Disput

Alpenfestung

Feuiletton

Von Jens Jansen

Nichts beweist den missionarischen Eifer der linken Weltverbesserer mehr als deren angekündigter Sturm auf die Alpenfestung im Verlauf der Landtagswahl in Bayern am 28. September. Worauf der Huber, der in Bayern die Staatspartei CSU regiert, sagt: Dös is a ganz a damischer Schmarrn, dass oaner wie die zwoa Linken – der Saupreiß Gysi und der Napoleon von der Saar – über die Hintertür im Maximilianeum die Mehrheit im Bundesrat kippen wollen und Deutschland an die Russen ausliefern täten. Nix da! Mir san mir!

Als Echo schoss DIE LINKE jenes gotteslästerliche Foto, wo auf dem schneebedeckten Gipfel der Zugspitze – Deutschlands höchstem Höhepunkt – die Fahne der LINKEN weht. Ein Bild, das jedem gottesfürchtigen Bayern den Gamsbart vom Kopf haut und den Papst nach der Inquisition rufen lässt!

Nun konnten die Alpen weder die Römer noch die Türken, weder die Ungarn noch die Amis aufhalten, aber beim Vormarsch der LINKEN ertönt nun aus der Staatskanzlei ein mächtiges Herrgottkruzifixsakra! Denn erstens braucht Bayern keine Weltverbesserer, weil Bayern die beste aller Welten darstellt. Zweitens sind die Linken die Letzten, die was verbessern täten. Und drittens, wenn dereinst die absolute Mehrheit der CSU in Bayern zerbricht, hilft nur die Wiedereinführung der Monarchie durch die Krönung des CSU-Chefs, was zugleich dessen Absolutismus legalisieren könnte.

Das klingt wie eine Brettl-Satire, aber in Bayern gehen die Uhren anders als anderswo. Das kriegt auch DIE LINKE zu spüren. Da müssen zehn Mitglieder durch hundert Dörfer rennen. Da sorgen der Klerus, die Unwissenheit und ein machtschützendes Wahlgesetz für hohe Hürden. Der Freistaat ist auf der Landkarte das größte Bundesland und größer als Belgien und die Niederlande zusammen, wo sie ohnehin nur Käse und Fritten machen, wohingegen Bayern Magnetbahnen, Raketen und auch Weißwürste produziert mit 47 % Exportanteil. Die Landeshauptstadt München ist die »heimliche Hauptstadt Deutschlands« und Heimat der größten Genies der Nation wie Strauß, Ratzinger und Stoiber. Der Bayer als solcher muss sich seinen blau-weißen Himmel zwar mit Franken und Schwaben teilen, aber das tut er so eigenwillig, schlitzohrig und rabiat, dass alle anderen deutschen Stämme respektvoll Distanz halten, wenn sie die landeseigenen Grenzpfosten des Freistaates sehen.

Nicht so die LINKEN. Die kommen statt in Wanderstiefeln in Unterwanderstiefeln daher. Am Anfang hat der Marx den Unternehmer Engels vor seinen Karren gespannt. Und heutzutage hat die PDS die WASG unterwandert, damit beide zusammen die SPD zerbröseln. Nebenher haben sie die Gewerkschaft mit dem Mindestlohn infiziert. In Bremen und Hamburg, Hessen und Niedersachsen, Meck-Pomm und Berlin, Sachsen-Anhalt, Brandenburg spielen sie schon die zweite und dritte Geige in den Landesparlamenten. Und jetzt kommen sie in Bayern mit Handzetteln zur Fronleichnamsprozession, mit roten Luftballons zur Kirchweih und mit eigenen Bierkrügen in die Wirtshäuser. Da kriagst doch ´n Kropf!

Und was steht drauf auf den Handzetteln der Linken?

Frieden wollen sie, gerade jetzt, wo nicht nur der Balkan und der Hindukusch, sondern auch der Kaukasus nach deutschen Truppen rufen!

Die Privatisierung wollen sie stoppen, gerade jetzt, wo es so schön in den Kassen der Konzerne klingelt.

Sie rechnen vor, dass im EU-Vergleich die Steuergeschenke an die Reichen das Land um 120 Milliarden ärmer machen.

Sie zählen auf, dass in Bayern 130.000 Kinder auf Sozialhilfeniveau leben, dass 350.000 Erwerbslose auf existenzsichernde Arbeit warten, dass 400.000 Rentner unter 880 Euro im Monat haben. Was alles nicht sein muss, wenn die Wirtschaft den Menschen dienen würde.

Ein Mindesteinkommen wollen sie durchsetzen, als wenn’s nicht Gottes Willen wäre, dass sich auf Erden Arm und Reich tummeln, bis sich im Himmel die höhere Gerechtigkeit einstellt.

Ja, sie betteln sogar um Spenden, weil ihnen kein Großunternehmen was zusteckt. Sie hätten gar zu gern die 11 Millionen Euro, die die CSU für die Wahlschlacht investiert, damit sie alle Bayern darin einwickeln kann.

Bei solcher Gleichmacherei tät sich König Ludwig im Grabe umdrehen! Am Ende sprengen die LINKEN noch die Alpen, damit jeder einen freien Blick aufs Mittelmeer hat!

Aber die Fürbittgottesdienste der Kirchen und Medien, der Wirtsleute und Trachtenvereine werden ´s schon richten, dass die Linken das Land nicht hinrichten. Obschon für ´s menschliche Herrichten Bayerns eine Menge guter und bezahlbarer Ideen in deren Wahlprogramm stehen! Schließlich werden ja selbst Bajuwaren manchmal rot – und sei es auch nur aus Wut.