Disput

Toller Zuwachs

... aber die Logistik müssen wir noch verbessern. Interview mit Jürgen Trenz, stellvertretender Vorsitzender des Kreisverbandes Saarbrücken

Auf den Monat genau vor einem Jahr, im September 2007, sorgte Jürgen Trenz für eine Premiere: Er trat als erster Bürgermeisterkandidat der LINKEN im Saarland an und gewann in seiner Heimatstadt Friedrichsthal 18,7 Prozent der Stimmen.

Wie ist es bei Euch seit dem Wahltag vorangegangen?

Gut – durch die Entwicklung der Partei insgesamt. Im Ortsverband haben wir jetzt hundert Mitglieder – hundertstes Mitglied wurde eine 23jährige Jurastudentin; vor einem Jahr waren wir 22. Das ist ein toller Zuwachs. Und wir haben es im Kreisverband Saarbrücken geschafft, 14 funktionierende Ortsverbände zu gründen. Das heißt: Wir sind in der Fläche vertreten. Der letzte weiße Fleck wird demnächst beseitigt: In Großrosseln bilden wir den fünfzehnten Ortsverband. Damit gibt es in unserem Kreis die meisten Ortsverbände der LINKEN im Saarland.

Wo gewinnt Ihr Mitglieder?

An Stammtischen und in öffentlichen Veranstaltungen. Wir gehen auf die Menschen zu – das hat sich sehr positiv entwickelt. Vor einem Jahr haben viele noch die Läden runtergezogen, wenn wir kamen. Heute werden wir von den Verbänden, von Kultur- und Sportvereinen eingeladen. Bei diesen Veranstaltungen ergibt sich natürlich immer die Möglichkeit, neue Mitglieder zu werben.

Welche Motive bewegen zum Eintritt?

Vor allem die Verschlechterung der Lebens- und Arbeitsbedingungen der Menschen. Ich höre oft, wie sehr sich die Arbeitsverdichtung immer weiter verstärkt. Die Leute sollen – einfach ausgedrückt – immer mehr arbeiten. Die Zunahme von Leiharbeitsverträgen, die Zunahme von befristeten Arbeitsverträgen, die Rente erst ab 67, das ruft bei den Menschen Ängste hervor. Und DIE LINKE ist die Partei, die versucht, dagegen zu wirken. Das wird allgemein anerkannt.

Es gibt zwar viele Menschen zum Beispiel im Bereich der IG Bergbau, Chemie, Energie, die Angst haben, in die Partei einzutreten; sie sagen, wir sind noch im Arbeitsprozess und wollen nichts riskieren. Bei der Saarbahn AG war das anders, dort wurde ja ein Großteil der Kollegen Parteimitglied. Auch in Bereichen anderer Gewerkschaften ist ein Eintritt in DIE LINKE mittlerweile vollkommen unproblematisch.

Euer Landesparteitag im August wählte Oskar Lafontaine zum Ministerpräsidentenkandidaten für die Landtagswahl 2009. Wie gefiel Dir seine Rede?

Wie meistens sehr gut. Man muss ja immer sehen: Die Medienlandschaft ist gegen DIE LINKE eingestellt. Über sie und ihre Personen wird oft negativ berichtet. Insofern reicht die befristete Redezeit auf einem Parteitag überhaupt nicht aus, um all das rüberzubringen, was eigentlich an Bosheiten zurückzuweisen oder zu entkräften wäre.

Auch die Rede des saarländischen DGB-Vorsitzenden Eugen Roth fand ich sehr bemerkenswert, weil er die Stigmatisierung der LINKEN weggenommen hat und weil er genau das ausgedrückt hat: Im Saarland leben wir in einem Land, in dem sich die Menschen in die Augen gucken können, in dem man miteinander einen Schwenkbraten isst und zusammen ein Bier trinkt. Das wird ideologisch nicht so hoch gehandelt. Insofern ist es ein Stück Normalität, die hier im Saarland sehr weit vorangeschritten ist.

Was muss noch getan werden, damit die vielen Wahlkämpfe 2009 erfolgreich bestritten werden können?

Die steigenden Mitgliederzahlen überrollen uns natürlich, was die Logistik betrifft. Da ist es sehr schwierig, all das Notwendige zu leisten. Die Mitglieder sind ungeduldig, sie wollen ihre Mitgliedsausweise, sie wollen dieses und jenes. Das klappt alles noch nicht so. Also, die Logistik muss verbessert werden. Sie hält dieser gewaltigen Eintrittswelle noch nicht stand. Da müssen wir viel tun.

Die Mitglieder sind äußerst engagiert, das ist sehr erfreulich. Und wir wollen noch mehr Mitglieder. Wenn wir zum Jahresende 3.000 Mitglieder haben, dann wäre das sehr positiv. Mitgliederwerbung steht weiterhin oben auf der Tagesordnung.

Das wird zu den Kommunalwahlen besonders wichtig sein.

Ja, sie finden im kommenden Jahr vor den Landtagswahlen statt. Wir sind dabei, Schulungen durchzuführen. Denn wir haben viele Leute, die noch nie in einer Partei und die relativ unpolitisch waren. Für sie müssen wir Voraussetzungen schaffen, dass sie sich in den kommunalen Parlamenten aktiv und konstruktiv bewähren können. Das erfordert Schulungen beispielsweise zum kommunalen Selbstverwaltungsgesetz.

Dein Tipp für die Landtagswahl?

Ich bin mit Prognosen sehr vorsichtig, aber mir scheinen 25 Prozent realistisch und erreichbar. Bei größerer Mobilisierung vielleicht sogar noch mehr.