Disput

Eine Zukunft im schönen Vogtland

Von Janina Pfau, 25, Studentin, Direktkandidatin im Vogtlandkreis (Wahlkreis 167) und auf Platz 11 der Landesliste Sachsen

Ich war schon immer politisch interessiert, allerdings wollte ich mich nie direkt engagieren. Die ständig weiter auseinander klaffende Schere zwischen Arm und Reich und die immer gravierender werdende soziale Ungerechtigkeit hier und in überall in der Welt, verbunden mit der stetig steigenden Relevanz von Geld für unser alltägliches Miteinander, brachten mich zum Umdenken. Mir wurde klar, dass ich allein die Welt nicht ändern werde, sondern nur in einer Organisation etwas erreichen kann. Weil eine andere Partei als die damalige PDS für mich nicht in Frage kam, trat ich im Januar 2004 online in die Partei ein. Den Eintritt habe ich nicht bereut, auch wenn ich mir im Bekanntenkreis durchaus kritische Kommentare anhören musste.

Es gibt viele Dinge, die mich erfreuen. In diesem Jahr besonders, dass ich Tante geworden bin. Auch mit kleinen Dingen kann man mir immer eine große Freude machen. So freue ich mich über jede aus dem Urlaub mitgebrachte »Sand-Spende« für meine außergewöhnliche Sandsammelleidenschaft.

Stolz bin ich darauf, dass ich mithelfen konnte, in den letzten zwei Jahren im Vogtland eine gut vernetzte und organisierte Gruppe der Linksjugend ['solid] aufzubauen, die inzwischen nicht mehr zu übersehen ist. Beim gemeinsamen Auftreten gegen die rechte Szene im Vogtland, aber auch bei zentralen Aktionen wie dem »GehDenken« in Dresden im Februar zeigt sich, dass unsere Jungendgruppe nicht nur redet.

Es freute mich ebenso, dass mein Ortsverband in Treuen mich dem Kreisvorstand zur Direktkandidatur für den Bundestag vorschlug und mich dann die Kreismitgliederversammlung mit fast hundert Prozent Zustimmung nominiert hat. Dies war durchaus keine Selbstverständlichkeit. Zur Kommunalwahl im Juni 2009 trat ich zusammen mit einem Gewerkschaftssekretär der IG Metall für den Gemeinderat in Neuensalz an. Als feststand, dass mit uns beiden erstmalig in diesem Gemeinderat auch DIE LINKE vertreten sein wird, habe ich mich über die »langen Gesichter« der Bürgermeisterin und anderer Gemeinderäte ebenfalls gefreut. Für den Ortschaftsrat in meinem Wohnort Mechelgrün erhielt ich auf Anhieb sogar die meisten Stimmen.

Es gibt aber auch zahlreiche Dinge, über die ich mich ärgere. Am meisten bin ich immer wieder enttäuscht, dass so viele Menschen Informationen, die sie durch Medien wie Zeitung oder Fernsehen geliefert bekommen, nicht mehr hinterfragen. Es wird einfach vorschnell geurteilt, ohne die Hintergründe zu beleuchten. Viele Menschen haben aus persönlichen Enttäuschungen, aus Verblendungen oder aus Bequemlichkeit zu politischen Fragen scheinbar keine Meinung mehr oder wollen sie zumindest nicht äußern. Die »Partei« der Nichtwähler ist die stärkste in Deutschland. Eine wesentliche Ursache für die entstandene Politikverdrossenheit sehe ich darin, dass es als »unfair« gilt, nach der Wahl an Aussagen und Versprechen aus dem Wahlkampf erinnert zu werden, und dass diese Haltung zum »guten« Ton der bisherigen Regierungsparteien gehört.

Ich will den Herren von CDU, SPD und FDP, die bisher angeblich für das Vogtland im Bundestag sitzen oder sogar Staatssekretär sind, Paroli bieten. Meine Meinung ist eindeutig: Der Abgeordnete muss den Wählerinnen und Wählern verpflichtet sein! Und die überwältigende Mehrzahl will eben keine Soldaten nach Afghanistan oder anderswohin schicken und lehnt Hartz IV ebenso ab wie eine Zwei-Klassen-Medizin oder die Privatisierungen bei Bahn, Post und anderen Aufgaben der öffentlichen Daseinsvorsorge. Hier will ich in meinem Wahlkampf ansetzen. All diese Gesetze einschließlich der Rettung der Spekulanten auf Kosten der Arbeitsplätze und der »kleinen Leute« haben diese Männer mitgetragen.

Ich möchte mit meinem politischen Engagement auf allen Ebenen – also in der Kommunalpolitik wie als Mitglied des Kreisvorstandes unserer Partei oder als Bundestagsabgeordnete – meinen Mitmenschen Hoffnung und Zuversicht geben, sich wieder einzumischen und das Leben lebenswert zu finden. Vor allem möchte ich den jungen Menschen helfen, im wunderschönen Vogtland eine Heimat und Zukunft zu finden, auf die sie mit eigener Identität und Sprache stolz sein können.

Dabei will ich mich besonders für die »weichen« Standortfaktoren einsetzen und die unter der CDU-Führung entstandenen Verschlechterungen unserer Infrastruktur, zum Beispiel beim öffentlichen Verkehr, bei ärztlicher Versorgung und im Bildungswesen, rückgängig machen. Ausbildungs- und Arbeitsplätze mit guter Entlohnung müssen wieder in traditionellen Bereichen der Industrie, aber ebenso in der Landwirtschaft und vor allem im Tourismus geschaffen werden. Auch dadurch kann die Abwanderung besonders von jungen Menschen gestoppt werden.

Janina.pfau@dielinke-vogtland