Disput

... dass die Menschen aufwachen

Von Thurid Feldmann, 45, kaufmännische Angestellte, Direktkandidatin für Karlsruhe-Land

Über lange Jahre hinweg habe ich in einer WG mit meiner Schwester zusammen gelebt. Morgens zum Frühstück hörte ich die Debatten über Marx und Engels und wurde zum Morgenmuffel. Dann wurde ich irgendwann erwachsen. Schröder verabschiedete sich aus der Politikarena, was ich zum Anlass nahm, bei der SPD einzutreten. Der erhoffte Ruck nach links geschah jedoch in keinster Weise, also habe auch ich mich wieder aus dieser Partei verabschiedet.

Meinem parteilosen Zwischenzustand kam ein großer Umstand entgegen – meine Tätigkeit im Verkauf. Aus vielen Verkaufsseminaren weiß ich, dass für die Steigerung des Umsatzes eines wichtig ist: das Zuhören. Also hörte ich zu. Man hört soviel Ängste und Nöte, und »dank« der bisherigen Regierung werden es immer mehr. Die Menschen sind müde und hoffnungslos. Keiner glaubt mehr an die Regierung und letztendlich auch an unsere Demokratie.

Mir erging es genauso. Aber mir wurde klar, dass, wenn sich was ändern soll, ich es selbst tun muss. Also trat ich in eine Gemeinschaft ein, die meine erwünschten Werte vertritt. Außerdem bin ich davon überzeugt, dass immer mehr Bürgerinnen und Bürger langsam aber sicher auf denselben Trichter kommen wie ich. Leider ist unser Ruf nicht der beste, doch daran werde ich ebenfalls mit arbeiten.

Ich will, dass die Agenda 2010 auf den Müll geworfen wird. Ich will die »alten« Regeln für den Aktienhandel wieder einführen, damit Hedgefonds keine Zukunft mehr haben. Ich will ein bedingungsloses Grundeinkommen und die Abschaltung aller Atomkraftwerke. Eigentlich kann man das alles zusammenfassen: Ich will, dass unser Wahlprogramm Wirklichkeit wird. Fangen wir in unserer nicht mehr ganz so demokratischen Demokratie an. Denn zu allererst muss sie wieder auf ihren vorherbestimmten Weg gebracht werden.

In meinem Wahlkreis Karlsruhe-Land haben wir aber auch noch andere Probleme. Sei es der gentechnisch veränderte Mais, der hier seinen Einzug hält, oder die absurde Milchsubvention. Doch vor allem will ich in meinem Wahlkreis eines erreichen: dass die Menschen aufwachen und sich ihren Platz wieder erkämpfen. Deswegen werbe ich auf allen Homepageseiten und in der Öffentlichkeit für mich und für meine Partei mit dem Slogan: »Ich bin der soziale Weckruf für das Karlsruher Land«.

Es wartet noch viel Überzeugungsarbeit auf uns – ich bin dazu bereit. Ich wünsche mir einen weiterhin spannenden Wahlkampf.

thurid.feldmann@die-linke-ka.de