Disput

Luise Krüger

Eben 70 geworden, lebt in Gadebusch. Zwei Söhne. 40 Jahre voll berufstätig bis zur Rente vor zehn Jahren, Diplomagrarökonom. In der Kommunalpolitik seit 1990. Fraktionsvorsitzende im Kreistag Nordwestmecklenburg, Stadtpräsidentin in Gadebusch. Gestaltete den Weg von der SED 1989 zur PDS und der LINKEN aktiv mit.

Was hat Dich in letzter Zeit am meisten überrascht?
Durch eine Reise Weihnachten 2007 nach Hongkong und Shenzhen (Südchina; mein Sohn arbeitet dort) habe ich erfahren, wie gut es uns geht, wie gut unsere Wohnverhältnisse sind. Gejammert wird in Deutschland auf hohem Niveau, vor allem von Menschen, denen es doch gut geht.

Was ist für Dich links?
Sich für Menschen einzusetzen, die Hilfe brauchen. Für sie Politik zu machen und die Vision zu haben, dass eine gerechtere solidarische Gesellschaft möglich sein muss.

Worin siehst Du Deine größte Schwäche, worin Deine größte Stärke?

Schwäche: zuviel selber machen zu wollen.
Stärke: andere wichtiger zu nehmen als mich selbst.

Was war Dein erster Berufswunsch?
Säuglingsschwester

Wie sieht Arbeit aus, die Dich zufrieden macht?
Erfolge zu erzielen, macht zufrieden. Das sind in der Kommunalpolitik oft nur kleine Sachen, aber Kahlschlag im sozialen und kulturellen Bereich verhindert zu haben, das macht zufrieden.

Wenn Du Parteivorsitzende wärst ... 

... nur, wenn ich die Begabung für Politik von Gregor Gysi hätte.

Was regt Dich auf?
Dummheit gepaart mit Arroganz.

Wann und wie hast Du unlängst Solidarität gespürt?
Bei den vielen Hilfsangeboten für meinen bevorstehenden Umzug.

Wovon träumst Du?
Dass ich es doch noch erlebe, Großmutter zu werden.

Wofür gibst Du gerne Geld aus?
Für Bücher, eine schöne Wohnung, Kosmetik und Spenden.

Möchtest Du anders sein, als Du bist?
Manchmal wünsche ich mir mehr Geduld bei der Umsetzung meiner vielen Ideen und Nachsicht, wenn ich meine Maßstäbe auch bei anderen anlege.

Müssen Helden und Vorbilder sein?
Helden müssen nicht sein, die Vorbilder haben sich im Laufe des Lebens gewandelt. Heute beeindrucken mich Menschen, die bis ins hohe Alter geistig fit sind.

Wo möchtest Du am liebsten leben?
Als Plattsnakerin natürlich in Mecklenburg und in Gadebusch.

Worüber lachst Du besonders gern?
Über das verquaste Deutsch, das im Fernsehen gesprochen wird.

Wovor hast Du Angst?
Vor geistigem und körperlichem Verfall, der mich treffen könnte.

Wie lautet Dein Lebensmotto?

Die elfte Feuerbachthese: »Die Philosophen haben die Welt nur verschieden interpretiert, es kommt aber darauf an, sie zu verändern.«