner wahrheitsgemäßen Antwort herrschte plötzlich absolute Stille im Raum, einigen blieb wohl auch die Weißwurst im Hals stecken.

Doch die offenkundig CSU-nahen Beamten konnten die Sache nicht mehr rückgängig machen. Das scheinbar Unglaubliche war bereits geschehen. Ein PDS-Abgeordneter in offizieller Mission im heiligen Maximilianeum. Das war natürlich noch nicht der Durchbruch, aber zumindest ein kleiner Anfang, und außerdem ist es – wie ich finde – eine nette Anekdote.

Die Bayern sind also nicht gänzlich unvorbereitet, wenn im Herbst weitere dunkelrote Abgeordnete folgen sollten. Die schwachbrüstige bayerische SPD braucht dringend unsere Unterstützung. Herr Beckstein, wir kommen! Darauf sollten wir uns schon jetzt einen Schluck genehmigen.