Disput

»Wir haben immer etwas zu sagen!«

Rückblick in Recklinghausen: Erst haben wir den Kreisverband gebildet und dann zehn Stadtverbände

Von Ingo Boxhammer

Am 19. August 2007 wurde der Kreisverband Recklinghausen gegründet – am 22. November 2007 »stand« der letzte Stadtverband. Zu unserem Kreisgebiet gehören Castrop-Rauxel, Datteln, Dorsten, Gladbeck, Haltern, Herten, Marl, Oer-Erkenschwick, Recklinghausen und Waltrop. In allen zehn Städten sind wir bereits unmittelbar nach der Gründung mit Infoständen an die Öffentlichkeit gegangen. Die Zeitschrift »Klar« und die anderen zentralen Materialien, ergänzt durch lokale Flugzettel, waren dabei eine große Hilfe. Mal wandten wir uns gegen den Bundeswehreinsatz in Afghanistan, mal öffneten wir einen Glühweinstand mit dem Motto »Heißes gegen die soziale Kälte«. Mindestens einmal im Monat wollen sich alle Stadtverbände in der Öffentlichkeit zeigen.

Unsere Aktivitäten sind vielfältig. Dabei haben wir die Vorbereitung der Kommunalwahl 2009 in Nordrhein-Westfalen im Blick, zum Beispiel die Entwicklung eines Wahl- und Aktionsprogramms. Gegenwärtig unterstützen wir die Genossen in Niedersachsen bei der Bewältigung ihres Landtagswahlkampfes.

Wie ist diese, wie wir meinen, positive Entwicklung zu erklären? Zum einen ist die Euphorie, die mit dem Gründungsparteitag in Berlin begann, noch nicht verflogen. Die herausragende Veranstaltung in Castrop-Rauxel mit mehreren hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmern mit Oskar Lafontaine gleich eine Woche nach dem Gründungsparteitag und ihr enormes Medienecho taten uns auch in der Mitgliederwerbung sehr gut. (DISPUT hatte darüber berichtet.) Oskar »verlangte« von uns in Castrop-Rauxel vier Neumitglieder, wenn er käme. – Tatsächlich konnten wir die Mitgliederzahlen verdoppeln. Wir waren mal 22, jetzt sind wir fast 50 Mitglieder!

Zum anderen ist die positive Entwicklung auch unserer wirklich bemerkenswerten Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu verdanken. Die organisatorische Unterstützung der Initiative »Rock gegen Rechts« und der Regionaltag unserer hiesigen Bundestagsabgeordneten, verbunden mit den kommunalen und bundespolitischen Themen, sorgten dafür, dass wir im Gespräch blieben. Die Herausgabe von Bürgerzeitungen und Briefen in zum Teil beträchtlichen Auflagen (500 bis 10.000 Exemplare) ermöglichte es uns, unsere Initiativen und Aktionen gegen die Agenda 2010 und die unsägliche Sozialabbau-Politik von SPD/CDU/FDP/GRÜNE an die Frau bzw. den Mann zu bringen. Finanziert werden die Bürgerzeitungen durch Spenden, denn unsere »Schatz«meister haben eigentlich nicht eine Spur von Schatz zu verwalten. Die Aufträge und Kämpfe in den Kommunalparlamenten (da, wo wir bereits durch Mandatsträger der früheren Linkspartei.PDS vertreten sind) begleiten wir mit intensiver Pressearbeit. Unser Ziel heißt: »Wir haben immer etwas zu sagen!« – Einmal wöchentlich wollen wir in der Lokalzeitung stehen. Denn ein Artikel, das sind Zehntausende von Flugblättern, die wir nicht mehr verteilen müssen.

Übrigens hat die Bremen-Wahl sehr viel dazu beigetragen, das Engagement unserer aktiven Mitglieder gleichbleibend hoch zu halten und sogar noch zu verstärken.

Und noch eine Tendenz ist erkennbar: Ehemalige WASG-Mitglieder, die mit der Vereinigung nicht einverstanden waren, kommen zurück. Also, es lohnt sich, auch mit diesen Mitstreitern das Gespräch zu suchen. Sie haben nach meiner Wahrnehmung längst erkannt, dass es zur Partei DIE LINKE keine Alternative gibt.

Ein Problem haben wir allerdings, das wir aus eigener Kraft zur Zeit nicht lösen können. Es fehlt an allen Ecken und Enden an einer »Grundausstattung« der Stadtverbände. Zum Teil ist nicht einmal ein Partei-Schirm vorhanden. Wir leihen uns diese Dinge gegenseitig aus (die Entfernung zwischen den Städten beträgt in unserem Kreis bis zu 50 Kilometer) und nutzen auch private Tapeziertische. Ein einheitliches und professionelles Erscheinungsbild der Partei ermöglicht das gerade nicht. Aber wir hoffen, dass unsere »Bettelbriefe« irgendwo Erfolg zeigen.

Wir lassen uns durch kleine Hemmnisse nicht entmutigen und rufen den Bürgerinnen und Bürgern weiter zu: Rot sehen kann jeder – Wählen Sie mal Rot – DIE LINKE!

Ingo Boxhammer ist Sprecher im Kreisverband Recklinghausen. boxhammer-famt-sv@online.de