Disput

Umweltpfleger und Pazifist

Kurt Kretschmann hatte nicht nur die Idee für die Naturschutz-Eule. Ein Verein in Bad Freienwalde (Brandenburg) tut viel, um sein Lebenswerk fortzuführen

Von Brigitte Holm

Etwas mitgenommen schien sie schon nach dieser Nacht. Sybille Knospe hatte eine Gruppe von Heranwachsenden betreut. Die Nacht zuvor war diese Aufgabe Kerstin Götter zugefallen. Einen Sack Flöhe zu hüten ist gar nichts dagegen. Aber irgendwann fanden doch alle in den Schlaf. Die Jungen in einem Zelt und die Mädchen auf einem Heulager. Für die Acht- bis Zwölfjährigen eine ganz neue Erfahrung, die sie während eines Jugendlagers im Haus der Naturpflege in Bad Freienwalde (nahe der polnischen Grenze) machten. Für das Haus war das Sommercamp ebenfalls eine Premiere und eine weitere Möglichkeit, junge Leute für die Natur und den Umweltschutz zu sensibilisieren.

Seit 15 Jahren wird das Haus mit seinem parkähnlichen Garten von einem Verein betrieben. Er entstand eigens, um den Bestand der Einrichtung zu sichern. Sybille Knospe, pensionierte Biologielehrerin, und Kerstin Götter, studierte Landwirtin, können sich gut daran erinnern. Die eine ist heute die Vereinsvorsitzende, die andere die Geschäftsführerin.

Wer früher nach Bad Freienwalde ins Haus der Naturpflege kam, tat es oft, um Erna und Kurt Kretschmann zu treffen. Beide haben sich bis zu ihrem Tode um den Naturschutz in der DDR und dann im vereinten Deutschland verdient gemacht.

Wer heute nach Bad Freienwalde kommt, kann auf viele Zeugnisse ihres Lebens treffen. Erna und Kurt sind all gegenwärtig auf dem großen Gelände mit seinen verschiedenen Bauten. Schon hoch betagt hatten sie Anteil an diesem, ihrem Projekt genommen. Wohl auch ihrer Autorität ist es zu danken, dass es öffentliche Gelder für den Unterhalt des Areals gab und gibt.

Die Geschichte des Hauses hat eine Vorgeschichte. Sie beginnt in der Jugend von Kurt Kretschmann, der 1914 in Berlin geboren wurde. Er hatte sich nicht nur dem Naturschutz verschrieben, sondern war zudem Pazifist und Vegetarier.

Nach Volksschule und Schneiderlehre arbeitete er in einer Bekleidungsfirma. Eine Schinderei wie in allen kapitalistischen Betrieben, schrieb er später. So kreisten seine Gedanken darum, einen anderen Weg zu gehen. Ja, wenn er seine Ausgaben für Ernährung von wöchentlich 14 Mark halbieren könnte … 1931 begann er mit einem Experiment. Er wollte prüfen, welchen Einfluss ein oder zwei Obsttage in der Woche auf sein Arbeitsvermögen haben. Später stellte er in einer kleinen Schrift fest: »Ich fühlte mich dabei sehr gut.« Ausführlich beschrieb er seinen Speiseplan und wie er günstig zu fleischlosen Lebensmitteln kam. So konnte er sich für drei bis 3,50 Mark in der Woche ernähren. Jeden Pfennig legte er für den geplanten Ausstieg aus dem bisherigen Leben zurück. 500 Mark sollten ausreichen. Einem Freund waren in der Nähe von Bernau, in Rüdnitz, eine Laube und 20 Bienenvölker zugefallen. Doch der Neuanfang dort kam früher als vorgesehen.

Als 1933 der jüdische Besitzer der Bekleidungsfirma genötigt wurde, Uniformen zu produzieren, hatte Kretschmann erst 300 Mark zusammen. Trotzdem kündigte er und wurde mit seinem Freund zum Randberliner. Aus dieser Zeit rühren erste Versuche beim Anbau von Gemüse, überhaupt sein Interesse für alles, was grünt und blüht, was kreucht und fleucht. Doch 1936 musste Kretschmann für fünf Monate zum Militär. Eine schlimme Zeit für den Kriegsgegner. Danach ging er auf Wanderschaft, mehr als zehntausend Kilometer durch Deutschland, die Schweiz und Italien. Neun Kilo wog seine Ausrüstung, ernährt hat er sich vorwiegend von Rohkost. Die Begegnungen mit der Natur sollten prägend für sein weiteres Leben werden. Aber vorerst musste er in den Krieg; dorthin, wo er besonders gnadenlos tobte. In der Sowjetunion nahm er an drei Winterfeldzügen teil.

