Disput

Ich brauch nur zu blinzeln ...

DIE LINKE ist »original sozial«. Ein LINKE-Original der besonderen Art ist Günter Gröbner (67). Seit 15 Jahren ist er der ehrenamtliche Bürgermeister von Zschornewitz (Sachsen-Anhalt). Was ihn bewegt und was er bewegt, erzählt Günter Gröbner.

'n Bürgermeister braucht Kontakt und Liebe zu den Menschen. Und er braucht Ideen. Leute, die keine Ideen haben, kann ich nicht leiden. Lieber mal übers Ziel hinausschießen, lieber mal eine Idee zu viel haben als gar keine.

Wichtig ist, dass man auf die Menschen zugehen und ihnen ins Gesicht schauen kann. Ich grüße jeden freundlich. Das ist meine Art, weil ich hier groß geworden bin.

Wir waren umgesiedelt worden, Anfang '46 mussten wir unsere Heimat verlassen; Deutschland hatte den Krieg angezettelt, Deutschland hatte den Krieg verloren und Deutschland hatte deshalb ein paar Dinge zu tragen.

Ich war fünf und mit Abstand der Jüngste in der Familie, mein Vater war Bäcker, meine Mutter Hausfrau. Auf der Bahn wurden wir quer durch Deutschland geschickt. Wir saßen in den Güterwaggons und konnten die Tür grad mal zum Pullern aufmachen. Nach fünf Wochen landeten wir in einem Quarantänelager, schließlich in Zschornewitz. Hier wurden wir gut aufgenommen, kriegten Quartier in Holzbaracken. Diese Zeit hat mich geprägt. Ich hab mir angewöhnt, sozial zu denken. Die Hilfe, die wir bekommen haben, wollte ich zurückgeben.

Zschornewitz hat 2.830 Einwohner und war 'n wichtiger Industriestandort. Die Leute haben nicht schlecht gelebt. Hier stand eins der größten Kraftwerke der Welt und ein Kohlewerk und die Elektroschmelze – '94 hatten wir nichts mehr davon. Als '92 das Kraftwerk dicht gemacht wurde, heulten nicht bloß die Sirenen. Wir fühlten uns ohnmächtig.

Tja, was tun als Gemeinde? Wie kriegst du Geld her? Geld, Zuweisungen kriegst du nur, wenn du Leute im Ort hast. Also: Abwanderung stoppen, Möglichkeiten schaffen, dass sich die Leute hier wohl fühlen, nicht nur am Wochenende mit Vereinen und so, sondern auch in der Woche – durch Arbeitsplätze.

Vielleicht erst mal was zu meinem Werdegang. 1946, in unserer neuen Heimat, arbeitete mein Vater auf 'm Kohlenplatz, meine Mutter zeitweilig als Reinigungskraft im Kraftwerk. Mein Vater wollte, dass sein jüngster Sohn unbedingt studiert, wie die anderen vier Geschwister. Aber ich wollte nach der Schule 'n Berufsabschluss machen und so hab ich in Zschornewitz gelernt: Schlosser für Anlagen und Geräte. Ich wurde vorzeitig fertig, weil ich schon immer ein bisschen sozialistisch angehaucht war. Danach bin ich an die Grenze. Das kam so: Ich hatte mit Boxen angefangen, und sie hab'n mir eingeredet: Junge, du kannst es bis zum Weltmeister bringen. Trainer war mein Traumberuf. Ich wollte also auf der ABF (Arbeiter-und-Bauern-Fakultät) das Abitur nachholen und dann zum Trainerstudium nach Leipzig.

Auf meine Bewerbung kriegte ich ewig keine Antwort. Bis ich mich ich eben zur Grenzpolizei werben ließ. Noch dazu weil ich dort meine »Sportkarriere« fortsetzen konnte. Bei Dynamo Magdeburg, bei Alfred Wendhaus, einem knochenharten Hund, Profitrainer, boxte ich in der Oberliga und wurde in den erweiterten Olympiakader für 1960 aufgenommen. Vier Tage in der Woche je dreimal Training, das war 'ne Quälerei. Wache »durfte« ich nicht mehr stehen, war ja »schädlich« für 'n Leistungssportler. Sie versetzten mich zur Polizei. Verkehrspolizei kam nicht in Frage – ich hatte keine Ahnung von Autos. Also Kriminalpolizei.

