Disput

Online auf drei Säulen

DIE LINKE ist im Internet dort vertreten, wo sich Menschen für Politik interessieren und mit der Partei in Kontakt treten wollen

Von Mark Seibert

An Barack Obama kommt man als Wahlkämpfer/in in diesem Jahr nicht vorbei. Dem US-Präsidenten ist in seinem Wahlkampf offenbar gelungen, was alle anderen auch gerne schaffen würden: Eingeschworene Nichtwähler/innen begeisterten sich plötzlich ebenso für Obamas Präsidentschaftskampagne wie junge Menschen sich politisierten und für »ihren« Kandidaten Klinken putzten. Ein wenig Obama-Feeling hätten auch die deutschen Parteien gerne in ihrer Wahlkampagne.

Hubertus Heil, Generalsekretär der SPD, versuchte es beispielsweise, indem er die Teilnehmer einer Konferenz seiner Partei zu rhythmischen »Yes we can«-Rufen aufforderte – und sich blamierte. Darüber hinaus wollen alle Parteien neue Medien in ihre Kampagnen einbauen. Es wird getwittert und gebloggt, bei Youtube gibt es Videos, Online-Communities werden von virtuellen Infoständen belagert. Parteien haben für sich das entdeckt, was man »partizipatives Internet« oder »Web 2.0« nennt. Gemeint sind damit Online-Angebote, die von den BenutzerInnen nicht nur passiv konsumiert werden, sondern die es ermöglichen, Inhalte wie Texte, Fotos, Videos oder Audio-Dateien selbst herzustellen, zu veröffentlichen, miteinander zu verknüpfen, zusammenzuführen, zu diskutieren.

Den Kampagnenmachern in deutschen Parteizentralen ist dieses »Web 2.0« oft noch suspekt. Wenn statt der RedakteurInnen die Nutzer/innen selbst Inhalte erstellen, verbreiten und diskutieren, bedeutet das für die Parteien Verlust von Kontrolle. DIE LINKE wird sich auf das Experiment einlassen und ihre Online-Aktivitäten ausweiten. Die Einbeziehung der Nutzer/innen und die direkte Kommunikation auf Augenhöhe ist nicht nur ein kommunikatives Risiko. Viel mehr besteht die Chance, Kommunikation zu demokratisieren, indem jede und jeder, die oder der will, mitreden und mitmischen darf. Vor allem erreichen Blogs oder Communities viele Menschen, die sich nicht allein per Zeitung oder Rundfunk über Politik informieren wollen. »Web 2.0« heißt, Informationen gestalten, selbst verbreiten und so bei der Kampagne mitmischen. Das hört sich gut an und passt zum politischen Anspruch, den DIE LINKE vertritt.

Die Online-Kampagne der LINKEN steht auf drei Säulen. Mitte Januar wurde erstens die Website der LINKEN (www.die-linke.de) behutsam überarbeitet. Sie bietet den NutzerInnen zusätzlich zum bisherigen Angebot mehr redaktionell betreute und auch multimediale Inhalte wie die Video-Serie »60plus«, in der jeden Freitag Politikerinnen und Politiker der LINKEN in 60 Sekunden Stellung zu aktuellen politischen Themen nehmen. die-linke.de ist sozusagen ein Basisangebot, das einlädt, sich mittels Audio, Video, Foto und Text über die Partei und ihre Politik zu informieren.

Zweitens startete DIE LINKE ebenfalls bereits Mitte Januar ihre Dependancen bei verschiedenen Online-Diensten. So können Interessierte sich Videos der LINKEN bei Youtube nicht bloß anschauen und abonnieren, sondern sie auch kommentieren oder auf anderen Homepages anzeigen. Bei den Online-Communities Facebook und Myspace ist DIE LINKE mit eigenen Seiten und Profilen vertreten und diskutiert mit den Web-Gemeinschaften über Politik, informiert über Veranstaltungen und sammelt vor allem Unterstützerinnen und Unterstützer für DIE LINKE und den Wahlkampf.

An der dritten Säule der Online-Kampagne wird noch fleißig gearbeitet. Im April wird DIE LINKE eine eigene Online-Community starten. Dort können sich Mitglieder und Freunde der LINKEN registrieren, sich mit Gleichgesinnten vernetzen, Wahlkampfaktionen organisieren, Fotogalerien anlegen und vieles mehr.

Das Programm, das sich DIE LINKE online vorgenommen hat, ist zwar umfangreich, konzentriert sich aber lediglich auf einen Teil dessen, was »Web 2.0« an Möglichkeiten bietet. Die Auswahl der Instrumente orientierte sich daran, ob sie nützlich und authentisch sind. So nutzen wir nur solche Dienste, die direkte Kommunikation vereinfachen oder ermöglichen. Man kann auch sagen: DIE LINKE ist im Internet dort vertreten, wo sich Menschen für Politik interessieren und mit der Partei in Kontakt treten wollen.

Das zweite Kriterium, Authentizität, ist ebenso wichtig. Damit beschreiten wir einen anderen Weg als beispielsweise die SPD, die, wie eingangs erwähnt, manchmal den Obama-Wahlkampf abkupfert, indem sie ihre GenossInnen »Yes we can« rufen lässt. Die Blamage war groß, weil dabei bloß ein »No we can’t« herauskam. Oder wie Thorsten Schäfer-Gümbel, der nach der Hessen-Wahl viel Vertrauen verspielte, als herauskam, dass seine Beiträge bei dem Online-Dienst Twitter nicht aus seiner Feder stammen, sondern aus der eines PR-Mannes der Internet-Agentur Barracuda.

Derlei Blamagen sind bei der LINKEN ausgeschlossen. Wo DIE LINKE draufsteht, ist auch DIE LINKE drin. Das gilt online wie auch offline.