Die Erlebnisse schrieb er sich 1947/48 von der Seele. Er war auf eine Kiste mit Kriegsliteratur gestoßen. Autoren wie Ernst Jünger, Walter Flex oder Alfred Rosenberg veranlassten ihn, seine Wahrheiten gegen deren Lügen zu setzen. Es brauchte Jahrzehnte, bis das Buch »Lüge und Wahrheit« im Jahr 2003 erschien. Weder in Ost- noch in Westdeutschland waren Pazifisten sonderlich geschätzt.

In den letzten Kriegsmonaten hing – wie bei allen Soldaten – sein Leben stets am seidenen Faden. Hinzu kam ein Todesurteil, das durch turbulente Umstände nicht vollstreckt wurde, schließlich seine Desertion und 63 Tage Aufenthalt in einem Erdloch bei teilweise starkem Frost. Das spielte sich in Bad Freienwalde ab, wohin es Erna verschlagen hatte. Mit ihr war Kretschmann seit 1942 verheiratet. Die Eheschließung erfolgte per Ferntrauung, im Volksmund »Stahlhelmtrauung« genannt, denn auf dem Stuhl neben der Braut befand sich – statt des Bräutigams – ein Stahlhelm.

Von dieser traurigen Hochzeit weiß Christel Scheinert, die Tochter von Erna, zu berichten. Drei Jahre war sie damals und kennt die Geschichte aus Erzählungen. Ganz gegenwärtig ist ihr das Leben im Blockhaus. Nach kurzer sowjetischer Kriegsgefangenschaft war Kurt Kretschmann nach Bad Freienwalde zurückgekehrt. Als erster Neubau im Kreis überhaupt entstand mit Hilfe von Freunden das Blockhaus für seine Familie. Der Plan dafür muss ihm lange durch den Kopf gegangen sein. Jeder Zentimeter des kleinen Holzgebäudes wurde genutzt. Regale über den Fenstern, Schiebeschränke mit beachtlichem Stauraum. Für vier Personen (Erna hatte einen Sohn mit in die Ehe gebracht) kommt einem dennoch heutzutage alles recht klein vor. Christel kann sich aber nicht erinnern, Enge empfunden zu haben. Ohnehin hielten sich früher die Kinder viel mehr draußen auf; Fernseher und Computer gab es ja damals nicht. Die Wippe und die Schaukel bei der Eiche lockten auch die Kinder aus der Nachbarschaft an. Und dann war da die Veranda mit dem großen Tisch, wo man gern mit Gästen saß.

Christel Scheinert wusste frühzeitig: Sie wollte einmal im Forst oder im Gartenbau arbeiten. Da musste »Kutti«, wie sie den Vater in ihren Erzählungen nennt, gar keinen Druck ausüben (und sie glaubt nicht, dass er es getan hätte). Mit 14 Jahren begann sie eine Lehre als Gärtnerin. Ihr älterer Bruder lernte in der Forstwirtschaft.

Von klein auf haben die Kinder miterlebt, wie aus dem hügeligen Gelände das wurde, was es bis heute ist: ein Schau- und Lehrgarten. Über tausend zum Teil seltene Pflanzenarten wachsen hier, etliche in den Jahrzehnten zu respektablen Exemplaren geworden. Frühzeitig haben Kretschmanns den damals privaten Garten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Anfang der achtziger Jahre wurde er zur staatlichen Einrichtung, finanziert von der Stadt und vom Rat des Kreises. Das zu erreichen, kostete viel Überzeugungsarbeit. Sogar ein sowjetischer Offizier soll sich bei der SED-Kreisleitung dafür eingesetzt haben. Schon 1964 hatte Kurt Kretschmann in einem Brief an den 1. Sekretär der SED-Bezirksleitung beklagt, dass man diese Arbeit ganz offensichtlich als privates Vergnügen betrachte.

