Disput

Jörg Dittberner

42 Jahre, verheiratet, zwei Kinder. Lebt in Prenzlau im Nordosten Brandenburgs. Studienrat für Deutsch, Geschichte und Politische Bildung. Seit 2005 Mitglied der Partei. Stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Uckermark, Redakteur von »LinksrUM« und seit 2003 Fraktionsvorsitzender in Prenzlau.

Was hat Dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
... wie plötzlich die Regierungsparteien ihre soziale Ader entdeckt haben, als sie ihren Armutsbericht, ihr eigenes Armutszeugnis, vor Augen hatten. Plötzlich ist alles möglich und machbar, wofür wir LINKEN seit Jahren streiten. Aber eben von SPD und CDU »erfunden«.

Was ist für Dich links?
Der Fleck, wo mein Herz schlägt, meine Überzeugung sitzt und wo ich mich engagieren möchte. Sozial, gerecht und ehrlich.

Worin siehst Du Deine größte Schwäche, worin Deine größte Stärke?
Schwächen zu finden ist leicht: ungeduldig, zweckoptimistisch, mitunter nicht konsequent genug, und ich rede zu viel. Zudem steigere ich mich in gewisse Dinge zu sehr hinein.
Stärken zu finden ist schon schwieriger: vorausplanend, ehrlich, kann zuhören, realistisch. Ich glaube, natürlich zu sein.

Was war Dein erster Berufswunsch?
Lokomotivführer auf der BR 01, dann Tierarzt und seit der 5. Klasse (!) Lehrer. Und das bin ich geworden.

Wenn Du Parteivorsitzender wärst ...
... wäre ich am falschen Platz. Ich bin gern bereit, mit anderen gemeinsam in der Partei etwas zu bewegen, aber immer im Rampenlicht stehen, für andere immer den Kopf hinhalten müssen, möchte ich nicht. Ich glaube, dass wir durchaus einen guten Parteivorsitz haben …

Was regt Dich auf?
Wenn Menschen anderen nicht zuhören und nur ihre persönlichen Dinge bewegt sehen wollen.

Wovon träumst Du?
Von einer konstruktiven Harmonie in der Prenzlauer Stadtverordnetenversammlung. Und von einem deutlichen Handlungsauftrag der Bürger für DIE LINKE sowohl in den Kommunalwahlen 2008 als auch nach den Landtagswahlen 2009. Vielleicht klappt es ja mit der Regierungsbeteiligung. Manchmal träume ich auch davon, an anderer Stelle in der Partei mich verwirklichen zu können.

Möchtest Du anders sein, als Du bist?
Manchmal schon. Ich wünschte mir, manchmal meine Meinung auch offen sagen zu können. Leider sind wir davon so weit entfernt wie nie.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Es sollte Menschen geben, mit denen sich andere identifizieren können. Aber Helden und Vorbilder haben für mich etwas Überholtes. Traditionen wahren, Menschen ehren – ja! Aber nicht zum Selbstzweck.

Wo möchtest Du am liebsten leben?
Hier in der Uckermark, obwohl ich gebürtiger Dresdner bin und diese Stadt liebe. Aber der schönste Fleck ist für mich Jena.

Mit wem lachst Du besonders gern?
Mit meiner Familie, meinen Kindern, meinen Freunden. Der Grund ist egal, manchmal reicht ein komischer Blick, ein gut platziertes Wort am Frühstückstisch.

Was bringt Dich zum Weinen?
Eine rührselige Filmszene, Schmerz, manche Ergebnisse meiner Schüler …

Wie lautet Dein Lebensmotto?
»Die Geschichte ist der beste Lehrmeister mit den unaufmerksamsten Schülern« ebenso wie Kants Definition von der Aufklärung.