Zuerst bei den Trickdiebstählen: Magdeburg hatte riesige Gartenanlagen. Die Leute dort haben windigen »Verkäufern« für irgendwas Geld angezahlt, nur ließen die sich nie wieder blicken. Selten hab'n wir einen gekriegt. Wenn ich da hin bin, um so 'n Fall aufzuklären, bedauerten die Leute mich richtig: Sie sind so dürre, sind Sie krank? – Als ich ging, hatte ich die Aktentasche voll Äpfel und Pflaumen. Ich hab denen leid getan – dabei sah ich doch nur durchs Abnehmen so aus. Ich hatte nämlich anfangs Leichtgewicht geboxt, aber in der Gewichtsklasse hatten sie massenweise welche. Also musste ich ins Federgewicht und dann weiter runter ins Bantamgewicht. Das hieß: nichts essen, umso mehr trinken. Wenn du drei Tage wenig Wasser trinkst und säufst dann drei Liter, ist der Körper wie trockne Blumenerde und braucht keine Futtermittel mehr.

Irgendwann landete ich beim »Selbstmord«. Auch das war interessant. Die ersten Leichen: Da hatte sich 'ne Frau mit drei Kindern vergast. Den Eindruck vergisst man nicht. Ich war 19.

1963 hab ich aufgehört mit Boxen, ich hatte die Schnauze voll, 'n leichten Herzklappenfehler links und eine Verlobte, die wollte, dass ich wieder nach Zschornewitz komme – auch weil ich schlecht aussah. Also ging ich zurück, fing auf der Grube an, machte meinen Elektromonteur in der Abendschule, wurde Signal- und Sicherungsmonteur, machte noch den Elektromeister der volkseigenen Industrie, wie das damals hieß, und studierte fünf Jahre extern an der Bergbauakademie zum Ingenieurökonom für Kohle und Energie. Beim Signal- und Sicherungswesen gab's 'ne tolle Jugendbrigade, da war ich sozusagen der Chef. Wir sind groß rausgekommen, kriegten Auszeichnungen und wurden rumgereicht. Damit begann meine politische Laufbahn.

Im Braunkohlenwerk Mulde-Nord wurde ich hauptamtlicher FDJ-Sekretär mit weit über tausend Leuten. Als Dienstfahrzeug hatte ich 'n Spatz, ein Moped, war schließlich ein großes Revier. Und wie das so war, als junger Genosse bist du bald auf Parteischulen geschickt worden. In der in Ballenstadt war das Besondere: Ein paar der Lehrer waren zuvor 1. Kreissekretäre, die fremdgegangen waren. Ist so gewesen.

Dann: SED-Kreisleitung in Gräfenhainichen. Mein Hauptziel war, was zu machen aus diesem Land. Durch meine Volkstümlichkeit war ich immer angesehen, hab geholfen, wo ich konnte. Hauptsächlich verantwortlich war ich für internationale Arbeit. Freundschaftsbande mit Ungarn und Baschkirien und Polen. Manchmal musste ich Geschenke besorgen für den 1. Sekretär, damit der bejubelt werden konnte. Mit der Geschichte muss ich heute fertig werden. Das sage ich aber auch jedem.

Ein paar Mal wollten sie mich rausschmeißen, weil ich Mist gebaut hatte. 'n Skandal war schon, dass ich als Genosse zwei eheliche und zwei uneheliche Kinder hatte; ich sollte gefälligst schleunigst wieder heiraten.

30 Jahre war ich Karnevalsvorsitzender: Zschornewitzer Faschingsclub, ZFC. Karneval war offiziell nicht beliebt. Normalerweise hättest du die Büttenreden vorlegen müssen. Denn bei Büttenreden kam nur Sex oder Politik an. Alles andere konn'st du vergessen.

Der ZFC war am Klubhaus angebunden, sein Träger das Braunkohlenkombinat. Der ZFC hatte eine eigene Schneiderin und einen eigenen Dekorateur, die vom Werk bezahlt wurden, und ich hatte 'n Kostenstellenheft – da konnte man sich schon mal verschreiben ... Also, uns ging's gut.