Das Blockhaus ist seit 1996 ein Museum. Dafür steuerten Erna und Kurt das Geld bei, das sie bei ihrer Auszeichnung mit dem Europäischen Umweltpreis erhalten hatten. Für viele Gäste des Museums sind zunächst der Bau und die Einrichtung interessant. Wer sich die ausgelegten Dokumente vornimmt, hat einen weiteren Erkenntnisgewinn. So sind alle Unterlagen eines Kreises zum Naturschutz zusammengestellt: Karten zu den Tier- und Pflanzenarten, zu Alleen, Hecken, Quellen. Anfang der 50er Jahre war Kretschmann Kreisbeauftragter für den Naturschutz im Kreis Oberbarnim. Mit dem Rad oder zu Fuß durchquerte er den Kreis mit über hundert Dörfern und fünf Städten. »Ich wollte wissen: wo lebt der Dachs oder der Eisvogel, wo steht eine Wildbirne und wo gibt es noch die heimischen Orchideen«, erinnerte er sich.

Akribisch festgehalten auf einer Karte hat er auch »Einsprüche des Naturschutzes«: Eingriffe mit geringeren Schäden, Eingriffe mit großen Schäden, Verunstaltungen, zerstörte Alleen, wilde Müllplätze … Kretschmanns geliebte Störche haben ebenfalls ihren Platz im Museum. 1978 hatte er den Arbeitskreis zum Schutz der Weißstörche ins Leben gerufen und so dazu beigetragen, dass der Storchenhof in Loburg (Sachsen-Anhalt) bis heute weltweit anerkannt ist.

Berühmt gemacht hat ihn aber nicht der Storch, sondern die Eule. Sie war als »Totenvogel« verschrien und bedurfte bereits damals des Schutzes. Als die Idee aufkam, die neu festgelegten Naturdenkmäler zu kennzeichnen, führte das zu Diskussionen, wie solch ein Symbol aussehen könnte. Kurt plädierte für die Waldohreule. In seinen Erinnerungen heißt es dazu: »Das Eulenschild sollte schön sein, zur Nachdenklichkeit anregen und den Schutz dieser Tierart verstärken.« Einer seiner Mitstreiter machte einen Entwurf, ein anderer die Reinzeichnung, und so entstand die Eule; fast so, wie wir sie heute noch als Zeichen für den Naturschutz kennen. Anfang der 90er Jahre wurde sie zum gesamtdeutschen Symbol.

Doch zu dem, was Kurt und Erna Kretschmann hinterlassen haben, gehören weit mehr als die Eule und der Lehrgarten. Artikel, Vorträge, Konzepte und ganz praktische Hinweise sowie Briefe nehmen gut zehn Regalmeter ein. In den letzten Monaten hat sich Gebhard Schultz damit befasst. Der Politikwissenschaftler archivierte die Dokumente und bereitete sie für eine Internetnutzung vor.

Mit Details des Naturschutzes hatte Schultz sich bis dato nicht befasst, aber Kurt Kretschmann kannte er. Ende der 90er Jahre erlebte er im Berliner Antikriegsmuseum eine Veranstaltung mit Kretschmann. Schultz erinnert sich an den überfüllten Raum mit vielen jungen Leuten und an die fesselnde Rede. Durch seine Tätigkeit am Kretschmann-Archiv kam ihm nun der Naturschützer und -pfleger nahe. Er weiß jetzt etwas vom Mulchen, lernte die Aufgeschlossenheit und zugleich Engstirnigkeit der DDR-Behörden kennen, wurde immer wieder beeindruckt, mit welcher Energie Kretschmann seine Ziele durchzusetzen suchte. Dabei zeigte dieser durchaus Schwejksche Züge. So mit einem Brief im August 1961. Darin bat er den Verlag Kultur und Fortschritt, man möge »führenden Funktionären« das Heft 7/61 der Zeitschrift »Sowjetwissenschaft« zustellen. Diese Ausgabe enthielt das Naturschutzgesetz der russischen Sowjetrepublik. Kretschmann betrachtete es als beispielhaft. Da sowjetische Erfahrungen damals hoch im Kurs standen, hoffte er, »die führenden Funktionäre« auf diese Weise für sein Anliegen zu gewinnen.

