Disput

Keine Floskel: Ich werde gebraucht

Gekommen, um zu bleiben. Inga Brathje ist seit einem Jahr Mitglied der Partei

Inga, du wurdest mit der Gründung der Partei DIE LINKE Mitglied. Warum?
Ich wollte nicht mehr tatenlos zusehen, wie unser Leben immer mehr in die soziale Ungerechtigkeit abrutscht. Und da DIE LINKE die einzige Partei ist, die sich noch für soziale Gerechtigkeit und ein menschenwürdiges Leben einsetzt, bin ich eingetreten. Des Weiteren muss was gegen die Rechten unternommen werden, ich kann da nicht wegsehen. Wichtig ist mir, mich mit ihren Argumenten auseinanderzusetzen, das ist auch eine wichtige Aufgabe der Partei. Wir müssen gesellschaftliche Lösungsvorschläge entwickeln, die die Menschen akzeptieren und mit uns gemeinsam umsetzen.

Wieso kann soziale Gerechtigkeit am besten mit der LINKEN umgesetzt werden?
Ziel für mich ist, die sozialen Probleme in meiner Stadt in Angriff zu nehmen, indem ich an bestimmten Projekten mitarbeite. Durch meine Arbeit im Stadtvorstand kann ich auf soziale Probleme aufmerksam machen. Wichtig ist für mich ebenfalls die Zusammenarbeit mit unserer Fraktion im Stadtrat. Damit ist für mich ein wichtiger Grundsatz gesichert: Hilfe und Engagement müssen immer vor Ort und konkret stattfinden.

Gut, dann werden wir mal konkreter. Du hast Dich mit Ideen und Einsatz für den Mindestlohn engagiert. Wird es auch in Zukunft ein Schwerpunktthema sein?

Ja, denn die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohnes hat für alle gesellschaftlichen Bereiche politische Bedeutung. Das fängt bei der Kinderbetreuung an, über unseren Lebensstandard, die Einwicklung der Rente bis hin zur Kaufkraft. Hier in Sachsen-Anhalt gibt es ein Landesbündnis, in dem mehrere Parteien, Bündnisse und Gewerkschaften mitwirken. Das ist etwas Besonderes, das es – soweit ich weiß – in keinem anderen Bundesland gibt. Mein Mitwirken bei diesem Thema passt also sprichwörtlich wie der Deckel auf den Topf.

Warum?
Ich bin ein »Unruhgeist«, bin immer in Aktion, und hier habe ich Möglichkeiten, mich »auszutoben«, indem ich Ideen einbringe und Aktionselemente gestalten kann, zum Beispiel eine Mindestlohnwand mit Informationen zu diesem Thema. Wir machen auch Aktionen vor Ort, so hatten wir einen Hometrainer, auf dem wir auf öffentlichen Plätzen Bürgerinnen und Bürger aufgefordert haben, für acht Euro Mindestlohn zu strampeln.

Du bist ja nicht nur von der Dauer der Mitgliedschaft, sondern auch von Deinem Alter ein jüngeres Mitglied. Wie kommst Du denn mit der altersmäßigen Zusammensetzung in unserer Partei zurecht?
Ich kann meine Ideen und die Erfahrungen der älteren Mitglieder gut kombinieren. Die Lebenserfahrung der Älteren und das Engagement von uns Jüngeren ist eigentlich die beste Mischung, um etwas zu bewirken. Mir fällt dazu ein Satz von Gregor Gysi ein: Wir haben nicht zu viele Alte in der Partei, sondern zu wenige Junge. Das zeigt, wie wichtig es ist, sich als junger Mensch in der Partei zu engagieren. Ich werde als junger Mensch gebraucht, und das ist keine Floskel.
Zum Beispiel im Jungendwahlkampfteam in der Oberbürgermeisterwahl. Das war genau nach meinem Geschmack und hat viel Spaß gemacht. Wir haben viele Aktionen vor Schulen durchgeführt. Unser besonderes Highlight war die Aktion »Magdeburg zum Erleuchten bringen«. Da bauten wir abends in der Innenstadt an einem beliebten Jugendtreffpunkt unsere Infostände auf und machten mit einem Fakir und Feuerspucker auf uns und unsere politischen Materialien aufmerksam. Ziel war es, Jung- und Erstwähler anzuregen, wählen zu gehen.

Da scheinen sich ja zwei gesucht und gefunden zu haben: Inga und DIE LINKE. Was spielte für Dich die größte Rolle bei diesem Finden?
Dass ich so akzeptiert wurde, wie ich bin. Meine Ideen waren und sind ausdrücklich gefragt. Diesen Eindruck hatte ich schon bei meinem ersten Gespräch. Natürlich können meine Ideen nicht immer eins zu eins umgesetzt werden, aber zum Leben in einer Partei gehören Kompromisse. Und meine persönlichen Ideen und die vorhandenen Strukturen der Partei sind im guten Einklang. Die Partei öffnet sich für uns (ganz, ganz wichtig!), man bleibt selbstständig und ist wieder erkennbar. Dies ist ein gegenseitiger und ständiger Prozess.

Inga Brathje, 29 Jahre, trat am 16. Juni 2007 – am Gründungstag – in die Partei DIE LINKE ein und gehört dem Stadtvorstand Magdeburg an.

Interview: Günter Schwab