Den ZFC gibt's nicht mehr. Das Klubhaus wurde zugemacht, der Saal fehlt, wo soll ich auftreten? 1994 war der letzte Karneval.

Zschornewitz, das war auch Frühlingsfest, Sommerfest, Sportfest. Und Bauernmarkt mit Bananen und hausschlachtener Wurst. Ich kannte Konsum und HO-Geschäfte gut, der Fleischermeister war mein bester Freund, da ging manches. Da war ich doch für viele der Größte!

Warum die DDR scheiterte? An Altersstarrsinn und am Bevormunden der Bürger. Die Leute oben hingen zu lange auf ihrem Stuhl, haben zu wenig auf die Meinung der Bürger gehört. Das war bekloppt. Man wollte was Gutes machen – aber durch Einkesseln unserer Leute! Spätestens als Honecker bei seiner Schwester am Apfelbaum in Wiebelskirchen stand, hätte man sagen können: Horcht zu, wer ausreisen will, soll ausreisen oder zu Besuch gehen, die meisten kommen wieder.

1990 war für viele im Osten der Schnee im Westen weißer, der Zucker süßer – das wurde denen auch eingeredet. Inzwischen ist den Leuten nach und nach das Licht aufgegangen.

Ich wär' schon '90 Bürgermeister geworden, wenn direkt gewählt worden wäre – ich erhielt die meisten Stimmen. Im Gemeinderat waren vier von der PDS und 14 gegen uns. Das hat sich geändert. Als LINKE stell'n wir neun Abgeordnete.

Zum Bürgermeister wurde ich 1994 gewählt. Direkt, mit gut 65 Prozent – und bei vier Gegenkandidaten, darunter den damaligen Bürgermeister. Mit denen musste ich dann im Gemeinderat zusammenarbeiten. Bei der letzten Wahl, im März 2008, wurde ich mit 92,9 Prozent gewählt. Ist das nicht komisch?

Viele halten mir wohl meine Volkstümlichkeit zugute, grad' durch den Karneval. Oder die Vereine. Oder den Sport. Ich war bei Aktivist Möhlau Sektionsleiter Boxen (und Übungsleiter, also fast Trainer), jetzt bin ich bei Turbine Zschornewitz. Ich stehe einfach mitten im Leben. Das ist mein Hinterland. Ich brauch' nur zu blinzeln ... Blinzeln, nicht anbiedern. Anbiedern gehört sich nicht.

Seit jeher engagiere ich mich für die Kommune. Fühle mich als Gemeinde-Arbeiter und sag nicht: Kommunalpolitiker. Wahlkampf mache ich – nach der Wahl, durch meine Arbeit. Für mich sind die Schwächsten der Gesellschaft – Kinder, Alte, Kranke – die Wichtigsten in unserer Gemeinde. Für die Schüler gibt's 100 Euro als Starterpaket und Zuschüsse für die Schulspeisung, über 90 Prozent der Kinder essen in der Schule. Fast alle gehen in den Hort. Du hast gehört, was die Direktorin vorhin gesagt hat: »In Zschornewitz funktioniert's«. Auch auf die Kitas bin ich stolz.

Im Verwaltungsdschungel musst du ständig lernen. Bürokratie und Sturheit, das ist schlimm. Ein Beispiel: Wir mussten nach Wassereinbruch und Schimmelbildung innerhalb von zwei Tagen die Kinder aus unsrem »Kribbelkrabbelkäfer« evakuieren. Die Eltern bettelten: Herr Gröbner, versuchen Sie alles, damit die Kinder nicht extra nach Gräfenhainichen müssen! Also suchten wir schnell eine nagelneue Wohnung. Aber: 14 Tage hätte es für alle Stempel gedauert. Der eine wollte ein Protokoll übers Heizhaus, der andere was mit'm Blitzschutz, der dritte meinte, das Fluchtfenster ist zehn Zentimeter zu schmal. Du wirst wahnsinnig, du wirst verrückt. Lieber hätten sie die Kinder in dem gesperrten Objekt gelassen. Das Wort nie gibt's bei mir nicht.

Gemeinsam mit dem Gemeinderat ist mein größtes Problem, Zschornewitz schön und anziehend zu gestalten. Wir taten viel für sanierte Straßen, Plätze und Gehwege. Aber ich sag' auch jedem: Was nützen schöne Wege, wenn die Häuser nicht schön sind.