Aufschlussreich weiterhin ein Brief des Büros für Territorialplanung aus dem Jahre 1965. Darin wird festgestellt, dass auf der Freienwalder Kreiskarte ein Landschaftsschutzgebiet von Kretschmann erheblich größer dargestellt war, als im Planungskataster nachgewiesen. Er wird nach beweiskräftigen Unterlagen gefragt.

Ein langer Briefwechsel dreht sich um eine bezahlte Stelle. Kretschmann war etliche Jahre freischaffend gewesen, hatte durch Artikel und Vorträge den Gedanken des Naturschutzes verbreitet und zugleich etwas zur Familienkasse beigesteuert. Seine Arbeit für den Erhalt und die Pflege der Umwelt leistete er weitgehend ehrenamtlich. Doch der Streit mit seinen Genossen in den verschiedenen Ämtern – Kretschmann war über die KPD zur SED gekommen – verlief offensichtlich erfolglos. Das muss für ihn eine große Enttäuschung gewesen sein.

So oft und so sehr er sich zu DDR-Zeiten über Borniertheit geärgert haben wird – die Entwicklung nach 1990 sah er sehr kritisch. Das teilte er auch Bundespräsident Richard von Weizsäcker mit. Dieser hatte die beiden Kretschmanns 1993 zu einer Lesung ins Schloss Bellevue eingeladen. Eine Teilnahme sei ihnen aus politischen Gründen nicht möglich, schrieb Kurt. Er verwies auf die Erfahrungen seines Lebens, nannte die Entwicklung nach 1990 einen Tanz ums Goldene Kalb und zeigte sich enttäuscht über die unverantwortliche Verschwendung von Rohstoffen. Abschließend fügte er an: Wir sind Mitglieder der PDS.

Diese Partei wird Erna und Kurt besser gefallen haben als die Vorgängerin, die SED. Bis heute wird der Partei, die in DIE LINKE aufgegangen ist, die Kompetenz auf dem Gebiet der Ökologie abgesprochen. Und doch hat sie sich den Umweltschutz auf die Fahnen geschrieben. Die Kretschmanns haben geholfen, Defizite abzubauen. Dagmar Enkelmann, in der Bundestagsfraktion etliche Jahre für den Umweltschutz verantwortlich, war beiden seit Anfang der 90er verbunden und hat ihren Rat eingeholt.

In Bad Freienwalde half Kurt seiner Partei nicht nur im ökologischen Denken, sondern auch im Tun auf die Sprünge. Die Bildung einer PDS-Umweltgruppe ging natürlich auf ihn zurück. Ein Schild vor dem Eingang des Hauses der Naturpflege teilt mit, dass hier eben diese Gruppe 1993 einen Lehrpfad angelegt hat.

Die Verbundenheit mit ihrer Partei schloss Kontakte zu Menschen mit anderen politischen Ansichten nicht aus. So gehörte Matthias Platzeck von der SPD (jetzt Ministerpräsident von Brandenburg, vorher Umweltminister) zum Freundeskreis von Erna und Kurt. Für die Anerkennung und Wertschätzung, die beide erfahren haben, steht das Geschenk des Umweltministeriums zu Kurts 90. Geburtstag: der Eulenturm. Er ersetzte den alten, einst von Kurt gebauten Wackelturm, an dem der Zahn der Zeit genagt hatte. Wer die gut zehn Meter nach oben steigt, wird mit einer herrlichen Sicht belohnt.

Kurt war nicht allein ein Mann der Tat, er glaubte ebenso an die Kraft des Wortes, nicht zuletzt an die des kurzen Wortes. Auf dem Gartengelände sind verschiedene Schilder angebracht, die auffordern, etwas zu tun oder zu unterlassen. Da heißt es zum Beispiel »Ein Holzstück in jedem Wasserfass rettet Insekten vor dem Ertrinken« (und tatsächlich schwimmt in allen Wassergefäßen auf dem Gelände ein Holzstück) oder »Aus einem Baumstamm kann man 1 Million Streichhölzer herstellen, aber 1 Streichholz kann 1 Million Bäume vernichten.«

»Freue dich an der Blütenpracht (…), übe Pflückverzicht« sollte zum Schutz der Schlüsselblumen auf einem Schild stehen. Ganz seltene Pflanzen, so sein Vorschlag, sollten aber besser durch Zweige verdeckt werden.

