Disput

Kerstin Meier

Jahrgang 1975. Kreisvorsitzende der LINKEN in Frankfurt (Oder). Landtagsabgeordnete. Vorstandsvorsitzende des »Theaters des Lachens«, dem einzigen professionellen Puppentheater in Brandenburg. Hobbys: inmitten von Drei- und Vierjährigen in den Kinderstücken des Theaters mitfiebern. Ausgedehnte Spaziergänge mit ihrer Hündin.

Was hat Dich in letzter Zeit am meisten überrascht?

Unser Kommunalwahlergebnis in Frankfurt (Oder), bei dem DIE LINKE fast genauso viele Stimmen bekommen hat wie SPD und CDU zusammen: 37,4 Prozent.

Was ist für Dich links?

Ideen zu diskutieren und politische Entscheidungen zu treffen, die geprägt sind vom Streben nach Chancengleichheit, sozialer Gerechtigkeit, Teilhabe, Toleranz und Solidarität.

Worin siehst Du Deine größte Schwäche, worin Deine größte Stärke?

Ich habe noch zu oft Angst vor der eigenen Courage und wünsche mir etwas mehr strategisches Denkvermögen. Ich bin sehr offen, mitfühlend und kann sehr leidenschaftlich für andere kämpfen, wenn ich etwas als ungerecht empfinde.

Was war Dein erster Berufswunsch?

Kosmonautin, wie Valentina Tereschkowa.

Was regt Dich auf?

Die unglaubliche Arroganz, mit der inzwischen die SPD-CDU-Koalition in Brandenburg ihre Politik als angeblich alternativlos verkauft und jeglichen Veränderungswillen als populistisch und lebensfremd abbürstet.

Wann und wie hast Du unlängst Solidarität gespürt?

Als ich vor einer Woche am Infostand des »Aktionsbündnisses Frankfurter Montagsdemo« vor der Arbeitsagentur stand und wieder einmal erlebte, mit wie viel Kraft und Ausdauer diese Menschen andere Hartz-IV-Betroffene in deren Schmerz, Wut und Verzweiflung auffangen und beraten, ihnen zuhören und helfen.

Wovon träumst Du?

Ich habe häufig sehr chaotische und skurrile Träume. Wenn ich einmal mehr Zeit haben sollte, schreibe ich alles auf. Das dürften zum Teil sehr lustige Theaterstücke werden.

Wo möchtest Du am liebsten leben?

In meiner Stadt Frankfurt (Oder) der Zukunft, in der keine einzige Familie von Armut betroffen ist und die Menschen emanzipiert, solidarisch und in Würde miteinander leben.

Mit wem lachst Du besonders gern?

Am liebsten mit Freunden über messerscharfe Satire einerseits und die zauberhaften Stücke unseres Puppentheaters andererseits.

Was bringt Dich zum Weinen?

Mir kommen die Tränen, wenn ich im reichen Deutschland immer mehr Kinder erleben muss, die oft nicht einmal genug Essen bekommen. Wo selbst der kleinste Wunsch unerfüllt bleiben muss und Eltern verzweifelt sind, weil sie es ihren Kindern nicht erklären können.

Wovor hast Du Angst?

Dass in diesem Land eine immer größere Entsolidarisierung stattfindet und die Politik das Steuer nicht mehr herumgerissen bekommt.

Wie lautet Dein Lebensmotto?

Es ist wohl eher eine »Lebensweisheit«>: Man muss noch Chaos in sich haben, um einen tanzenden Stern gebären zu können. (Nietzsche)