Wir hatten Glück, wir wurden Projektstandort für die Weltausstellung 2000. Der Bauhaus-Direktor von Dessau hat ein Faible für Zschornewitz, und so rutschten wir mit rein. Viele Wohnhäuser sind ab 1915 mit dem Kraftwerk gebaut worden. Seine Architekten waren auch die Architekten der Siedlung. Als wir 'n Expo-Status kriegten, gaben wir uns Mühe, alles zu sanieren. Originalgetreu, wie's mal war. 'ne Heidenarbeit. Ein guter Partner war dabei Vattenfall: Die sind neben uns Haupteigentümer der Häuser und sanierten den größten Teil. Da musste ich als Kommune nachziehen. So kamen wir in die Städtebauförderung. War aber nicht einfach, denn ein Drittel der Mittel musste die Kommune zahlen.

'n bisschen Trubel gab's: Die Leute lebten in ihren Mietwohnungen seit Jahrzehnten und hatten etliches verändert: den Stuck abgehauen oder die Schrankwände rausgerissen. Nun sollte manches wiederhergestellt werden. Die Zschornewitzer waren auch gewohnt, dass ihre Häuser grau waren. Jetzt sollten sie blau oder gelb oder rot werden! Kannst du dir das vorstellen?! Diese Eingriffe in ihr gewohntes Leben, nicht so einfach. Also haben wir uns in vielen Versammlungen mit den Mietern beraten, jetzt sind sie froh über die Veränderungen. Das war 'ne schöne Zeit.

Die kommunalen Einrichtungen sind unser Rückgrat als Gemeinde, die müssen bleiben. Über sie können wir entscheiden, und sie bringen ja Arbeit im Ort. Mir pendeln noch zu viele Leute. Arbeit solln sie hier finden – das ist mein Traum; von Pendlern hab ich nichts. Was meinst du, was wir beispielsweise für Schwierigkeiten haben, die Freiwillige Feuerwehr einsatzbereit zu halten.

Wir beschäftigen auch 15 bis 20 1-Euro-Jobber. Ich weiß, das ist wie Frondienst, auch wenn ich mit ihnen alle paar Wochen in der Bücherei frühstücke, am gedeckten weißen Tisch.

Ein großes Problem ist, dass es demnächst in Sachsen-Anhalt Einheitsgemeinden geben soll – wenn alles durchgeht. Dagegen klagen ja viele Gemeinden, über 200, auch wir. Ärgerlich: Die FDP ist die einzige Partei, die in dem Punkt 'n »Arsch in der Hose« hat, im Gegensatz zu meiner Partei. Warum, weiß ich nicht, will ich aber wissen. Denn in einer so 'ner Einheitsgemeinde nehmen sie uns sozusagen unsre Selbständigkeit weg. Dann habe ich keinen Haushalt mehr, kein Personal, und die Einrichtungen gehören Zschornewitz auch nicht mehr. Meine Servicebrigade, die kommunale Reinigung, die Wäscherei und der Bautrupp wären weg.

Was hab ich dann noch zu entscheiden? Nichts. Ich kann nicht sagen, wohin die Parkbank kommt, ich kann nur sagen, welche Farbe sie kriegen soll. – Da kannst du noch so viele Verträge machen. Von wegen auf Augenhöhe. Das stimmt nicht. Mit Demokratie hat das nichts zu tun. Und was aus den Aktivitäten der Leute wird, daran will ich gar nicht denken. Zum Nulltarif kriegt uns jedenfalls niemand.

In den fünfzehn Jahren ist die Bürgermeisterarbeit mehr oder weniger gleich geblieben. Man wird mit der Zeit 'n bisschen cleverer. Ich mach hier nichts alleine, nur in Abstimmung mit dem Gemeinderat. 'n paar alte Beziehungen habe ich aufgefrischt, ich hab auch viele neue.