Immer wieder ist es Kretschmann gelungen, Leute zu motivieren, so bei der Pflege des Volksparks. Manche seiner Aktivitäten werden gerade neu entdeckt. Zum Beispiel der Wettbewerb um den vorbildlichen Garten. Außer eine Plakette erhielten die Ausgezeichneten Pflanzen, um die Gärten weiter zu verbessern und die Artenvielfalt zu fördern. In diesem Jahr wurde in Bad Freienwalde wieder der schönste Vorgarten gesucht. Die Ehrung erfolgte beim Herbstfest des Hauses der Naturpflege.

Dieser Wettbewerb, das Jugendlager, das Herbstfest, die Übernachtung im Heu –alles Unternehmungen des Hauses, um nach außen zu wirken. Sybille Knospe, die Vereinsvorsitzende, erzählte von Ausstellungen, Lesungen und Kindergeburtstagen. Was Mac Donalds kann, können wir schon lange, haben sie sich gedacht. Sie stehen im Kontakt mit der Fachhochschule Eberswalde, die Fachleute für die Forstwirtschaft und den Ökolandbau ausbildet. Die Erstsemester werden über die Angebote des Hauses informiert und sind eingeladen, unter Nutzung des Archivs Studienarbeiten anzufertigen. Die Zusammenarbeit mit der Schule in Bad Freienwalde ist über einen Kooperationsvertrag geregelt. Als Bio-Lehrerin ist Sybille Knospe oft mit ihren Schülerinnen und Schülern hierher gekommen. Jetzt, im Ruhestand, schaut sie fast täglich vorbei, denn das Personal ist knapp.

Kerstin Götter, die Geschäftsführerin, braucht einen beachtlichen Teil ihrer Zeit, um dieses Problem zu regeln. Immer wieder neue Anträge. Im Laufe der Jahre hat sie die gesamte Palette der Arbeitsmarktförderung kennengelernt. Nun arbeiten vier MAE-Kräfte, also »Ein-Euro-Jobber«, auf dem Gelände. In der Regel wird ihnen nur ein halbes Jahr bewilligt. Das heißt, immer wieder neue Leute anlernen, zum Beispiel: Was ist Unkraut und was muss stehen bleiben? Da ist es ein Lichtblick, dass wenigsten die jungen Leute, die ihr freiwilliges ökologisches Jahr absolvieren, für zwölf Monate da sind. Der Kreis derer, die im Haus der Naturpflege beschäftigt waren, ist groß. Frau Götter freut sich, dass die meisten gern zu ihnen kommen. Etliche frühere Beschäftigte sind Mitglieder des Vereins geworden.

Als Geschäftsführerin kümmert sich Frau Götter nicht bloß darum, dass der Laden läuft. Kürzlich hat sie eine Ausstellung über Erna Kretschmann angefertigt. Ohne Erna, glaubt sie, hätte Kurt nicht das leisten können, was er geleistet hat. Alles Lebenspraktische, wie Frau Götter sagt, galt als Ernas Sache. Dabei war die ausgebildete Kindergärtnerin und Hortnerin kein Heimchen am Herd. Wie Kurt hat sie viel ehrenamtliche Arbeit geleistet und war zudem über Jahre berufstätig, zum Beispiel beim Kulturbund oder in einer Buchhandlung. Sie hat Kurts Schriftkram erledigt und die weit verzweigten menschlichen Kontakte gepflegt. Bestimmt hätte es ihr gefallen, dass der Ausflugdampfer von Bad Freienwalde inzwischen »Erna« heißt.

Kurt hat seiner Frau viele Gedichte gewidmet. Er schrieb regelmäßig Verse, fast wie andere ein Tagebuch. Auch nach Ernas Tod 2001 schrieb er immer wieder über seine Frau. Noch kurz vor seinem Ende – er starb 2007 im Alter von 92 Jahren – gedachte er ihrer: … Du warst in meinem Leben ein Diamant. Unbezahlbar! Hab Dank! Hab Dank!

www.haus-der-naturpflege.de