Nur ideenlose Leute kann ich nicht leiden. Das ist so. Wie diesen Stadtratspräsident: Früher war er Lehrer und Russischdolmetscher und hat immer 'nen Bückling gemacht, jetzt lässt er sich Präsident nennen. Oder wie Abgeordnete, die sich selbst der Stimme enthalten, wenn es um die Anschaffung einer einfachen Maschine geht. Entweder ich sag ja oder ich sag nein. Enthaltungen lass ich nur gelten, wenn's um Menschen geht; denn mit 'ner Ja-Stimme kann ich einen kaputtmachen und mit 'ner Nein-Stimme auch.

Oder der erste Landrat, früher Lehrer. Ich erinnere mich an unsre Freundschaftsreisen nach Polen: Hoch lebe der 1. Sekretär! Er immer mit, und dann wurde er Landrat für die CDU. Na ja. Und der Bundestagsabgeordnete, Name ist unwichtig, der jetzt uns partout nicht riechen kann – das war mein bester FDJler. Verstehst du das? Ist doch irgendwie verrückt.

Ich hab kein schlechtes Gewissen. Wenn ein Christ als sozial gilt, dann bin ich ein Superchrist. So 'ne soziale Ader, wie ich habe, hat so schnell keiner.

Mit 60 Jahren (und 18 Prozent Abschlag) bin ich in Rente, um mehr Zeit für die Gemeinde zu haben. (Zwar gibt's 'ne recht gut Aufwandsentschädigung, von der geht aber 'ne Menge an Steuern weg.) Wenn du Bürgermeister sein willst, kannst du nicht nur mal hingucken, da musst du ständig unterwegs sein. Wenn meine Frau um acht zur Arbeit geht, gehe ich ins Rathaus – ich passe so schlecht zu den Möbeln zu Hause, allein.

Manchmal kann ein Bürgermeister wie ich auch nur 'ne gewisse Schadensbegrenzung machen. Die ganze Finanzpolitik ist doch für 'n .... Je mehr wir strampeln, um mit List und Tücke Industrie und viele Kleinunternehmen, vor allem auf dem Gebiet der sozialen Arbeit, anzusiedeln und unsere Leute in Lohn und Brot zu bringen – und wie wir rotiert sind, damit Österreicher die Elektroschmelze kaufen! –, desto mehr wird die Gemeinde zur Kasse gebeten. Unsere Steuerkraftmesszahl ist unheimlich hoch. Deswegen kriege ich jedes Jahr vier-, fünfhunderttausend Euro allgemeine Finanzzuweisungen weniger als andere Orte. Und im Jahr zahlen wir jetzt siebenhunderttausend Euro an Kreisumlage und für die Verwaltungsgemeinschaft.

Viel Wert legen wir aufs Vereinsleben. Sehr rege ist die Kulturinitiative Zschornewitz mit 14, 15 Bürger/innen und vielen Veranstaltungen, wie neuerdings dem Schlappenball und dem Weihnachtsmarkt.

Und unser Sportverein! Der hat 500 Mitglieder, zwei Drittel Kinder und Jugendliche. Seit ich Bürgermeister bin, ist kein Kind, kein Jugendlicher, wenn sie im Sport organisiert sind, straffällig geworden. Das gibt mir recht: Die Straße kann ein halbes Jahr unsaniert warten, das Kind nicht. Wir haben Kegeln, Fußball, Rudern, Schach (mit Genossen Prof. Christian Bürdel als Übungsleiter), Volleyball ..., und die Tanzgruppe wurde 2008 Deutscher Meister.

Es gibt sieben Kleingartenanlagen, den Anglerverein und die Jäger. Ich renne zu den Vereinen, damit das Leben hier lebenswert ist. Das kostet auch Geld: Mensch, Günter, wir brauchen dies, wir brauchen das, hast du nicht 'n paar Euro übrig?

Neulich wollten die zehn-, elfjährigen Fußballer neue Dresse haben. Hab' ich also die gekauft, insgesamt 400 Euro. Für jedes Tor, habe ich den Jungs gesagt, gebe ich euch zehn Euro. Wenn ihr jetzt 40 Tore schießt, habt ihr's rausgeholt. Damit ich sehe, wie es klappt, vereinbaren wir: Immer wenn ihr ein Tor geschossen habt, macht ihr bei mir am Haus – ihr wisst ja, wo ich wohne – einen Strich. Nicht mit Farbe, mit Kreide!

Aufgeschrieben von Stefan Richter